Kornwestheim Wenn das Smartphone in der Tasche bleiben muss

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Anwendungen wie WhatsApp sind bei Schülern beliebt, aber nicht immer erlaubt. Foto: dpa

Kornwestheim - Das Smartphone ist aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Doch nicht immer und überall ist das Handy auch gern gesehen. Gerade in Schulen wird oft erbittert über die Handynutzung gestritten. Das Schulgesetz von Baden-Württemberg erlaubt den Schulen, selbst zu entscheiden, wie sie den Umgang mit den Smartphones handhaben wollen. Und so haben auch Kornwestheims weiterführende Schulen ihre eigenen Regeln aufgestellt:

Theodor-Heuss-Realschule Dass das Handy in der Schule dabei sein muss, steht für die meisten, auch für Rektor Boris Rupnow, mittlerweile außer Frage. Wie mit der Nutzung umzugehen ist, haben Eltern, Lehrer und Schüler der THRS in einer gemeinsamen Vereinbarung geregelt. Gemäß dieser gilt: Das Handy bleibt auf dem Schulgelände ausgeschaltet – sowohl im Unterricht als auch in den Pausen. Bei einem Verstoß gegen diese Regel, etwa wenn ein Gerät im Unterricht klingelt, wird es abgenommen. Mittags kann es von den Eltern im Sekretariat abgeholt werden. Ist das nicht möglich, werden die Eltern zumindest benachrichtigt. Das Handy auszulösen, habe einen besonderen erzieherischen Effekt, meint Boris Rupnow. Dass das Smartphone gezielt im Unterricht verwendet wird, ist eine Ausnahme mit klarer Aufsicht und klaren Regeln. Gerade im naturwissenschaftlich-technischen Bereich verwendet man zwar auch in der Schule immer mehr mobile Geräte. Boris Rupnow sieht es allerdings kritisch, wenn die Schüler dafür ihre eigenen Handys mitbringen: Schnell besteht die Gefahr, dass es auf die private Ebene geht. Stattdessen stellt die Schule die Gerätschaften und setzt auf einen schnellen Ausbau der Mittel vor Ort.

Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeinschaftsschule Hier gibt es Ausnahmen von der Regel, dass die Handys auf dem Schulgelände ausgeschaltet bleiben. Schüler ab der achten Klasse dürfen ihre Handys in den großen Pausen anschalten – dann sind sie auf einem separierten Pausenhof. In der Mittagspause ist es sogar schon ab Klasse 5 erlaubt, das Smartphone in der Schule herauszuholen. Allerdings nur im Aufenthaltsraum „Oase“, und auch dort nur zum Musikhören – und nicht etwa zum Chatten.

Auch an der PMHG wird das Handy bei einem Verstoß gegen die Regeln abgenommen. Die Schüler erhalten es am Ende des Schultages zurück. Strengere Maßnahmen braucht man laut Rektor Gerhard Link nicht: „Wenn man den Schülern das Handy abnimmt, ist das ein herber Verlust – selbst wenn nur das Gewicht des ausgeschalteten Handys in der Tasche fehlt. Das hält eine Weile vor.“ Schon länger gebe es bei den Schülern den Wunsch, das Smartphone im Unterricht einzusetzen. Soweit ist man an der PMHG allerdings noch nicht. Die Schule stellt die Gerätschaften, wenn mit digitalen Medien gearbeitet wird. In manchen Räumen gibt es zum Beispiel eine „Recherchiertheke“ mit Laptops.

Ernst-Sigle-Gymnasium Das Handyverbot auf dem Schulgelände hat man hier bereits mehrfach nachgebessert. Seit gut zwei Jahren gibt es nun einen Kompromiss: Vormittags ist die private Nutzung nicht erlaubt. In der Mittagspause dürfen die Schüler im Erdgeschoss Gebrauch von ihren Smartphones machen. Der Vorschlag dazu kam von der Schülermitverantwortung (SMV). Die Schulkonferenz aus Eltern, Lehrern und Schülern hat ihn lange diskutiert und schließlich angenommen. Rektor Christoph Mühlthaler ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden. „Horrorszenarien, dass Schüler nur noch Videospiele spielen, sind ausgeblieben. Ein reines Verbot wäre keine Lösung gewesen.“

Auch am ESG wird das Handy abgenommen, wenn ein Schüler wiederholt gegen die Regeln verstößt. Hilft auch das nichts, informiert man die Eltern. Dass Lehrer aber wirklich ein Handy im Sekretariat abgeben müssen, ist laut Christoph Mühlthaler sehr selten. Das mag auch daran liegen, dass Handys im Unterricht teils erlaubt sind – solange sie als Hilfen benutzt werden: Als Nachschlagewerk oder Taschenrechner. Die Schule begrüßt es, wenn Lehrer mit ihren Schülern neue Möglichkeiten testen. Wie zum Beispiel Physik-Apps, die die Schüler unter Anleitung herunterladen, um damit Messungen im Physikunterricht vorzunehmen.

In den Schulen herrschen also klare Regeln. Schwieriger wird es, wenn die Freizeit beginnt - und damit die WhatsApp-Kommunikation zwischen den Schülern. Wenn nachmittags auf WhatsApp ein Streit beginnt, ist die Problematik oft am nächsten Tag im Klassenzimmer. Alle drei Schulleiter kennen das. „Die Schüler haben da ein machtvolles Werkzeug, dessen Umgang sie nicht gelernt haben“, sagt Christoph Mühlthaler. Deshalb, und damit es zu so etwas wie Cybermobbing gar nicht kommt, haben ESG und PMH ein Präventionscurriculum in Zusammenarbeit mit Polizei und Schulsozialarbeit. Die Rektoren sehen aber vor allem die Eltern in der Pflicht, bei den Kindern auf verantwortungsvollen Umgang mit dem Smartphone zu achten. Mehr als ergänzen, informieren und sensibilisieren könnten die Schulen nicht.

 
 

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