Kornwestheim Vom harten Rock zu soften Stäbchen

Von Marius Venturini
Blauer Container auf dem Marktplatz: Die Teststation hat ihren Betrieb aufgenommen, wenngleich auch eher schleppend. Foto: Werner Waldner

Kornwestheim - Das Jahr 2021 war nicht wirklich nach Johannes Leichtles Geschmack. Zwar konnte er seine Veranstaltungsreihe „Kornwestheim rockt“ auf dem Marktplatz trotz Pandemie durchziehen. Große Gewinne waren aufgrund begrenzter Zuschauerzahlen aber nicht drin. „Zum Glück sind wir null auf null rausgekommen“, sagt der Konzertmacher, der zum Beispiel auch schon in Sindelfingen und Leonberg für rockige Klänge ganz unterschiedlicher Couleur gesorgt hat. Üblicherweise treten dabei sogenannte Tribute-Bands auf, die Coverversionen von bekannten Gruppen spielen und sich sowohl eng an deren Interpretation der Stücke als auch an Bühnenshow und Look orientieren.

Gerockt wurde, nach der Absage 2020, also auch 2021 – und es hat für Leichtle und seine Eventagentur gereicht, sich ohne größere Verluste wieder einmal zu präsentieren. Für mehr aber auch nicht. „Wir wussten schon von vornherein, dass dieses Jahr kein Geld verdient ist“, gab Leichtle bereits im Spätsommer zu Protokoll, als die Bilanzen gezogen waren.

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Nur: Wie soll es nun weitergehen? Wie bleibt man auf der Bildfläche, generiert dabei gleichzeitig Einnahmen – und erbringt darüber hinaus vielleicht sogar noch einen Dienst an der Gesellschaft und deren Gesundheit?

Die Antwort: Corona-Teststellen eröffnen. Eine davon steht seit vergangenem Donnerstag auf dem Kornwestheimer Marktplatz – genau da, wo die Besucher auch im kommenden Sommer nach Möglichkeit wieder ordentlich rocken können. Dass er jetzt zumindest zeitweise vom harten Rock auf softe Stäbchen umsattelt, kann Leichtle erklären. „Natürlich sind es auch wirtschaftliche Interessen“, gibt er ganz unumwunden zu, „man muss ständig über Alternativen nachdenken.“ Die Corona-Pandemie werde seiner Ansicht nach noch ein paar Jahre dauern. „Die Testerei wird nicht so schnell aufhören.“

Verzögerung bei der Genehmigung

In Kornwestheim hat sich Leichtle vorab mit der Stadt verständigt. Während das ohne Probleme geklappt habe, habe sich, so der Veranstalter, das Verfahren zur abschließenden Genehmigung beim Gesundheitsamt Ludwigsburg lange hingezogen – was den Betreiber alles andere als erfreut hat. Am frühen Abend des 23. Dezember gab’s nach wochenlanger Wartezeit doch noch die Erlaubnis des Amts. Auf Nachfrage unserer Zeitung, warum es mit den Genehmigungen offenbar derzeit stocke, antwortet Landratsamt-Pressesprecher Andreas Fritz: „Aufgrund erhöhter Antragsaufkommen hatten wir in den vergangenen drei Wochen große Bearbeitungsrückstände. Wir haben den Bereich mittlerweile personell aufgestockt.“

Kurzum: An Heiligabend und über die Feiertage konnte das Team in Kornwestheim schon testen. Allerdings lief der Betrieb eher zögerlich an. „Es waren insgesamt zwischen 40 und 50 Tests“, so Leichtle. Doch auch in Gerlingen, Standort einer weiteren Teststation, habe es schleppend begonnen. „Und dort haben wir derzeit zwischen 150 und 200 Tests pro Tag.“ Mit dem Standort auf dem Marktplatz ist Leichtle hochzufrieden. „Wir haben direkt daneben das K, das Restaurant Applaus und auf der anderen Seite die Tiefgarage“, zählt er auf.

Die hiesige Teststation sowie jene in Gerlingen betreibt Leichtle gemeinsam mit Partner Uwe Hanselmann selbst. „Bei vielen anderen unterstützen wir die MDD Medical Service GbR mit Personal und Logistik.“ Die vielen anderen? Genau: Von elf weiteren MDD-Teststellen, die in der Region Stuttgart aufgezogen wurden, ist Leichtle bei fünfen mit an Bord. Weitere sind in Planung. Das Ganze läuft dann über eben jene GbR, die Michael Dang aus Pforzheim gemeinsam mit einem Partner aus der Taufe gehoben hat. „Mit ihm arbeiten wir schon seit Jahren zusammen“, so Leichtle. Das Projekt firmiert dann unter „Corona-Test Baden-Württemberg“, was vor Ort auch auf Bannern prangt. Leichtle und sein Team sorgen als Partner vor allem für die Helferinnen und Helfer. „Das sind dann quasi freie Mitarbeiter, die das Jahr über eigentlich für uns arbeiten“, beschreibt er, „auch Studenten und Menschen, die nebenbei einen Job suchen.“ Die Personalreserve bestehe aus etwa 50 Leuten, je nachdem, wie die Stationen besetzt sind und wie lange sie täglich geöffnet haben.

PCR-Tests sollen auch möglich sein

Eine Frage drängt sich nun noch auf: Beim Impf-Marathon in Stuttgart legten jüngst DJs auf und sorgten für elektronische Beats. Könnte das auch bei einer Teststation funktionieren? Nur in Leichtles Fall dann eben doch eher mit Rock statt Techno? „Natürlich haben wir da schon ein paar Spinnereien im Kopf“, sagt Leichtle. Aber jetzt müsse man erst einmal die Omikron-Welle einigermaßen hinter sich bringen.

Ganz real ist hingegen die Absicht, an der Kornwestheimer Teststelle neben den „normalen“ Antigen-Schnelltests auch bald die genaueren PCR-Tests anbieten zu können. Ab Mitte Januar könnte es laut Leichtle so weit sein. „Es müssen noch die entsprechenden Maschinen angeschafft werden“, fügt er hinzu.

Öffnungszeiten, Anträge und Abrechnung

Öffnungszeiten
 Die neue Teststelle hat montags bis samstags je von 7 bis 20 Uhr geöffnet, sonntags von 9 bis 18 Uhr.

Anträge
 Seit 1. November sind 400 Anfragen und etwa 220 konkrete Anträge zur Eröffnung einer Teststelle beim Kreis-Gesundheitsamt eingegangen. 150 Anträge wurden bearbeitet, 58 Genehmigungen erteilt.

Test-Abrechnung
  Seit 1. Dezember können Betreiber einer Teststation wieder 4,50 Euro (statt zuvor 3,50 Euro) für den Einkauf eines Antigen-Schnelltests und acht Euro für die Entnahme eines Abstriches abrechnen.

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