Kornwestheim Verbandstag beschließt das Ende der Saison

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Philip Mandic (Mitte, blaues Trikot) spielt mit dem SV Pattonville auch in der kommenden Saison in der Kreisliga A. Foto: Archiv/Mateja fotografie

Fußball - Eigentlich fehlte nur noch die Bestätigung, nun ist es Gewissheit: Die Fußballsaison 2019/2020 wird im gesamten Verbandsgebiet des Württembergischen Fußballverbandes (WFV) zum 30. Juni beendet. Dafür votierten rund 90 Prozent der stimmberechtigten Delegierten beim außerordentlichen Verbandstag, der dieser Tage virtuell abgehalten wurde. Der Vorschlag, die Saison ab frühestens 1. September zu Ende zu spielen, erhielt nur zehn Prozent der Stimmen.

Neben dem Ende der seit Mitte März wegen der Corona-Pandemie unterbrochenen Saison bedeutet der Beschluss, dass die die vom Verband favorisierte Auf- und Abstiegsregelung nun greift. Somit ist klar, dass nach dem Ende der Saison von der Verbandsliga abwärts keine Mannschaft absteigen wird. Im Aufstiegsrennen geht es für die Clubs nach oben, die zum Zeitpunkt des Abbruchs nach Anwendung der Quotientenregelung (Punkte geteilt durch Spiele) einen der direkten Aufstiegsplätze belegten. Die Teams, die einen Relegationsplatz inne hatten, gehen leer aus. „Dass es keine Lösung gibt, die alle Beteiligten zufriedenstellen kann, war uns klar. Ich vertraue aber nun darauf, dass sich auch diejenigen mit der Entscheidung arrangieren können, die sich einen anderen Ausgang erhofft hatten“, sagte WFV-Präsident Matthias Schöck laut einer Verbandsmitteilung.

Beim SV Pattonville, dessen erste Mannschaft als Zweiter der Kreisliga A1 den Aufstieg verpasst, löst die Entscheidung weiter Zähneknirschen aus. „Ich habe mit nichts anderem gerechnet“, sagt SVP-Vorstand Michael Uhse. „Der Saisonabbruch ist richtig, aber wir hätten uns eine faire Diskussion gewünscht.“ In der vergangenen Woche hatte der Verband den von den Pattonvillern unterstützten Entwurf, der ein Aufstiegsrecht für die Zweitplatzierten vorsah, erneut abgelehnt und somit nicht zur Abstimmung zugelassen. „Es ist natürlich enttäuschend, dass wir nicht die Möglichkeit hatten, sportlich aufzusteigen“, fügt SVP-Trainer Marc Bachhuber hinzu.

Großes Verständnis für die Enttäuschung der Pattonviller zeigt der Lokalrivale SV Kornwestheim. „Sportlich gesehen ist das eine blöde Entscheidung“, sagt SVK-Abteilungsleiter Uwe Sülzle, „und für die Vereine, die nicht aufsteigen können, ist sie wirklich schlimm.“ Dennoch sei die Entscheidung des Saisonabbruchs aus gesundheitlicher Sicht notwendig und eigentlich alternativlos, betont der Verantwortliche des SVK. Dabei war die Entscheidung für die Kornwestheimer weitaus weniger brisant: Weder die Frauenmannschaft noch die drei Herrenteams das SVK hatten mit Ab- oder Aufstieg direkt zu tun. „Da konnten wir der Entscheidung natürlich viel entspannter entgegensehen“, gesteht Sülzle.

Obwohl Bezirksliga-Schlusslicht Drita Kosova Kornwestheim von dem Saisonabbruch profitiert, sieht sich der Club, der nun dem Abstieg entgeht, aber nicht als Gewinner. „In der aktuellen Situation gibt es keine Gewinner. Wir hoffen, dass alle möglichst gut aus Krise kommen und wir bald wieder normal Fußball spielen können“, sagt Drita-Trainer Armend Mehmeti. Die zweite Chance durch den Nichtabstieg nehme der Club zwar dankend an, verstehe diese aber auch als einen Auftrag: „Es ist natürlich ein Geschenk, aber jetzt müssen wir sportlich zeigen, dass wir es auch verdienen“, sagt Mehmeti.

Wann der Bezirksligist den sportlichen Beweis liefern kann, steht derweil noch nicht fest. Nach einer weiteren Abstimmung ist der WFV zwar dazu bemächtigt, „zu gegebener Zeit endgültig über den Spielmodus für das Spieljahr 2020/21 zu entscheiden“, teilt der Verband mit, fügt aber hinzu, dass es nicht absehbar sei, wann ein regulärer Trainings- und Spielbetrieb wieder aufgenommen werden könne. „Da hätte man sich ein kleines Hintertürchen offen lassen können“, sagt Uhse. „Bei einem Neustart erst im kommenden Jahr hätte man vielleicht doch die aktuelle Saison zu Ende spielen können. Aber jetzt blicken wir nach vorne.“

In die gleiche Richtung geht der Fokus auch beim SV Kornwestheim. Und das nicht erst seit der Entscheidung des Verbandstages. Trotz des ungewissen Ligastarts sind die Planungen in vollem Gange. „Die Vorbereitung steht. Natürlich müssen wir jetzt abwarten, wann wir mit den normalen Trainingsbetrieb starten können“, sagt Uwe Sülzle. Das eingeschränkte Training, das der SV Kornwestheim seit drei Wochen bestreitet, habe mit richtigem Fußball nur wenig zu tun, betont der Abteilungsleiter und wünscht sich – wie seine Mitstreiter bei Drita und beim SVP auch – eine baldige Rückkehr zur Normalität. Und das am besten auf dem Fußballplatz.

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