Kornwestheim/Winchester Kein Ozean kann echte Freunde trennen

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Joachim Etzl (rechts) und Robert Mc Clure sind langjährige Freunde. Foto: /Peter Meuer

Kornwestheim/Winchester - Die besten Freundschaften, die echten und tiefen, das sind jene, für die man sich nicht anstrengt und die dennoch Grenzen und Zeitzonen überwinden. Eine solche Freundschaft leben Robert Mc Clure und Joachim Etzl mittlerweile seit weit mehr als 40 Jahren. Der 56 Jahre alte Robert Mc Clure war dieser Tage einmal mehr in Kornwestheim und Markgröningen zu Gast, gemeinsam mit seiner Ehefrau Theresa besuchte der US-Amerikaner Joachim Etzl und dessen Familie.

Aber der Reihe nach: Robert Mc Clure verschlug es 1973 nach Kornwestheim, sein Stiefvater, Soldat in der Army, wurde in die Ludendorff-Kaserne versetzt. Die Familie zog in ein Haus in der Rosenstraße ein. Dort traf der zehn Jahre alte Robert Mclure auf den gleichalten („Wir sind nur elf Tage auseinander“) Joachim Etzl.

Die beiden Jungen freundeten sich schnell miteinander an, auch die Familien wuchsen zusammen. Mittlerweile sind sie natürlich gestandene Männer, aber wenn sie sich heute an die Zeit zurückerinnern, dann grinsen sie noch immer lausbubenhaft.

Zum Glück sei alles, was sie damals so angestellt haben, verjährt, sagt Joachim Etzl und lacht. Da gibt es beispielsweise die Geschichte, als Robert kochen wollte. Eine ganze Packung Makkaroni, das war allerdings zu viel, wie der Junge panisch bemerkte – und die Reste über einem Baum leerte. Ein „Makkaronibaum“ entstand. „Die Vögel haben sich gefreut“, erinnert sich Rosemarie Etzl schmunzelnd, die Mutter von Joachim Etzl, an deren Tisch Robert – „Bobby“ – und die kleine Schwester oft mit saßen.

Da gab es auch großartige Fußballspiele, wie Joachim Etzl berichtet. Man kickte gemeinsam in der ESG-D-Jugend und der C-Jugend. „Legendär“ sei ein 1:1 gegen die Spielvereinigung Ludwigsburg gewesen, als Robert Mc Clure ein Tor schoss. Bobby habe die „Basiserziehung eines deutschen Knaben“ genossen. Dazu habe eben Fußball gehört, aber auch die Kehrwoche, erzählen die Etzls lachend.

Nach wenigen Jahren allerdings wurde die Freundschaft unterbrochen. Für Robert Mc Clure und seine Familie ging es zurück in die USA. Man verlor sich für eine Weile aus den Augen. „Damals gab es ja noch kein WhatsApp, das war alles etwas komplizierter“, sagt Joachim Etzl. Aber für immer trennten die Umstände die Freunde nicht. Robert ging selbst zur Army, wurde Hubschrauberpilot und kam 1985 als junger Mann zurück nach Deutschland, wo er in Schweinfurt stationiert wurde. Bei der Hochzeit von Joachim Etzls Schwester traf man sich wieder – und hatte sich sofort wieder eine Menge zu erzählen. Zwar währte auch dieser Aufenthalt in Deutschland nicht ewig, nach drei Jahren ging es für Robert Mc Clure erneut zurück in die USA, heute lebt er mit seiner Frau in Winchester in Virginia. Aber den Kontakt, den haben sie seitdem immer gehalten, inklusive einiger nicht minder „legendärer“ Besuche und Gegenbesuche. Joachim Etzl, der Informatiker ist, hat zudem zwischenzeitlich in den USA gearbeitet.

Etzl, seine Frau Gabriele Wilms, ihre Kinder und Rosemarie Etzl sind wiederholt in unterschiedlicher Besetzung über den Atlantik gereist. Sie verbrachten etwa Thanksgiving mit den Mc Clures – „das zu erleben, das war so schön“, erzählen sie. Gerne erinnern sich alle auch an den Besuch zum „40-jährigen Freundschaftsjubiläum“ anno 2013, als die Familie aus Deutschland nach New York reiste und dort die Mc Clures wieder traf.

Was ihm an Deutschland gefällt? Robert Mc Clure fallen da wiederum als erstes die schwäbisch-deutschen Köstlichkeiten ein, die Rosemarie Etzl trefflich zubereiten könne – Schnitzel liebt er, wie er gerne betont. „Wir haben eine echte Schnitzelfreundschaft“, sagt der Amerikaner und grinst einmal mehr schelmisch.

Nun ging es für die Mc Clures zurück über den großen Teich. Weitere Besuche und Gegenbesuche sollen bald wieder folgen. Was ihre Freundschaft ausmacht? „He pushes me“, sagt Robert Mc Clure – zu deutsch etwa: „Er treibt mich an.“ Joachim Etzl sagt: „Wir tun uns gegenseitig einfach gut.“

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