Kornwestheim Vera Friedländer im Alter von 91 Jahren gestorben

Von
Vera Friedländer Foto: dpa/Annette Riedl

Kornwestheim - Die Schriftstellerin Vera Fried­länder, die sich als Mädchen an einer erfolgreichen Protestaktion gegen die Nazis beteiligte und später als Zwangsarbeiterin in einer Schuhfabrik versklavt wurde, ist tot. Die Autorin starb in der vergangenen Woche im Alter von 91   Jahren bei Berlin, wie der Verlag Das Neue Berlin unter Berufung auf ihren Sohn Ulrich Schmidt bestätigte.

Die Mitbegründerin des Jüdischen Kulturvereins Berlin hatte in ihrem 2016 erschienenen autobiografischen Werk „Ich war Zwangsarbeiterin bei Salamander“ über ihr Schicksal berichtet. Im Alter von 16 Jahren musste sie in einem Reparaturbetrieb in Berlin, von der SS bewacht und angetrieben, Schuhe sortieren. ­Zahlreiche Mitglieder der Familie der 1928 in Woltersdorf bei Berlin geborenen Autorin wurden von den Nationalsozia­listen ­deportiert und unter anderem in den ­Konzentrationslagern Auschwitz und Theresienstadt ermordet.

Vor drei Jahren weilte Friedländer auf Einladung der Stolperstein-Initiative zu einer Lesung in Kornwestheim. Ihre Kritik an dem Schuhproduzenten beschränkte sich nicht nur auf das Gebaren während des Nationalsozialismus, sondern umfasste auch den Umgang mit der NS-Vergangenheit in den folgenden Jahrzehnten. Über Jahrzehnte sei das Verhalten von ­Salamander in Kornwestheim verharmlost, Nazijargon ohne jegliche Distanzierung verwendet worden. Ihre Kritik richtete sich insbesondere gegen Prof. Hans­peter Sturm, der bereits im Jahr 1958 eine Salamander-Chronik verfasst hatte.

Friedländer zeigte bei ihrem Besuch in Kornwestheim aber auch kein Verständnis dafür, dass eine Schule nach Ernst Sigle benannt worden ist. Der einstige Aufsichtsratsvorsitzende von Salamander habe nachweislich mehrfach die Schuhprüfstrecke im Konzentrationslager Sachsenhausen besucht, wo Internierte bis zum Umfallen Schuhe aus Lederersatzstoffen testen mussten. „Die Direktoren von Salamander wussten ganz genau, was in Sachsenhausen vor sich ging“, so Friedländer, als sie im K vor über 100 Besuchern aus ihrem Buch las. Die von ihr angestoßene Diskussion ist in Kornwestheim in der darauffolgenden Zeit nie fortgesetzt worden.

Artikel bewerten
1
loading
 
 

Sonderthemen