Kornwestheim Von Korkleisten und Flachwurzlern

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Neue Bäume für die Stadt: Die Mitarbeiter der Kornwestheimer Stadtgärtnerei pflanzen insgesamt 58 neue Gewächse. Foto: Marius Venturini

Kornwestheim - „Gucken Sie sich das mal an! Brutal!“ Jörg Raff, der Leiter der Stadtgärtnerei, ist voll in seinem Element, als er auf dem Betriebshof in der Aldinger Straße die dicke Scheibe eines Baumstamms aus dem Kofferraum seines Dienstwagens zieht. „Die dunklen Ränder hier, da hat der Baum eine Schutzbarriere gegen Pilzbefall gebildet“, sagt er und fährt über die Schnittfläche, „und im Inneren ist alles ganz weich, überhaupt nicht mehr stabil.“ Der Baum, über den Raff spricht, war einmal eine Kastanie. Sie stand auf dem Spielplatz am Eichenweg. Das marode Gewächs haben die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei inzwischen gefällt, demnächst soll es ersetzt werden. Dann wird einer von insgesamt 58 neuen, jungen Bäumen dort seinen Platz finden. Es ist Donnerstagmittag, die Pflanzarbeiten haben jetzt begonnen.

26 junge Bäume dienen dabei als Ersatz für alters- oder zustandshalber gefällte Gehölze, den Rest stellt das Team der Stadtgärtnerei an neuen Standorten auf. Die Gewächse – unter anderem Linden, Amberbäume, Blumeneschen, verschiedene Birken, Kastanien, Baumhasel und Zierkirschen – hatte Raff vor wenigen Wochen angekauft. Fünf bis acht Jahre alt sind die Neulinge, die teilweise noch im Sand im Gärtnereihof eingeschlagen sind. „So passiert ihnen auch im Winter nichts“, sagt Raff. Andere Bäume haben die städtischen Mitarbeiter schon aufgeladen. Sie stellen entlang der nahen Enzstraße Linden auf, die der Zufahrt zur Kreuzung mit der Aldinger Straße in einigen Jahren einen Alleen-Touch verleihen werden.

„Wir haben extra hitze- und trockenheitsbeständige Sorten ausgesucht“, sagt Raff, während die Arbeiter in ihren Warnjacken erst das Holzgestell um den noch dünnen Baumstamm herum zurecht sägen, um ihn anschließend in gerader Position festzubinden. 27 Linden sind es an sich, die hier, in der Talstraße und auch in der Nähe des Autokinos einen neuen Ort zum Gedeihen finden werden.

Unter anderem im Mirabellenweg plant Jörg Raff mit Amberbäumen, die im Stadtgebiet bereits an der ein oder anderen Stelle zu finden sind. „Die sind ahornähnlich und haben eine grandiose Herbstfärbung“, schwärmt er, „grün, orange, rot, da ist alles dabei. Es rufen immer wieder Leute bei uns an, die wissen wollen, was das denn für eine Sorte ist.“ Die „Korkleiste, die ganz wunderbare Zeichnung am Stamm“ tue ihr Übriges.

Eine Blumenesche ist für den Korblumenweg vorgesehen, zweierlei Birken werden als Ersatz für gefällte Bäume auf den Friedhof kommen. „Die Birke ist ja derzeit etwas in Verruf geraten“, holt Raff aus, „weil sie als Flachwurzler unter dem geringen Niederschlag leide.“ Er habe aber festgestellt, dass die Standortfaktoren eine große Rolle spielen. „Im Stadtgebiet ist der Platz viel zu eng bemessen.“ Daher der Friedhof – dort macht den Birken jedoch die Tatsache zu schaffen, dass um sie herum ab und zu das Erdreich geöffnet, die Wurzeln zerstört und so Angriffsfläche für Pilzbefall geschaffen wird.

Welche Bäume die Stadtgärtnerei künftig ersetzen muss, wird sich zeigen. „Wir schauen uns die Bäume normalerweise alle eineinhalb Jahre genau an, einmal belaubt und einmal unbelaubt“, so Raff. Gewächse, die an Verkehrsschwerpunkten stehen, begutachte man auch öfter. „Am Laub kann man einiges erkennen, aber es verbirgt auch vieles“, sagt Jörg Raff.

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