Kornwestheim Wichtig ist die Frage nach dem bevorzugten Nasenloch

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Michel Klier (links) erläutert, wie man einen Schnelltest vornimmt.Foto: Petra Mostbacher-Dix Foto:  

Kornwestheim - Doppelt schützt besser. „Mit einem Paar geht es zwar auch. Aber ich bin ein Freund doppelter Handschuhe! Ihr seht, warum.“ Der Awo-Hygieniker Michel Klier erläutert beim Bezirksverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Württemberg, wie Hände desinfiziert, Schutzkittel und Schutzbrille angelegt werden: Die Ärmel verstaut er im zweiten Paar, damit keine Haut herausschaut. Sieben junge Frauen und Männer lauschen aufmerksam – maskiert, mit Abstand. Sie sind einem Awo-Aufruf gefolgt: Gesucht wurden Freiwillige, die in Senioreneinrichtungen Schnelltests vornehmen. Wie, darin werden die Ehrenamtlichen an diesem Abend geschult, von Klier und seinem Kollegen Dirk Fahrin, Awo-Pflegedienstleiter in Kornwestheim.

Nach der Coronaverordnung des Landes Baden-Württemberg brauchen Besucher eines Heimes neben der FFP2-Maske auch einen negativen Antigentest. Konnten diesen anfangs nur Pflegekräfte – nach ärztlicher Unterweisung – ausführen, ist nun der Arztvorbehalt entfallen. Auch geschulte Freiwillige dürfen ran. Pflegeeinrichtungen müssen individuell Testkonzepte erstellen, im Monat stehen 30 Tests pro Bewohner zu, finanziert von den Pflegekassen.

Im Lotte-Lemke-Saal des Awo-Bezirksverbandes drückt derweil Klier den Hebel des Desinfektionsmittelspenders mit dem Ellenbogen, lässt einen „kleinen See“ in die Innenhand träufeln, verteilt diesen „mindestens 30 Sekunden“ über die gesamten Hände, auch zwischen den Fingern. „Davor jeglichen Schmuck ablegen – auch die Besucher müssen das, bevor sie ihre Hände desinfizieren!“, betont er. Fahrin nickt. „Manche machen das ungern, aber nicht aus der Ruhe bringen lassen! Immer davon ausgehen, dass das Gegenüber positiv sein könnte.“

Fahrin spricht aus Erfahrung. Kaum war die Verordnung durch, hätten schon mehr als 40 Angehörige vor der Tür seiner Einrichtung gestanden, um sich von Freiwilligen und Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten testen zu lassen. 1917 Kräfte der Bundeswehr sind laut Landesinnenminister Thomas Strobl derzeit in Baden-Württemberg zum Bevölkerungsschutz im Einsatz, 782 davon unterstützen Alten- und Pflegeheime bei den Corona-Schnelltests.

In Zweiergruppen machen sich die Freiwilligen auf, sich gegenseitig an die Nase zu gehen und Abstriche zu üben, wie es Klier an Fahrin vorführte – der Aerosole wegen am offenen Fenster. Wie nochmals Handschuhe, Kittel und Brille anziehen – und wie ausziehen, ohne sich zu kontaminieren? „Das am meisten Verunreinigte zuerst weg, also der Kittel“, so Klier. Fahrin rät: „Fragen Sie stets, welches Nasenloch die Besucher hergeben wollen. Achtsam sein, manche weichen etwas zurück.“ Die Stäbchen seien nicht nach oben, sondern relativ gerade einzuführen, bis an die hintere Wand der Nasopharynxhöhle. „Vorsichtig drehen, von fünf rückwärts zählen, langsam herausziehen.“ So manches Auge der sich Testenden tränt. „Vollkommen normal!“, sagt die Qualitätsexpertin Weinlein.

Auch für Lehramtsstudentin Luisa ist das nichts Neues. Sie sei schon von ihrer Mutter getestet worden, die im medizinischen Bereich arbeite. „Ich habe mich freiwillig gemeldet, weil ich meinen Beitrag für die Gesellschaft leisten möchte“, so die 25-Jährige. Auch den anderen geht es vor allem darum, Sinnvolles zu tun, allesamt junge Menschen bis Anfang 30. Sie kommen aus unterschiedlichsten Bereichen: Carmen ist Lehrerin, Janis wird Automobilkaufmann, Milen hat gerade sein Wirtschaftswissenschafts-Studium abgeschlossen, Owen sein Abitur gemacht. In Zweierteams würden die Freiwilligen überwiegend in den 14 Pflegeeinrichtungen der Awo-Württemberg eingesetzt, erklärt Weinlein, nach Aspekten wie Mobilität, Zeit, Entfernung, Präferenz, abgestimmt mit dem jeweiligen Haus. „Insgesamt rund 35 Personen zwischen 19 und 60 Jahren haben sich als Freiwillige Tester gemeldet, etwa vom Humanistischen Hospizdienst der Awo Stuttgart und vom Jugendwerk der Awo Württemberg.“

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