Kornwestheim Wenn Corona das Comeback erzwingt

Von Marius Venturini
Wird wohl zwangsweise die Kickstiefel schnüren müssen: SVK-Fußballtrainer Sascha Becker. Foto: Pressefoto Baumann

Kornwestheim - In der Vergangenheit kam es schon öfter vor, dass SVK-Trainer Sascha Becker im Kader seiner Mannschaft auftauchte. Das war dann hauptsächlich bei Vorbereitungs- oder Freundschaftsspielen so. Und ab und zu machte das dem Landesliga-Coach und früherem Keeper ja auch Spaß, mal wieder das Tor zu hüten. Nun ist die Lage eine andere, brisantere. Becker wird im Spiel am Sonntag um 14 Uhr bei der SpVgg Satteldorf selbst die Kickstiefel schnüren und sich zumindest bereithalten. Der Grund ist aber nicht wirklich spaßig: Den Kornwestheimern stehen viele Spieler aus verschiedenen Gründen nicht zur Verfügung. Die einen sind nicht geimpft und dürfen somit ohne PCR-Test nicht auflaufen, die anderen sind verletzt, wiederum andere weilen im Urlaub. In letztere Kategorie fallen zum Beispiel Kapitän Marco Reichert, Offensivmann Pirmin Löffler sowie die Torhüter Hendrik Rauscher und Steffen Weber.

Doch nicht nur Becker richtet sich auf einen Einsatz ein. Auch Co-Trainer Christian Butz, einer der Weggefährten während der Aktivenlaufbahn des SVK-Coaches, wird auf dem Spielerbogen zu finden sein. Kommt es hart auf hart, wäre er ein Mann fürs zentrale Mittelfeld oder die Innenverteidigung. „Vielleicht helfen ja die 300, 400 Verbandsligaspiele Erfahrung“, sagt Becker und lacht bitter. Die Wahrscheinlichkeit, dass zumindest einer der beiden auch tatsächlich zum Einsatz komme, liege laut Becker bei mehr als 50 Prozent. Eine Statistik spricht zumindest für den SVK. „Ich habe als Spieler nie in Satteldorf verloren“, betont der Kornwestheimer Übungsleiter.

Doch die Rahmenbedingungen sind nun ganz andere, nicht nur für den SVK. Dass Vertragsspieler im Gegensatz zur breiten Masse an Amateurkickern auch ungeimpft mit Schnelltest auflaufen dürfen, stört den Coach schon lange – obwohl er selbst auch geimpft ist und sich auch klar dafür ausspricht. „Viele andere haben inzwischen Probleme, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten.“ Zumal Schüler über 18 Jahre nun auch nicht mehr als getestet gelten. Er persönlich habe das Gefühl, der Württembergische Fußballverband (WFV) wolle die Hinrunde „noch durchprügeln“. „Dann wäre die Hälfte gespielt und man könnte wenigstens etwas werten“, so Becker.

Unabhängig von der aktuellen Coronasituation steht der SVK nun vor einer einigermaßen großen Aufgabe. Das Team steht auf Tabellenrang 16, einem Abstiegsplatz, und muss aufpassen, nicht den Kontakt zum rettenden Ufer zu verlieren. Da kam die unnötige 2:5-Heimpleite vor einer Woche gegen den TSV Schornbach (Becker: „Das war bitter, weil wir eigentlich kein schlechtes Spiel gemacht haben.“) alles andere als gelegen – zumal der TSV ebenfalls um den Klassenverbleib kämpft. Und nun geht es nach Satteldorf zum Fünftplatzierten, einem traditionell stabilen und gefestigten Team. Die Aufgabe könnte einfacher sein für die Kornwestheimer, man muss es sagen, Rumpftruppe.

„Satteldorf ist schon immer taktisch sehr diszipliniert, die SpVgg spielt lang zusammen und kommt über das Kollektiv“, weiß Becker, „sie sind erfahren, abgezockt und haben eigentlich keine großen Schwächen.“ Andreas Etzel (beim 3:2-Sieg jüngst in Löchgau Doppeltorschütze), Tobias Becker (nicht verwandt mit dem SVK-Coach) oder Martin Kreiselmeyer, diese Namen stehen schon lange für die Satteldorfer Kontinuität – und für schlechte Erfahrungen des SVK bei Gastspielen im Landkreis Schwäbisch Hall. In der vergangenen, coronabedingt annullierten Saison, gab es im Pokal (1:6) und in der Liga (1:5) zwei deutliche Niederlagen.

Aber, es hilft ja bekanntlich alles nichts: Der SVK muss sich – Stand jetzt vor Zuschauern – bestmöglich verkaufen. „Ein Punkt wäre Gold wert für uns“, sagt Becker. Dafür müsse seine Mannschaft als Außenseiter aber „kämpfen, hauen, beißen und stechen“, kurzum „die Arschbacken zusammenkneifen“ und „ackern und arbeiten“.

Artikel bewerten
0
loading