Kornwestheim Uraufführung in St. Martinus

Von Werner Waldner
Uraufführung in St. Martinus: Die Beteiligten präsentierten sich mit großer Qualität und Spielfreude. Foto:  

Dass dieses Werk ein wenig komplexer wird, das war schon bei der Lektüre des Programmheftes zu erahnen. Da finden sich etwa Textpassagen in Englisch und Lateinisch und zwischen die klassischen Bestandteile einer Messe wie dem Gloria oder dem Sanctus sind weitere Passagen mit gänzlich anderen Texten eingeschoben. Und auch musikalisch ist die „Mass of Liberty“, die der katholische Bezirkskantor Peter Alexander Döser in seiner Quarantäne im Frühjahr 2020 komponiert hat, eine selten zu hörende Mixtur aus ganz unterschiedlichen Stilen – von der Gregorianik bis zu rhythmischen Gospels.

Ist das nicht. . .? Könnte das nicht. . .?

Für den aufmerksamen Zuhörer gab’s viel zu entdecken. Ist das nicht . . .? Das könnte doch . . . Ja, es war der „Battle of Jericho“ und „Glory, glory, halleluja“, die Döser in seine Komposition hatte einfließen lassen. Immer wieder freuten sich die Ohren über Bekanntes, waren überrascht und lauschten, wie das Alte und das Neue dank der Feder von Döser verbunden werden. Mal entschied sich der Kornwestheimer Komponist dabei für geschmeidige Übergänge, dann ließ er Tradition und Moderne hart aufeinandertreffen. Wie auch immer: Was auf den ersten Blick nicht zusammengehört, passte dann doch – letztlich war’s eine Messe aus einem Guss.

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Glänzend aufgelegte Sängerinnen und Sänger der drei von Peter Alexander Döser geleiteten Chöre – der Kirchenchor St. Martinus, der Frauenchor „ImPuls“ und der Männerchor „ImTakt“ – sowie die Solisten Anja Bittner (Sopran), Anne Greiling und Barbara Ostertag (Alt), Bernhard Hartmann (Bass), Maciej Szyrner (Klavier) und eine Reihe von Instrumentalisten schlugen gekonnt die Brücke zwischen der traditionellen Messliturgie in lateinischer Sprache einerseits und den englischsprachigen Gospels, stets sicher angeleitet vom Komponisten selbst. Dem allerdings nicht allzu zahlreich erschienenen Publikum in der St.-Martinus-Kirche gefiel’s. Stehend applaudierten sie den Musikerinnen und Musikern und natürlich dem Dirigenten und Komponisten.

Nicht die einzige Uraufführung an diesem Abend

Es war nicht die einzige Uraufführung an diesem Abend. Erstmals erklang ein ebenfalls von Peter Alexander Döser komponiertes Concertino für Tasteninstrument, Streicher und Pauke, bestehend aus vier Stücken, die der Kornwestheimer seiner Frau und seinen Töchtern gewidmet hat. Ob sie sich in den Stücken wiedererkannt haben?

Begonnen hatte das Konzert mit einem Werk des 1941 geborenen amerikanischen Komponisten Tom Fettke, dessen „You Are My God And King“ Döser für Orchester arrangiert hatte. Die an einen Psalm angelehnte Hymne, die auch sehr gut als Gospel durchgehen würde, gab einen guten Vorgeschmack auf das, was im weiteren Verlauf folgen sollte. Das Programm vervollständigten die fünf Choralfantasien für Violoncelli und Klavier, die Döser im Jahr 2005 komponiert hatte. Das Erschaffen von Musik, so der Kantor der katholischen St.-Martinus-Gemeinde, sei für ihn keine Verpflichtung, sondern „wie ein Spiel“.

Die Messe gibt’s bald als CD

Die „Mass of Liberty“ gibt’s in einigen Wochen auch als CD. Zu hören ist sie dann in gleich zweifacher Version – zum einen aufgenommen in einem Studio in Kammerchor-Besetzung, zum anderen als Live-Mitschnitt aus der St.-Martinus-Kirche. Ebenso diszipliniert wie die Musikerinnen und Musiker war das Publikum. Es war gebeten worden, mit dem Beifall zu warten, bis die nach der Aufführung einsetzenden Glocken verklungen waren. Alle hielten sich an den Wunsch. Ein perfekter Abend.

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