Kornwestheim Zum Glück hat die Angeklagte einen Großvater

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Prozess am Amtsgericht Foto: dpa

Kornwestheim - Mit der Zahlung einer Schadenswiedergutmachung hat ein Großvater aus Kornwestheim seiner 19 Jahre alten Enkeltochter vor dem Ludwigsburger Amtsgericht aus der Patsche geholfen. Damit muss die wegen Internetbetrugs angeklagte junge Frau nun noch 20 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Doch was wurde ihr vorgeworfen? Vermutlich von ihrer Kornwestheimer Wohnung aus hat die junge Angeklagte am 2. Mai dieses Jahres für 280 Euro ein Mobiltelefon an einen Mann verkauft, der ihr sogleich das Geld überwies – plus fünf Euro Versandkosten. Der Mann bekam das I-Phone aber nicht geliefert. Die Angeklagte, damals in einem finanziellen Engpass, hob die 280 Euro ab und verbrauchte sie, ohne sich um den leer ausgegangenen Handykäufer zu scheren.

Vor Gericht gab die 19 Jahre alte Frau die Straftat gleich zu und begründete diese damit, dass sie zur Tatzeit mit einem chronisch finanziell sehr knappen Mann zusammengelebt habe. Dieser habe sie dann auch dazu veranlasst, das Handy samt Kopfhörer und Ladekabel ins Internet zu stellen.

Daraufhin, so fuhr die Angeklagte vor Gericht fort, hätte sich ein Interessent für das I-Phone gemeldet und mit ihr über den Preis verhandelt. „Ich sende ihnen gleich den Überweisungsbeleg zu“, lautete die letzte Online-Kommunikation zwischen den beiden. Dann passierte nichts mehr. Zum Zeitpunkt der Gerichtsverhandlung war die 19-Jährige bei dem Freund aus-, bei ihrer Familie wieder eingezogen. Der Großvater war derjenige, der sich ans Ludwigsburger Amtsgericht gewandt und sich nach der Bankverbindung des Geschädigten erkundigt hatte. Von ihm bekam der Mann seine 280 Euro wieder zurück.

Schulden aus der Beziehung mit dem Ex-Freund, der die junge Frau zu dem Internetbetrug überredet haben soll, bestehen immer noch – das Paar schloss zu viele Handyverträge ab. Die Tilgung organisiert jetzt ebenfalls der Großvater, die Enkelin soll mit dem Abstottern der Raten klar kommen. „Einen Großvater zu haben, ist in Ihrer Situation ganz positiv“, bemerkte die Staatsanwältin. Es sei aber nicht der Opa gewesen, der Mist gebaut habe. „Sie können sich glücklich schätzen, so einen Großvater zu haben“, gab auch Jugendrichterin Dr. Franziska Scheffel der jungen Kornwestheimerin mit.

Da dieser den Schaden wieder gut gemacht hat, entschloss sie sich dazu, das Strafverfahren gegen die 19-Jährige einzustellen. Jedoch nur unter der Voraussetzung, dass die Auszubildende abends und am Wochenende 20 Stunden gemeinnützige Arbeit ableistet.

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