Kornwestheim Wollte die Mutter ihren Sohn töten?

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Am Landgericht Stuttgart ist eine 47-jährige Kornwestheimerin wegen versuchten Mordes angeklagt. Foto: dpa

Kornwestheim - Was am 25. Oktober des vergangenen Jahres ein elfjähriger Junge aus Kornwestheim mutmaßlich erlebt hat, klingt beinahe unvorstellbar. Am Morgen des besagten Tages, gegen 7.15 Uhr, soll die Mutter das Zimmer des Jungen im Haus in der Weststadt betreten und versucht haben, ihren Sohn mit einem Cuttermesser umzubringen. Die 47-Jährige ist nun vor der neunten Schwurgerichtskammer am Landgericht in Stuttgart wegen versuchten Mordes und Misshandlung angeklagt worden.

In der Anklageschrift heißt es, der Junge habe geschlafen, als die Mutter versuchte, ihn zu töten. Der Staatsanwalt sprach von einer „heimtückischen“ Tat. Die Frau habe versucht, mit dem Messer die Halsschlagader an der rechten Seite zu treffen. Als ihr Sohn aufwachte, habe die Kornwestheimerin versucht, ihn zu beruhigen, aber weiter gemacht. Der Junge habe sich gewehrt und sei, nachdem er sich befreien konnte, zu Nachbarn geflüchtet. Der Elfjährige erlitt zudem mehrere oberflächliche Verletzungen an der rechten Hand. Er wurde im Klinikum in Ludwigsburg behandelt.

Die Angeklagte und ihr Mann haben einen Pornoversandhandel betrieben

Die Frau sitzt seitdem in Untersuchungshaft auf dem Hohenasperg. Der Vater des Jungen hat inzwischen das alleinige Sorgerecht vom Familiengericht in Ludwigsburg zugesprochen bekommen.

Am ersten von insgesamt neun Verhandlungstagen beantwortete die Angeklagte nur eine einzige Frage: Der Vorsitzende Richter Jörg Geiger hatte eine Nachfrage zu einer beruflichen Station der Kornwestheimerin gehabt. Diese beantwortete sie bereitwillig. Zu Beginn des Prozesses hatte sie über ihre Verteidigerin Julia Settele mitteilen lassen, dass sie zu der Tat selbst vorerst nichts sagen wolle.

Über das Leben der 47-jährigen gebürtigen Stuttgarterin erfuhren die Prozessbeteiligten dann aber doch eine ganze Menge vom psychiatrischen Gutachter. Der 58-Jährige aus Tübingen beschrieb die Frau als „depressiv“. Die gelernte Reisebürokauffrau, die am Mittwoch müde und erschöpft wirkte, sei in gut bürgerlichen Verhältnissen mit zwei Geschwistern aufgewachsen, habe erst die Realschule und später das Wirtschaftsgymnasium besucht. Bereits während der Schulzeit lernte sie ihren späteren Ehemann kennen. Nach der Hochzeit erfüllten sie sich Anfang der 2000er Jahre den Wunsch, sich selbstständig zu machen, und eröffneten eine Videothek mit angeschlossenem Versandhandel in Vaihingen. Das Haus in Kornwestheim erwarben sie im Jahr 2010. Von dort aus betrieben sie den Versandhandel weiter, sattelten aber auf Pornofilme um. Die Geschäfte liefen offenbar gut, das Haus sei seit ein paar Jahren abbezahlt.

Mit einem neuen Mann kehren die Depressionen zurück

Die Angeklagte, die den Ausführungen vor der neunten Strafkammer aufmerksam folgte, hatte gegenüber dem 58-Jährigen geäußert, dass der Sohn ein Wunschkind gewesen sei. Nach der Geburt im Jahr 2008 sei die 47-Jährige aber in eine postnatale Depression verfallen. „Sie hegte große Selbstzweifel und hatte die Befürchtung, dass sie der Sache nicht gewachsen ist“, sagte der Arzt. Daraufhin habe sie sich Hilfe gesucht, es habe eine etwa ein Jahr dauernde „Odyssee“ durch verschiedene psychiatrische Einrichtungen begonnen. Anschließend sei ihr Lebensmut zurückgekehrt. Bis zum Herbst 2018 habe sie keine Probleme mehr gehabt. Dass ihr Ehemann ihr Ende 2017 eröffnet habe, dass er ein Verhältnis mit der Haushälterin begonnen habe, habe ihr zwar „den Boden unter den Füßen weggezogen“, faktisch habe sich am Ehealltag aber nichts geändert. „Es war schon lange keine Liebesbeziehung mehr“, sagte der Psychiater. Die Depressionen kehrten offenbar erst zurück, als sich die 47-Jährige mit einem neuen Mann eingelassen habe. Der 58-jährige Arzt beschrieb den Zustand der Frau zu diesem Zeitpunkt als „innerlich zerrissen“.

Der Prozess wird am 20. Mai fortgesetzt. Dann soll das Opfer, der 11-jährige Sohn der Angeklagten, aussagen. Ob er Angaben machen wird, konnte sein Anwalt noch nicht sagen.

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