Kornwestheim „Vor dem Wald“ wird nicht erweitert

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Zu nah am Gewerbegebiet Nord, wo Air Liquide seinen Sitz hat: das Wohngebiet „Vor dem Wald“ (oben). Foto: Archiv/Werner Kuhnle

Kornwestheim - Die Anwohner der Straße „Vor dem Wald“ lassen ob dieser Nachricht vermutlich die Sektkorken knallen. Und das, so das Regierungspräsidium Stuttgart, soll auch das einzige sein, was da oben im Norden der Stadt knallt. Die Aufsichtsbehörde hat die Stadt darauf hingewiesen, dass eine Erweiterung des Wohngebiets „Vor dem Wald“, so wie sie Kornwestheim gerne vorgenommen hätte, nicht möglich ist. Der Grund: die Nähe des Gasversorgers Air Liquide, der seinen Sitz in der Solitudeallee hat und von dort aus Industriegase vertreibt, und die Störfallverordnung. Darüber informierte Baubürgermeister Daniel Güthler jüngst auf Nachfrage von Stadtrat Klaus-Dieter Holzscheiter (Freie Wähler) den Gemeinderat.

Es sind Luftlinie rund 500 Meter, die zwischen dem Betrieb und der Straße „Vor dem Wald“ an der Stadtgrenze zu Ludwigsburg liegen – zu wenig, um neue Häuser genehmigen zu können. Es müsse ein Achtungsabstand gewährleistet sein, so Güthler. „Eine Entwicklung des Areals ist dort derzeit nicht darstellbar“, sagte der Baubürgermeister.

Er bedauert das und hält die gesetzlichen Vorgaben für nicht plausibel. Es würden weder die Topografie noch die Schutzmaßnahmen der Betriebe berücksichtigt. Güthler ist nach einem Ortstermin bei Air Liquide davon überzeugt, dass von dem Unternehmen in der Solitudeallee keine Gefahr ausgeht. Es verfüge über ein „absolut ausgeklügeltes Schutzsystem“. „Nachbarn brauchen keine Angst zu haben“, betont der Bürgermeister.

Eine Fläche von rund 4000 Quadratmetern wollte die Stadt Kornwestheim am nördlichen Rand ihrer Gemarkung für Wohnbebauung zur Verfügung stellen. Zweigeschossige Ein- und Zweifamilienhäuser waren vorgesehen. Dass die Firma Air Liquide dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung machen könnte, hatte die Stadt schon geahnt und im Vorfeld einen Gutachter eingeschaltet. Er führte in seiner Expertise aus, dass die geplanten Neubauten innerhalb einer Sicherheitszone für den Fall einer Chlor-Leckage liegen würden. Deshalb wollte die Stadt Kornwestheim den Bauherren vorschreiben, dass Zuluftanlagen abschaltbar sein und Fenster mit Zwangslüftung über eine Schließsystem verfügen müssen, durch das die Zufuhr von Außenluft unterbunden werden kann.

All diese Sicherheitsmaßnahmen brauchen nicht zu greifen, weil die Häuser nicht gebaut werden – und das zur Freude der Nachbarn, die sich sowohl auf Kornwestheimer als auch auf Ludwigsburger Gemarkung gegen die Bebauung ausgesprochen hatten, und des Dachverbandes für Natur und Umwelt, der vor zwei Jahren, als sich der Gemeinderat mit dem Bebauungsplan befasste, eine weitere Versiegelung des Stadtgebiets ablehnte. Er habe die Befürchtung, „dass der Bebauungsplan ,Vor dem Wald’ lediglich einen Einstieg in eine weitere Bebauung entlang der Ludwigsburger Siedlungsfläche in Richtung Osten darstellt.“

Im Flächennutzungsplan 2030, der vor eineinhalb Jahren verabschiedet wurde, ist die Fläche „Vor dem Wald“ als Wohngebiet ausgewiesen. Als solche genutzt werden kann sie derzeit allerdings nicht.

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