Kornwestheim Weihnachtsmarkt: Sturm pustet Stände um

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Der Sturm hat die Buden beim Weihnachtsmarkt im Alten Dorf umgeweht. Foto: z

Kornwestheim - Wer sich an diesem zweiten Adventssamstag ins Alte Dorf aufmachte, der musste ein ausgesprochener Liebhaber von Weihnachtsmärkten sein oder sehr hart gesotten – am besten beides. Denn eher wie ein später Gruß eines sehr dunklen Novembers mutete dieses Wochenende an – grau, regnerisch, mit einem eisigen Wind, der auch den allerletzten Rest Herbstlaub von den Bäumen fegte. Und nicht nur gelbe Blätter trug der Wind mit sich: Auch die liebevoll aufgebauten Stände des Weihnachtsmarkts wurden zum Opfer der Böen.

Schon in der Nacht von Freitag auf Samstag wurden Buden in Mitleidenschaft gezogen. Dass das den Markt nicht beendete, bevor er begonnen hatte, dafür sorgte der städtische Bauhof, der ab 6 Uhr am Samstag wieder aufbaute und sicherte. In der Nacht auf Sonntag tobte der Sturm erneut und die Schäden waren noch größer. Deshalb hat Oberbürgermeisterin Ursula Keck vor allem aus Sicherheitsgründen das Markttreiben sowie das komplette Programm am Sonntag abgesagt. Noch am Vormittag begannen Feuerwehr, Ordnungsdienst und städtischer Bauhof zusammen mit den Ausstellern mit den Aufräumarbeiten. Der Lions Club musste seine Verlosung verschieben. Sie soll nun am Dienstag vereinsintern nachgeholt werden, die Gewinner werden anschließend verkündet.

Trotz des ungemütlichen Wetters kamen am Samstag einige Besucher, um sich an den Ständen mit ihrer Dekoration und ihren Waren zu erfreuen. Mit Regenschirmen, Winterjacken und festem Schuhwerk flanierten sie zwischen den Ständen des 33. Kornwestheimer Weihnachtsmarktes entlang – obwohl gegen 15 Uhr, kurz vor der offiziellen Eröffnung, der Himmel noch einmal seine Schleusen geöffnet hatte. Da war die Begeisterung nicht so groß – vor allem bei zwei jungen Musikerinnen des Jugendblasorchesters, die prüften, was alles nass geworden war. Positiver sahen es zwei Damen hinter einem der Stände. „Da hinten wird’s ja ganz hell“, rief die eine der anderen zu. Und die beiden behielten recht mit ihren – im wahrsten Sinne des Wortes – hellseherischen Fähigkeiten. Pünktlich zur Eröffnung durch Oberbürgermeisterin Ursula Keck ließ der Regen nach. Der Nikolaus wollte sich vor seinem Auftritt trotzdem ein bisschen bitten lassen. Erst nachdem die versammelten Kinder zweimal laut „Nikolaus, komm raus“ gerufen hatten, kam er tatsächlich auf den Platz beim Brunnen vor der Martinskirche – mit Rauschebart, rotem Mantel und vor allem dem großen Sack voller Geschenke. Und nachdem sich ein paar Kinder mutig getraut hatten, vor allen ihre Nikolausgedichte vorzutragen, teilte er die Geschenke bereitwillig aus.

Nach und nach füllten sich die Gassen rund um die Martinskirche mit Eltern, Kindern und Großeltern, Paaren und Freundesgruppen. Weihnachtsstimmung konnte aufkommen, wenn man von einem Stand zum anderen bummelte, in der Nase den Geruch von Glühwein und roter Wurst. „Nicht kommerziell“, hörte man am häufigsten als Antwort, wenn man fragte, was den Kornwestheimer Weihnachtsmarkt auszeichnet – sowohl von Besuchern als auch von den Marktbeschickern selbst. Und das war durch und durch positiv gemeint. „Die Vereine machen das alle mit Herzblut“, sagte ein junger Mann, der am Stand der Kleinkunstbühne Casino Flyer verteilte. Auf den großen finanziellen Gewinn hofft er dabei nicht. Ihm gehe es, wie wohl den meisten anderen, vor allem darum, Teil des städtischen Lebens zu sein, Leute zu treffen. Auch das zeichnet den Kornwestheimer Markt aus. Hier trifft man Leute, die man vielleicht seit dem vorangegangenen Weihnachtsmarkt nicht gesehen hat. Und so begrüßten sich immer wieder Bekannte mit lautem „Hallo“, um wenig später bei einem Glühwein zusammenzustehen.

Der Weihnachtsmarkt spiegelte das Leben der Stadt Kornwestheim im Kleinen wider. Von der neunten Klasse der Theodor-Heuss-Realschule und einer Schülergruppe des Ernst-Sigle-Gymnasiums über die verschiedenen Narrenzünfte, Musikgruppen wie die Städtischen Orchester und der Männergesangverein, dem Weltladen und der Arbeiterwohlfahrt bis hin zu diversen Ständen von Einzelpersonen waren viele auf dem Markt vertreten. Die Versuchung, an jedem Stand stehen zu bleiben und eine angebotene Leckerei zu probieren, ist nicht klein– vor allem aufgrund der Vielfalt. Eine Gruppe junger Frauen verkaufte orientalische Köstlichkeiten verschiedener Art – in tagelanger Arbeit selbst gefertigt. Am Stand des italienischen Kulturvereins gab es südliche Spezialitäten, direkt gegenüber Falafel. Auch Traditionelles wie Würste, heiße Getränke und Plätzchen (oder auch Guatzle oder Bredtle – je nach Herkunft des Verkäufers) wurde verkauft.

Doch die Besucher freute es, eben nicht nur Essen zu finden, sondern auch Nützliches und Schönes rund um Weihnachten: Christbaumkugeln, Kochbücher, Senf, Seife, Mützen, Socken, Honig, Schals und Schmuck für Mensch und Wohnung. Und so manch einer nutzte die Gelegenheit, sich schon einmal mit Geschenken einzudecken – oder mit Dekorationsartikeln, um die weihnachtliche Stimmung auch nach Hause zu tragen.

 
 

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