Kornwestheim Wenn aus dem Stern eine Maus wird

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Schon längst an die Kunden gebracht: Weihnachtssterne bei Selecta. Foto: z

Kornwestheim - Wer kurz vor dem Fest einen Blick in die Gewächshäuser und Hallen des Unternehmens Selecta One in Mühlhausen, an der Stadtgrenze zu Kornwestheim gelegen, wirft, wird vermutlich erst einmal stutzen. Weit und breit ist dort von farbprächtigen Weihnachtssternen nichts zu sehen. Hier sollen tatsächlich die Poinsettien, wie die Pflanzen in der Fachwelt heißen, heranwachsen? Kaum zu glauben. Doch wenn die meisten überhaupt erst einmal beginnen, über die diesjährige Weihnachtsdekoration nachzudenken, ist die Produktion des hübschen Gewächses für die Wintersaison schon längst abgeschlossen. „Die Pflanzen, die man im Laden kaufen kann, haben einen langen Weg hinter sich“, sagt Milena Weller, Kommunikationsmanagerin bei dem Unternehmen.

Wenn an diesen Festtagen Familien in ihrem Zuhause um den geschmückten Baum sitzen, ist eine Pflanze meist nicht weit. Der Weihnachtsstern gehört für viele nach wie vor dazu – in klassischem Rot oder auch in Pink-, Weiß- oder Beigetönen. Einige der beliebten Exemplare haben auf ihrer Entwicklung zur ausgewachsenen Pflanze Station in Mühlhausen gemacht, dem Hauptsitz von Selecta One. Ihre Ursprünge liegen jedoch woanders.

Auf der Wagagai-Farm in Uganda stehen die Mutterpflanzen. In riesigen Gewächshäusern mit einer Gesamtfläche von 20 Hektar werden die Weihnachtssterne von Mai bis August angebaut. Von dort werden die Stecklinge per Flugzeug nach Europa gebracht – pro Saison sind es jeweils rund 55 Millionen Stück. Aber warum ausgerechnet Ostafrika? „Das hängt einerseits mit dem Klima zusammen, das dort sehr gut geeignet ist“, erklärt Milena Weller. Die tropische Pflanze, die eigentlich aus Mexiko stammt, findet in Uganda gute Bedingungen, denn sie mag es warm. In Deutschland müssten die Gewächshäuser stark beheizt werden, was einen hohen Kohlendioxid-Ausstoß verursachen würde. Aus ökologischer Sicht sei es deshalb sinnvoller, die Stecklinge per Flugfracht zu transportieren, so Weller. Andererseits spiele es auch eine Rolle, dass die Lohnkosten in Uganda deutlich geringer seien.

Geerntet werden in Afrika die grünen Blätter der Mutterpflanzen. Davon werden nur die Sprossen benötigt, die abgeschnitten und als Stecklinge verschickt werden. Dabei handelt es sich um nur vier bis fünf Zentimeter große Gewächse. Noch in den Gewächshäusern auf der Farm werden die Stecklinge in Kartons verpackt, um sie im Sommer zur Bewurzelung nach Europa zu bringen – entweder zu Selecta One oder direkt zu den Kunden des Unternehmens, also an Betriebe, die die Pflanzen großziehen und weiter vertreiben. In den Gärtnereien wachsen die Weihnachtssterne zur vollen Größe heran und entwickeln ihre farbige Krone.

Schon Ende der 80er Jahre hat Selecta One mit der Produktion von Jungpflanzen angefangen, damals noch mit Fremdsorten. In den 90er Jahren wurde mit der eigenen Züchtung begonnen. Inzwischen besteht das Sortiment zu über 90 Prozent aus eigenen Sorten. Rund 50 Weihnachtssterne hat das Unternehmen in seiner Angebotspalette – unterschiedliche Farbvarianten und Wuchsstärken eingerechnet. Aber nur zehn bis 15 Sorten haben große Bedeutung. Die weltweit wichtigste von ihnen nennt sich „Christmas Feelings“. Sie ist schon 15 Jahre lang auf dem Markt und hat in der globalen Nachfrage immer noch Zuwächse. Sie ist in verschiedenen Farbnuancen von rosa bis dunkelrot, aber auch in Weiß und mit Sprenkeln verfügbar. Ungewöhnliche Farben wie ein reines Weiß sind immer mehr gefragt. Daher hat Selecta One zwei neue Sorten ins Programm aufgenommen. Vor allem jüngere Käufer greifen gerne dazu. „Nach wie vor der Renner sind aber die roten Weihnachtssterne“, weiß Milena Weller. Und je nach Land soll es auch ein ganz eigenes Rot sein.

Etwa fünf Jahre dauert es von der Kreuzung bis zur Aufnahme einer neuen Sorte. Um sie zu entwickeln, gibt es in Mühlhausen neben der Verwaltung und den Gewächshäusern Versuchsflächen, auf denen die Pflanzen ausgetestet werden. Auch ein Züchtungslabor ist dort beheimatet. Darin arbeitet man daran, die Sorten stabiler zu bekommen und einen Krankheitsbefall zu vermeiden. Nur die besten Testergebnisse haben eine Chance, ins Angebot aufgenommen zu werden. Viele Tausende Kreuzungen schaffen es nicht bis ins Sortiment.

Wie in anderen Branchen sind auch Pflanzen Modeerscheinungen und veränderten Kundenwünschen unterworfen. „Wir versuchen zunehmend, uns an Trends zu orientieren“, sagt Weller. In diesem Jahr ist daher beispielsweise ein Weihnachtsstern mit runden statt mit spitzen Blättern entwickelt worden. Ihre Form erinnert an die Ohren einer Maus. Sie wird daher unter dem Namen „Christmas Mouse“ mit einem eigenen Comic-Design vermarktet – passend zum Gedicht „Die Weihnachtsmaus“ vom deutschen Geschichtenerzähler James Krüss.

Wenn sich nicht gerade die Weihnachtssterne in den Gewächshäusern in Mühlhausen befinden, werden dort Nelken gezüchtet. Auch Geranien, andere Beet- und Balkonpflanzen sowie Schnittblumen wachsen bei Selecta One heran. Für das Unternehmen sind die Weihnachtssterne aber ein sehr wichtiges Segment. „Sie haben einen großen Anteil an unserem Sortiment“, sagt Weller.

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