Kornwestheim Von Kornwestheim zum Ironman auf Hawaii

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Über 500 Teilnehmer: der Triathlon der Skizunft Foto: Peter Mann

Kornwestheim - Richtig eng ging es zu, beim ersten Start zum Triathlon im Alfred-Kercher-Hallenbad. Dicht gedrängt hielten sich teils bis zu acht Kinder pro Bahn am Beckenrand fest und warteten auf den Countdown. Zwei Bahnen – insgesamt 50 Meter – mussten in der Altersgruppe der acht- bis elfjährigen Jungen und Mädchen geschwommen werden, angefeuert von zahlreichen Eltern am Beckenrand. Schon nach kurzer Zeit kamen Bjarne Mayer und Arne Leiss aus dem Wasser, rissen sich Badekappe und Brille vom Kopf und spurteten los. Barfuß ging es hinaus Richtung Rasenfeld, wo säuberlich geordnet frische Klamotten lagen und die Fahrräder für die anstehenden 2,2 Kilometer warteten.

So voll wie im Becken bei den B- und C-Schülern war es auch insgesamt bei der 20. Auflage des Triathlons, den die Skizunft jedes Jahr veranstaltet. „Wir waren mit Anmeldungen übervoll, und das auch schneller als im vergangenen Jahr“, berichtet Gerhard Weiland, der Gesamtverantwort­liche für den Triathlon. 515 angemeldete Teilnehmer zählte die Skizunft – deutlich mehr als 2011 mit 460 Sportlern. Als Grund vermutet er unter anderem den neu ins Leben gerufenen Triathlon-Regio-Cup, in den die besten drei Ergebnisse von sechs Terminen in den Kreisen Rems-Murr und Ludwigsburg einfließen. „Wir sind der letzte Triathlon, und viele wollen noch eine Wertung mitnehmen“, vermutet Weiland.

Zur selben Zeit sind die Ersten der jüngsten Startergruppe fast schon auf der einen Kilometer langen Laufstrecke durch den Salamander-Stadtpark. Beim Zieleinlauf auf dem Marktplatz bekommen alle ein weißes T-Shirt mit dem Logo des 20. Triathlons in die Hand gedrückt.

Angefeuert werden die Sportler auch von Matthias Mörike, der schon beim ersten Triathlon dabei war, wie sein T-Shirt verrät. „Allerdings als Helfer“, sagt er – wie die meisten der Kornwestheimer Sportler. Doch in den folgenden Jahren hatte es auch ihn gepackt, insgesamt kommt er auf drei Teilnahmen als Einzelstarter sowie drei mit der Staffel. Im vergangenen Jahr holten sie sich zu dritt sogar den Titel.

Damals gab es vor allem beim Radfahren eine andere Streckenführung. „Die wurde in diesem Jahr deutlich entschärft“, weiß er. „Zuvor ging es pro Runde dreimal den Berg hoch“, das sei sehr anstrengend gewesen, wenn man sich zu Beginn mit den Kräften verschätzt habe.

Für die Sportler sei es zudem attraktiver, erläutert Klaus Hermann von der Skizunft. „Auch für die Zuschauer ist es interessanter, sie haben die Läufer öfter gesehen.“ Und nicht zuletzt gab es auch einen organisatorischen Grund: Weil die bisherigen Routen mehr Straßen als in diesem Jahr kreuzten, waren auch mehr Helfer für die Absperrungen nötig. Dennoch waren wie im Vorjahr rund 150 Ehrenamtliche im Einsatz. Die waren zum Teil schon am Freitag aktiv, denn ein Teil des Weges für die Radstrecke war bis auf einen halben Meter Breite zugewachsen. „Da haben wir am Freitag erst mal eine Putzaktion gemacht.“

Gegen die Bodenbeschaffenheit konnten sie allerdings nichts ausrichten. „Die Stadt könnte die Feldwege etwas einebnen“, findet Triathlet Christhard Henning. Für die Kinder mit ihren Mountainbikes seien die holprigen Sträßchen ja weniger ein Problem, für die Erwachsenen mit den Rennrädern dagegen schon. „Aber die Lauf- und die Radstrecke sind dieses Jahr schon besser.“ Die bisherige Route sei teilweise unübersichtlich gewesen, und man habe nicht immer sicher sein können, ob einem Freizeitradler entgegenkommen.

Aufpassen müssen die Sportler in diesem Jahr dennoch. Immer wieder kreuzen vor allem im Stadtpark zahlreiche Fußgänger ihren Weg. Der Rundkurs, den die Erwachsenen dreieinhalbmal laufen, ist oft nur an den Einmündungen von Wegen oder Straßen abgesperrt. Immer wieder verlieren sich Freizeitradler auf die Strecke. Zu Zwischenfällen kam es dennoch nicht. Nur eine junge Frau ist vom Rad gestürzt und vorsorglich ins Krankenhaus gebracht worden. „Wir wünschen ihr gute Besserung“, sagte Oberbürgermeisterin Ursula Keck bei der Siegerehrung am Nachmittag auf dem Marktplatz. Da waren – trotz zum Teil langer Wartezeiten – noch zahlreiche Sportler dabei, viele waren kurz zu Hause gewesen und hatten sich umgezogen.

Besonders viel Zeit dafür hatte Marc Dülsen vom Team Silla Hopp. Er war in der ersten Gruppe um 10.40 Uhr gestartet und nach rund einer Stunde im Ziel, bei den Frauen bekam Julia Leye den Siegerpokal und eine Digitalkamera überreicht.

Die Athletin vom TC Backnang erreichte zusätzlich in der Regio-Cup-Wertung den zweiten Platz, knapp hinter Janet Wilhelm von der TG Cannstatt. Die meisten Punkte bei den Männern hatte am Saisonende Denis Biro vom Team Silla Hopp – „und einen schönen Pokal und 100 Euro“, sagte der 26-Jährige, der die ersten beiden gewerteten Wettkämpfe an einem Tag absolvierte. Dass er überhaupt starten konnte, war überraschend. Denn vor dem Ironman in Frankfurt verletzte er sich, und kein Arzt wusste, was los war. „Da fällt man dann in ein Loch, wenn man so lange auf etwas hintrainiert hat.“ Doch vor zwei Wochen, als er mit schwerem Gepäck rennen musste, waren die Schmerzen „plötzlich weg“. Nun kann er seinen Traum, auf den er nach dem Ende des Medizinstudiums ein Jahr hingearbeitet hat, noch wahr machen und im Oktober beim Ironman Hawaii starten. Danach tritt er seine Stelle als Assistenzarzt an. Sport werde er aber weiterhin treiben. „Das ist immer mein Leben gewesen“.

Das kann auch Otto Dolzer unterschreiben, nach Alfred Starzer vom MTV Stuttgart mit 74 Jahren der zweitälteste Teilnehmer. Montags schwimmt er, mittwochs radelt er, und jeden Tag laufe er mit dem Hund gut zehn Kilometer, berichtet er über seine Vorbereitung. „Ich bin ja Rentner, da kann man das ja machen.“ Früher trat er bei zwei oder drei Triathlons im Jahr an, heute nur noch in seiner Heimatstadt. „Wenn man älter ist, muss man schließlich aufpassen“, sagt er und grinst.

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