Kornwestheim Wirte brennen darauf, wieder zu öffnen

Von
Der Kornwestheimer Hirschgartenin früheren Zeiten: Die Wirte hoffen, dass sie nun wieder zahlreiche Gäste bewirten können. Foto: Archiv/Mateja fotografie

Kornwestheim - Dank der Corona-Öffnungsregeln dürfen wohl in den kommenden Tagen Kneipen, Restaurants und Co. wieder an den Start gehen. Seit vergangenen Dienstag liegt die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Ludwigsburg unter 100. Bleibt der Wert bis zum Samstag und damit am fünften Tag nacheinander unter dieser Schwelle, darf die Gastronomie ab Pfingstmontag wieder öffnen. Für viele Kornwestheimer Gastwirte wird das höchste Zeit, finanziell war es in der Vergangenheit hart, außerdem brennen sie darauf, die Menschen zu bewirten und das öffentliche Leben wieder in Schwung zu bringen. Wir haben Eindrücke gesammelt.

„Es ist alles vorbereitet, damit wir wieder öffnen können“, sagt Mitko Pelovski und bezieht das sowohl auf den Hirschgarten als auch auf das Irish Pub Landlord – beide betreibt er. Für das Pub hat er Luftfilter angeschafft, „damit sich die Gäste und Angestellten sicherer fühlen“. Außerdem, so Pelovski weiter, geht er mit einer etwas reduzierten Speisekarte ins Rennen. „Wir wollen vermeiden, dass wir zuviel Essen auf Vorrat kaufen, dann wieder zumachen und vieles wegwerfen müssen“, sagt er. Das sei ihm nämlich vor dem Lockdown im November so gegangen. Pelovski will dringend wieder öffnen. „Ich musste Schulden aufnehmen, um laufende Rechnungen zu begleichen“, sagt er. Ein weiteres Problem: Einige seiner Mitarbeiter haben mittlerweile andere Jobs, stehen für die Arbeit im Hirschgarten oder im Pub nicht mehr zur Verfügung. „Wir starten erst einmal in kleiner Besetzung wieder“, sagt Pelovski. „Ich freue mich.“

Für viele war die vergangene Zeit eine finanzielle Katastrophe

Anastasios Koutsianos vom St. Georges sagt: „Ich kann jederzeit wieder aufmachen.“ Finanziell sei die vergangene Zeit „eine Katastrophe“ gewesen, sagt der Wirt, zumal die Überbrückungshilfen vom Staat teils viel zu spät kamen. Positiv an den vergangenen Monaten sieht er, dass Stadt und Gastwirte sich in der Aktion „Wir halten zusammen – unterstütze dein Lokal“ vernetzt haben. In Zusammenarbeit mit dem Rathaus wurden Gutscheine für Kneipen und Restaurants verkauft. „Das hat auf jeden Fall etwas gebracht“, sagt Koutsianos. Er selbst hatte die Aktion mitbegründet und schon frühzeitig Gutscheine veräußert. „Allein bei mir haben 50 Leute mitgemacht“, so der Wirt.

Marianne und Jürgen Luttenberger sind echte Kornwestheimer Gastro-Urgesteine. Bis November 2020 betrieb das Ehepaar die ESG-Sportgaststätte, die mittlerweile neu verpachtet ist, inzwischen bewirtschaften sie das Vereinsheim der Aquarienfreunde im Moldengraben. Es ist somit ein echter Neustart, wenn die Luttenbergers am 29. Mai loslegen. „Am Mittwoch haben wir mit den Planungen begonnen“, sagt Marianne Luttenberger. Schon seit April sind die beiden festangestellten Küchenmitarbeiterinnen nicht mehr in Kurzarbeit. „Man muss sagen, dass es bei uns gut lief mit den Speisen zum Abholen, auch mit unserem Lieferservice“, betont sie. Nun laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Wie sieht das Hygienekonzept aus? Wer darf überhaupt rein? Was ist im Biergarten noch zu beachten?

Applaus-Wirt Ralph Wagner spricht von den drei Gs: geimpft, genesen oder getestet

„Wir haben uns erst einmal ein Bier aufgemacht“, erzählt Ralph Wagner, Inhaber des Applaus am Marktplatz. Vor allem dass das Land die Gastronomie für außen und innen erlaubt, sei für sein Lokal eine erlösende Botschaft gewesen. „Bei der aktuellen Wettersituation hätte es uns nur wenig gebracht, nur die Terrasse zu öffnen“, sagt Wagner. So wird das Applaus voraussichtlich am Mittwoch oder Donnerstag mit einer kleineren Karte öffnen. „Unser Personal steht in den Startlöchern. Dank der Kurzarbeit haben wir zum Glück keinen Mitarbeiter verloren“. Bevor sein Lokal seine Türen öffnet, freut sich Ralph Wagner, an diesem Samstag erst mal sein Personal geschlossen wiederzusehen. „Da werden wir auch absprechen, wie wir die geplanten Maßnahmen umsetzen.“ So wird sein Servicepersonal erst einmal als Kontrolleure gefragt sein. Nach dem Nachweis der „drei Gs, geimpft, genesen oder getestet“, wie es Wagner beschreibt, würden die Daten der Gäste zum einen händisch, zum anderen digital über die Luca-App aufgenommen.

Mit Vorfreude, aber auch vorsichtiger Zurückhaltung – am Freitag stieg die Inzidenz wieder – blickt das Team des Gasthof Hasen der Wiedereröffnung entgegen. „Wir werden wohl noch eine Woche abwarten und jetzt nicht gleich am Dienstag öffnen“, sagt Thomas Beck-Renninger. Dem Restaurantleiter liege das Wohl der Gäste und des Personals am Herzen. „Daher werden wir auch den Empfehlungen der Dehoga folgen. Der Schutz der Gesundheit steht über allem“, sagt er. Ganz aus der Übung gekommen ist das Küchenteam ohnehin nicht: Neben dem Mittagstisch zum Mitnehmen wurden die Gäste des Hotels abends bewirtet.

Artikel bewerten
10
loading
 
 

Sonderthemen