Kornwestheim Wenn’s ganz dicke von oben kommt

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Starker Regen kann den Menschen in vielerlei Hinsicht zusetzen. Foto: dpa/Bob Edme

Kornwestheim - Hüpfende Kanaldeckel, im Wasser versinkende Autos, Flüsse, die übers Ufer getreten sind und nun bis zu den Fenstern im ersten Geschoss eines Wohnhauses reichen – mit drastischen Fotos dokumentiert Stefan Weber vom Ingenieurbüro Weber engineering, welche Folgen ein Starkregen haben kann. Um die Auswirkungen zu mildern, legt das Land Baden-Württemberg seinen Kommunen nahe, ein sogenanntes kommunales Starkregenrisikomanagement zu installieren. Was das bedeutet, das erläuterte Weber in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik.

Die Regenfälle, um die es geht und für die sich die Kommunen wappnen sollen, sind nur von kurzer Dauer, auf einen kleinen Raum beschränkt, aber sie bleiben lange im Gedächtnis der Betroffenen haften, weil die Auswirkungen massiv sind. Die Kanalisation kann die Wassermengen nicht mehr aufnehmen, sie ergießen sich auf Straßen und Plätze.

Für das Starkregenrisikomanagement erstellen die beauftragten Ingenieurbüros eine Karte, aus der ersichtlich wird, welchen Weg sich das Wasser nach einem solchen Regen sucht. Für die Karte, erläuterte Stefan Weber, wird Google Maps ausgewertet, die Mitarbeiter schauen sich aber auch vor Ort um, kartieren Tiefgaragen, Bordsteine und Mauern, die alle einen Einfluss auf die Fließrichtung des Wassers haben. Das sei mit großem Aufwand verbunden, so der Kornwestheimer Ingenieur mit eigenem Büro. Das Ergebnis: ein Modell, das die Oberfläche einer Kommune ausweist.

Mithilfe dieser Karte berechnen die Experten, wie sich das Wasser verhalten wird. Für das 15 Quadratkilometer große Kornwestheim seien drei Simulationen für den Westen, die Mitte und den Osten der Stadt erforderlich, sagt Weber. Sie verdeutlichen, wo sich das Wasser sammeln wird, mit welchen Fließgeschwindigkeiten es unterwegs sein wird und wann sich die Lage wieder beruhigen wird, das Wasser also im Erdreich oder in der Kanalisation verschwinden wird.

Mit dem Wissen aus diesen Risikoanalysen sollten die Kommunen dann dafür Sorge tragen, dass die Fließwege freigehalten werden, dass Wälle und Mulden an den geeigneten Stellen angelegt werden, dass sie beispielsweise Trafos nicht unbedingt dort anlegen, wo sich das Wasser sammeln wird, dass in bestimmten Gebäuden Kellerfenster besser zugemauert und Eingänge angehoben werden. „Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, die man gegen die Folgen eines Starkregens machen kann“, sagt Weber.

Noch wird das kommunale Starkregenrisikomanagement vom Land den Städten und Gemeinden nur nahegelegt. Karin Wächter von den Stadtwerken Ludwigsburg/Kornwestheim geht aber davon aus, dass es verpflichtend kommen wird. „Einen kleinen sechsstelligen Betrag“, so Weber, wird es dann wohl kosten. Derzeit übernimmt das Land aber 70 Prozent der Kosten. Das Gutachten selbst, mutmaßt Wächter, wird ohnehin nur die kleinere Summe der Ausgaben ausmachen. Teuer werde es, die vor den Folgen des Regens schützenden Maßnahmen umzusetzen.

Wichtig sei es, nach Fertigstellung der Risikoanalyse die Erkenntnisse auch der Öffentlichkeit vorzustellen, so Stefan Weber. Schließlich würden nicht nur öffentliche Einrichtungen von den Wassermassen nach einem großen Regen bedroht, sondern auch Privatgebäude. Auch deren Eigentümer sollten Vorsorge treffen können, wenn ihre Häuser in einem bedrohten Bereich stehen.

Einstimmig sprachen sich die Stadträte im Ausschuss für Umwelt und Technik dafür aus, ein solches Starkregenrisikomanagement aufzubauen. Welches Unternehmen das übernehmen wird, das muss eine Ausschreibung ergeben. Die Stadtentwässerung Kornwestheim hat die entsprechenden Gelder für die Erstellung des Gutachtens in ihren Haushalt bereits eingestellt. Bleibt nur noch die Hoffnung, dass bis zur Fertigstellung der Expertise und bis zur Umsetzung aller schützenden Maßnahmen kein Starkregen auf Kornwestheim niederprasselt.

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