Kornwestheim Verkauf: Stadt legt Steine in den Weg

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Begehrtes Areal: Das Grundstück neben dem Rathaus soll verkauft werden. Foto: Mateja fotografie

Kornwestheim - Ihrer Enttäuschung ließ Petra Kaufmann am Donnerstagabend in der Bürgerfragestunde des Gemeinderats freien Lauf. Wie kann es sein, fragte sie, dass die Stadtverwaltung Interessenten an einem Grundstück, das eine Erbengemeinschaft, der sie angehört, verkaufen will, von einem Erwerb abrät? Wie kann es sein, so Kaufmann weiter, dass die Stadtverwaltung einem Gemeinderatsbeschluss vorgreift? Nach der Sitzung flossen bei ihr die Tränen. Die Auseinandersetzung mit der Stadt kostet sie Nerven.

Kaufmann ist Miteigentümerin des kleines Hauses an der Stuttgarter Straße, direkt neben dem Rathaus. Im vergangenen Jahr ist der Vater verstorben, nun will die Erbengemeinschaft das Grundstück samt dem Haus, das in keinem guten Zustand ist und vermutlich abgerissen werden muss, verkaufen. Die Preisvorstellung für das 877 Quadratmeter große Grundstück: 975 000 Euro. Kein Schnäppchen, sagen Immobilienexperten, aber auch kein Preis, der für hiesige Verhältnisse ungewöhnlich ist. Interessenten gab’s reichlich. Auch mit dem Nachbarn, der Stadt Kornwestheim, suchte die Erbengemeinschaft das Gespräch. Schon im Frühjahr des vergangenen Jahres habe ihre Stiefmutter die Verwaltung über den anstehenden Verkauf informiert, berichtet Petra Kaufmann, im November wurde auch ein von der Familie eingeschalteter Makler im Rathaus vorstellig. „Wir sind stets offen und ehrlich auf die Stadt zugegangen“, betont die Kornwestheimerin. Die Stadtverwaltung zeigte durchaus Interesse an dem Grundstück, aber nicht zu dem Preis von knapp einer Million Euro. Rund 240 000 Euro weniger wollte die Stadt zahlen, zudem für die Abbruchkosten geradestehen.

Und derweil die Erbengemeinschaft nach einem Käufer suchte, wurde die Stadt hinter den Kulissen aktiv. Eifrig erarbeitete sie erste Überlegungen für einen Bebauungsplan, der das Interesse an dem Grundstück erlahmen lassen dürfte. Vertreter der Verwaltung, so die Informationen von Petra Kaufmann, sollen sogar Kaufinteressenten, die im Rathaus vorsprachen, von einem Erwerb abgeraten haben mit dem Hinweis, dass sich die Rechtsgrundlage für das Grundstück ändern werde – und das bevor der Gemeinderat entschieden habe.

Was hat die Stadt vor? „Um mögliche städtebauliche Fehlentwicklungen in diesem Bereich verhindern zu können, ist es aus Sicht der Verwaltung erforderlich, einen neuen, an das aktuelle Bauplanungsrecht angepassten Bebauungsplan aufzustellen,“ heißt es in einem Papier, das der Gemeinderat am Donnerstagabend verabschiedet hat. Eine Idee, was man auf dem Grundstück machen könnte, hat die Stadt auch schon: Man könnte doch das Rathaus erweitern, so Baubürgermeister Daniel Güthler. Es stoße an seine Kapazitätsgrenzen. Oder einen Kindergarten bauen, sagt Oberbürgermeisterin Ursula Keck. Damit die Grundstückseigentümer ihrerseits nicht Fakten schaffen, die den Plänen der Stadt zuwiderlaufen, erließ der Gemeinderat am Donnerstagabend auch gleich eine Veränderungssperre für das Gebiet, zu dem unter anderem auch das wenig ansehnliche Telekomhaus an der Stuttgarter Straße gehört.

Die Beschlüsse des Gemeinderats machen das Grundstück für Investoren uninteressant. Wer steckt Geld in den Kauf, wenn er nicht weiß, was auf dem Grundstück erlaubt ist und was nicht? Das, wendet Güthler ein, sei zuvor auch nicht anders gewesen. Die derzeit gültigen Pläne würden einen Neubau nur auf den Flächen erlauben, die jetzt auch schon bebaut sind. Man dürfe sich zwar in der Höhe der Nachbarschaft anpassen, aber breiter dürfe ein Neubau derzeit nicht werden.

Güthler hält das Vorgehen der Kommune für rechtmäßig und redlich. Der Preis, den die Stadt für das Grundstück angeboten habe, sei angemessen. Zudem habe man Verhandlungsbereitschaft signalisiert. „Ist es richtig, dass die öffentliche Hand alles dem Markt überlässt?“, fragt er aber auch. Er gibt zu bedenken, dass bei einem hohen Kaufpreis fürs Grundstück auch die Eigentumswohnungen entsprechend teuer würden. Und das könne eine Kommune auch nicht wollen.

Güthler, der selbst erst Mitte Dezember von den Verkaufsabsichten der Erbengemeinschaft Kaufmann erfahren hat, will noch einmal auf die Familie zugehen. Er lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Stadt großes Interesse an dem Grundstück hat.

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