Kornwestheim Wenn im Bad trotz Hitzewelle die Heizung bullert

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Auch bei mehr als 30 Grad muss asphaltiert und gebaggert werden. Foto: Anne Fuhrmann

Kornwestheim - Kaum ein Lüftchen geht, schon am Vormittag bewegen sich die Temperaturen um die 30 Grad, und ausgerechnet heute steht auf der Baustelle das Asphaltieren an. Klingt nach einem Albtraum? Für Murat Ates und seine Kollegen vom Bautrupp der Firma Lutz Krieg, die in diesen Tagen auf der Baustelle der Stadtwerke an der Ludwigsburger Straße tätig waren, ist das Realität. Sie gehören zu denjenigen, die einen Beruf ausüben, der nicht erst bei Hitze schweißtreibend und bei extremen Temperaturen besonders anstrengend ist.

Hitzefrei? Gleitzeit in Anspruch nehmen? Klimaanlage einschalten? Für die Bauarbeiter kommen diese Optionen nicht infrage. Von 7 bis 16.30 Uhr müssen sie ran, damit das Projekt an der alten B 27, das Verlegen einer Fernwärmeleitung, voranschreitet. Gestern wurde von dem Team der 200 Grad heiße Asphalt aufgebracht. Auf die Hitze kann dabei keine Rücksicht genommen werden, sagt Ates schulterzuckend. Schließlich werde das Material angeliefert und muss dann verarbeitet werden. „Aber wir machen häufiger Pause, wenn es heiß ist. Außerdem stellt uns die Firma Getränke und anderes zur Verfügung. Am Donnerstag gab es Melone“, erklärt er. Und immerhin werde derzeit in einer Allee gearbeitet. Da sei die Sonneneinstrahlung nicht ganz so heftig wie anderswo. Umgekippt ist von den Kollegen aber bisher noch niemand. „Wenn man merkt, dass man eine Pause braucht, muss man sich eben mal zurückziehen“, meint Ates. Zumindest gestern musste aber nicht ganz so lange geschwitzt werden: Freitags ist immer schon um 14 Uhr Feierabend. Und am Montag können sie die Baustelle auch schon abräumen.

Noch länger wird am Idexx-Neubau im Moldengraben gearbeitet. Das Unternehmen der Medizinbranche will im kommenden Jahr den Standort in Kornwestheim beziehen. Auch dort ist die Arbeit bei heißem Wetter schwieriger. „Warnweste und Helm müssen auch bei Hitze getragen werden“, sagt Polier Florian Zimmermann. In dieser Woche wurde – wie sonst – von 7 bis 18 Uhr gearbeitet. Bei solch größeren Baustellen mit mehreren beteiligten Firmen sei es schwierig, die Arbeitszeiten zu verlegen, erklärt Zimmermann. Allerdings werden längere und häufigere Pausen eingelegt und Getränke gestellt.

Nicht von der Kleiderordnung abweichen dürfen auch die Beamten im Kornwestheimer Polizeirevier. „Eine Lockerung der Uniformpflicht ist nicht möglich. Da müssen die Kollegen leider durch“, sagt Polizeisprecher Peter Widenhorn. Die Beamten, die draußen unterwegs sind, müssen auch bei heißem Wetter ihre Schutzwesten tragen. Aus Rücksicht auf die Hitze werde an solchen Tagen nicht unbedingt eine große Kontrollaktion geplant, sagt Widenhorn. Aber größtenteils seien die Beamten fremdgesteuert. „Auf die meisten Ereignisse haben wir keinen Einfluss. Wenn sich ein Anlass ergibt, dann müssen die Kollegen auch bei der Hitze raus in den Einsatz.“ Deshalb sei es wichtig, auch im Dienst viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen.

„Schwester, Sie schwitzen ja.“ Patricia Stangl und ihre Kolleginnen von der Ökumenischen Sozialstation können sich ein Lachen nicht verkneifen, wenn die Patienten sie mit dieser Beobachtung konfrontieren. In der Tat: Patricia Stangl schwitzt, aber nicht nur, weil draußen tropische Temperaturen herrschen, sondern insbesondere dann, wenn die Patienten im Badezimmer die Heizung aufdrehen oder den Heizstrahler einschalten. Und wenn das Duschen oder Baden – natürlich bei geschlossenem Fenster und geschlossener Tür – beim Besuch der Pflegekräfte ansteht, dann schwitzt die Schwester so richtig. „Wie Sauna“, umschreibt Claudia Sanchez die Lage. Viele alte Menschen, erklärt Pflegedienstleiterin Elsbeth Kilian, empfinden die Hitze nicht so und frieren, wenn sie sich auskleiden müssen, um zu duschen. Also wird die Heizung aufgedreht – bis zum Anschlag.

Das Baden ist nicht das einzige Problem bei diesen Temperaturen. Die Kompressionsstrümpfe anzuziehen, gestaltet sich nicht ganz so einfach. „Sie rutschen einfach schlechter“ erzählt Anja Faur. Die Patienten zu animieren, ausreichend zu trinken – auch immer wieder ein Thema. Deshalb gilt für alle die Faustformel: Wenn die Schwester kommt, ein Glas Wasser trinken.

Regelmäßiges Trinken, das ist auch für die Pflegekräfte das A und O. Die Sozialstation stellt Wasser zur Verfügung, das sich im Laufe des Tages aber im Auto aufheizt. „Das Wasser wird warm wie Tee“, erzählt Lhanzay Karma. Überhaupt das Auto: Das heizt sich in den Nachmittagsstunden auf, und eine Klimaanlage hilft kaum, weil zwischen den einzelnen Einsatzorten nur kurze Strecken zurückgelegt werden. Der Vormittagsdienst ist den Pflegekräften deshalb derzeit viel lieber. Aber aussuchen können sie es sich nicht. Und im Badezimmer ist es morgens wie abends so richtig heiß.

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