Kornwestheim Wenn Marianne und Karlheinz schreiben

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Autor Hasnain Kazim war an der Robert-Franck-Schule zu Gast. Foto: Dominik Florian

Kornwestheim - Mit einem „Salam Aleikum, meine Brüder und Schwestern“ begann Autor Hasnain Kazim seine Lesung an der Robert-Franck-Schule. „Aber da, von wo ich komme, sagt man nur Moin“, fügte der Korrespondent des Nachrichtenmagazins Spiegel hinzu. In seinem zweistündigen Vortrag las der gebürtige Oldenburger Passagen aus seinem Buch „Post von Karlheinz: Wütende Mails von richtigen Deutschen – und was ich ihnen antworte“, redete über Hassmails und Bedrohungen, die er selbst bekommen hatte und diskutierte mit rund 200 Schülerinnen und Schüler über die Verwendung von Sprache. „Achtet darauf, was ihr sagt und wie ihr etwas sagt“, riet der 45-Jährige den Jugendlichen und präsentierte allerhand Beispiele aus seinem Buch, in dem eine Auswahl von Dialogen des Autors mit Menschen, die ihn mit Hassmails überschüttet hatten, nachgelesen werden kann. „Anfeindungen gab es schon länger, aber 2016 habe ich damit angefangen, allen Verfassern der Beleidigungen und Bedrohungen persönlich zu antworten“, erklärte Kazim.

Anhand der provokant und meist nicht ganz ernst gemeinten Antworten auf die beleidigenden Anfeindungen, die auf das Aussehen und die Herkunft des Autors mit pakistanischen Wurzeln abzielten, zeigte der Journalist seinen Zuhören auf, welche verschiedenen Motive die Verfasser der Nachrichten haben. Es gebe einfach Frustrierte, die ein Ventil suchten, Menschen, die diskutieren wollten, aber übers Ziel hinausschießen würden, und eben auch „waschechte Rassisten“, zählte Kazim auf.

Gebannt lauschten die Jugendlichen den Geschichten über Marianne, die den Autor mit der in seiner Kultur üblichen Vielweiberei konfrontierte, oder über Titel-Antiheld Karlheinz, der Kazim als anti-deutschen Schmierfink ausmachte und sich selbst als echten Deutschen sieht. Doch auch rassistische Anfeindungen gegen ihn ließ er nicht aus und ermutigte zur Courage: „Jeder darf seine Meinung haben, und man sollte streiten und diskutieren“, sagte der studierte Politologe. Aber es gebe Grenzen des Sagbaren. „Die Sprache schafft das Klima“, fügte er hinzu und forderte die Zuhörer auf, ihren Mund aufzumachen, wenn andere die Grenzen überschritten. Nach einer Stunde des Zuhörens durften die Schülerinnen und Schüler ans Mikrofon. „Was erwarten Sie von unserer Generation?“, „Wurden Sie schon von Hatern attackiert?“ oder „Haben Sie auch mal Angst?“, überhäuften sie den Journalisten mit Fragen, die dieser geduldig beantwortete.

Dass der Autor auf dem Römerhügel zu Gast war, das war indes kein Zufall. „Die Theater-AG hat sein Buch als Stück aufgeführt“, sagte Christine Stiehl, die die Lesung gemeinsam mit ihrer Lehrerkollegin Elisa Frank organisiert hatte. „Nach seiner Lesung im Ludwigsburger Scala im Februar hatten wir ihn angesprochen“, erklärte Elisa Frank. Neun Monate später war Hasnain Kazim dann da und freute sich, die Jugendlichen für den Umgang mit Sprache zu sensibilisieren und auch aufzurütteln. „Seid hellwach und zeigt Rückgrat“, sagte er zum Abschluss, „auch wenn’s nicht immer leicht ist.“

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