Kornwestheim Wie der Keeper zum Sieg verhalf

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SVK-Keeper Jan David brachte die Gegner ein ums andere Mal zur Verzweiflung. Foto: Peter Mann

Kornwestheim - Als die letzte Minute lief, erhoben sich die 250 Zuschauer in der Osthalle in Kornwestheim von ihren Klappsitzen und ließen ihrer Mannschaft ein Schaumbad aus Zuneigung ein. Es war ein grandioser Abend, den die Fans der Handballer des SV Kornwestheim beim 37:29 (18:15) im Derby gegen den HC Oppenweiler/Backnang erlebt hatten, eine zauberhafte Vorstellung, in der der Mannschaft alles gelungen war. Und nach dem Schlusspfiff ging die Party weiter. Angeführt von Torwart Jan David zog das Ensemble Richtung Tribüne und feierte mit den Fans.

Der Torwart hatte schon während der Partie seine Emotionen ausgelebt, die Fäuste geballt nach gelungen Paraden, und hin und wieder musste er auch schmunzeln. Ja, es war ein ganz besonderer Abend für den 25-Jährigen, denn wenn Handball in erster Linie ein Mannschaftssport ist, war es doch der Mann zwischen den Pfosten, der mit seiner Leistung die eigene Abwehr stabilisiert und den Gegner entnervt hat. „Es ist wichtig für mich, gleich zu Anfang gut zu halten, damit kommst du dann auch in den Kopf des Gegners rein“, sagte David. Egal wo die Gäste hinwarfen, er war schon da. Er hat in diesem Spiel aber nicht nur Bälle abgewehrt, sondern sie auch umgehend in den eigenen Angriff weitergeleitet, weite Pässe auf die Außenspieler gespielt und das Konterspiel mehrmals in Schwung gebracht. Es war seine bislang beste Saisonleistung.

Erfolg ist hart erarbeitet

Vor vier Wochen bei der knappen Niederlage gegen den VfL Pfullingen sah die Welt von Jan David noch ganz anders aus. Wie ein geprügelter Hund ging er mit den Seinen vom Platz, in einem Spiel in dem er wenig gehalten hatte, die Abwehr verunsichert war und auch der Angriff am Schluss die Nerven verloren hatte. Das musste der Mann mit der Nummer 77 erst mal verarbeiten. „Das hat bei mir auch in der folgenden Trainingswoche nachgewirkt“, sagt er im Rückblick. Aber die Mannschaft habe ihm geholfen und auch der Trainer habe ihm zu 100 Prozent das Vertrauen ausgesprochen. Stück für Stück hat er sich aus dem Loch herausgearbeitet und sich mit der Leistung gegen den HCOB belohnt.

Auch sein Coach Alexander Schurr hat an die Stärken seines Schlussmanns und seines Teams geglaubt. Zweimal habe die Mannschaft gegen favorisierte Teams stark mitgehalten und dann doch in den Schlussminuten die Partien noch verloren. Diesmal wollte er nicht noch einmal ohne Punkte in die Kabine gehen. Einen Zaubertrank habe er seinen Jungs unter der Woche nicht verabreicht, aber die klare Botschaft, dass „sie es können“. Und dann war gegen Oppenweiler/Backnang alles ganz anders. „Wir waren von Beginn an sehr klar im Kopf, haben die beiden Kreisläufer aus dem Spiel genommen und waren auf jeder Position torgefährlich“, sagt Schurr. Auch Kevin Wolf, der zuletzt neunmal für den HCOB getroffen hatte, kam nur auf zwei Treffer. Überhaupt lieferte der Favorit, der in der vergangenen Saison nur knapp am Aufstieg in die 2. Bundesliga gescheitert war, eine enttäuschende Leistung ab. „Wir haben uns in der Abwehr zu weit auseinanderziehen lassen. Dadurch haben wir die Ordnung verloren. In Summe war das ein gebrauchter Tag“, analysierte Coach Matthias Heineke.

Schurr: „Die Partie war ein Brustlöser“

Beim SVK hingegen hat es in allen Mannschaftsteilen gepasst. Deshalb wollte Schurr aus dem starken Kollektiv eigentlich auch keinen herausheben. Dennoch gab es ein Extralob für Jan David, aber auch für Marvin Flügel auf der linken Seite und Felix Kazmeier, der immer wieder in den entscheidenden Phasen getroffen hat. Über weite Strecken hatte Kornwestheim mit mehreren Toren geführt – nur einmal beim 18:16 rückte der Gegner auf zwei Tore ran. Aber auch in diesem Moment blieben die Lurchis stabil, bauten den Vorsprung wieder aus, und auch Alexander Schurr hatte nie das Gefühl, dass die Partie entgleiten könnte: „Wir werden sicher nicht mehr oft Spiele mit solchem Abstand gewinnen. Die Partie war ein Brustlöser.“

Aufstellung: David, Henke – Scholz (4), Reusch (3), Jungwirth (5/1), Zeppmeisel, Kugel (1), Kazmeier (9/4), Tinti (4), Schoeneck (1), Lantella (3), Lehmkühler, Döll (1), Hellerich, Hiller (1), Flügel (5).

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