Kornwestheim Wo Honigbienen fürstlich wohnen

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Sind stolz auf das neue Bienenhaus: Rüdiger Stihl, Patrick Pressel, Ina Anwander, Thomas Schlotz, Thomas Aydt und Leonard Schulz (von links). Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Die Idee kam ihm während einer Reise durch Slowenien. Thomas Aydt, Architekt mit einem Faible für Fotografie, und unter anderem an der Restaurierung des Ludwigsburger Schlosses beteiligt, erfuhr dort so manches über die kunstvollen großen slowenischen Bienenhäuser. Zigtausende davon gibt es in dem Land südlich von Österreich.

Zurück in Deutschland sprach er mit Rüdiger Stihl über seine Beobachtungen. Stihl, in Remseck beheimatet und aus der gleichnamigen Unternehmerfamilie stammend, ist ein großer Bienenfreund. Gemeinsam beschlossen sie, ein solches Bienendomizil errichten zu lassen. „Wir haben darüber diskutiert und sind zu dem Entschluss gekommen, dass es gut hierher passen würde“, sagt Aydt. Doch: Wer sollte das Projekt umsetzen? Das mussten schon Handwerker sein mit einem Auge für Details und der Freude an Formen und Baustoffen, lässt der Architekt durchblicken. Stihl und Aydt wandten sich an die Firma Muny Holzbau aus Kornwestheim. „Tüchtige Fachleute“, wie Rüdiger Stihl lobt.

Dort habe man die Herausforderung gerne angenommen, wie Geschäftsführer Patrick Pressel berichtet. Er fügt einen Satz hinzu, den er immer einmal wieder sagt, wenn die Auszubildenden, Gesellen und Meister aus Zimmerei und Schreinerei ein nicht ganz alltägliches Projekt angehen: „So etwas haben wir auch noch nicht gebaut.“ Und: „Solche Projekte sind der Grund, warum man ein Handwerk gelernt hat.“ Ergänzen muss man: Das slowenische Bienenhaus in Rüdiger Stihls denkmalgeschütztem Garten samt naturnaher (Streuobst-)wiese ist ein Projekt, bei dem vor allem Muny-Lehrlinge ihr Können zeigen konnten und hier vor allem Ina Anwander, 23 Jahre alt, die vor Kurzem ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat.

Nun steht es, das slowenische Bienenhaus, das mitten in Remseck von Kornwestheimer Handwerkern errichtet wurde.

Mehrere Völker haben in dem großen Holzhäuschen mit seinen feinen sowie landestypischen Verzierungen und Verzapfungen Platz. Hochgebirgslärche aus Südtirol haben die Muny-Holzhandwerker als eine wichtige Holzsorte beschafft – sie ist sehr witterungsbeständig, und wenn die Zeichen der Witterung einmal da sind, wandelt sich ihre Farbe zu einem schönen Silbergrau, wie Patrick Pressel berichtet. Die Trogbeuten für die Bienenkästen wurden nach Angabe des Imkermeisters Tobias Schlotz aus Zirbelholz gebaut. „Dank seiner ätherischen Öle vertreibt es die Varoa-Milbe, das mögen diese Schädlinge nicht“, so der Imker, der eng mit Rüdiger Stihl zusammenarbeitet und sich um dessen Bienenvölker kümmert.

Denn für Rüdiger Stihl ist das Bienenhaus indes sehr viel mehr als Gestaltungselement. In Zeiten, in denen Politiker, Medien, Umweltschützer und am Ende die Bevölkerung viel über das Bienensterben diskutieren, will er ein Zeichen dagegen setzen, ein neues Habitat für seine Völker errichten – einige „normale“ Honigbienenvölker werden bald in das slowenische Bienenhaus umgesiedelt, berichtet Rüdiger Stihl weiter.

Die letzten Handgriffe am Bienenhaus gebührten indes Leonard Schulz, Muny-Schreinerazubi, der die Fenster gebaut hat, und natürlich Ina Anwander. „Das ist schon eine besondere Arbeit gewesen“, sagt die junge Zimmerin. „Außergewöhnlich.“

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