Kornwestheim „Zur Geburt eines Kindes ist die Welt nie fertig“

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Der Weihnachtsbaum darf nicht fehlen: Gottesdienst in der Johanneskirche Foto: Peter Mann

Kornwestheim - Gut, dass die Fenster in der Johanneskirche schon eingebaut sind. Einen solchen Luxus hatten Maria und Josef damals vor knapp 2000 Jahren nicht. Dennoch freuen sich die Gläubigen, die am Heiligen Abend an die Geburt Jesu erinnern, darüber, dass die Temperaturen in der Kirche über der Außentemperatur liegen. Nachdem der Heizlüfter zwei Tage lang ununterbrochen im Einsatz war, wird dieses Ziel tatsächlich erreicht: Beim Gottesdienst um 16.30 Uhr werden knapp über 16 Grad Celsius gemessen. Gemütlich warm ist das zwar immer noch nicht, aber die Gottesdienstbesucher, die sich an diesem 24. Dezember zum Baustellen-Gottesdienst aufgemacht hatten, sind vorbereitet und dementsprechend angezogen.

„Na ja, eigentlich sollte hier schon alles fertig sein. Wie es hier aussieht! Und das am Heiligen Abend…“ Mit diesen Worten beginnt der Gottesdienst, der von Pfarrer Ulrich Theophil und Pfarrerin Elserose Haug zusammen mit einem großen Team vorbereitet worden ist. Und in der Tat: Die Umgebung ist für eine Festtagsfeier doch eher ungewöhnlich. Statt Kerzen strahlen Baustellenleuchten, statt Sternen hängen Kabelenden von der Decke. Doch immerhin ein prachtvoller Christbaum sorgt optisch für eine weihnachtliche Atmosphäre. Und damit den Gottesdienstbesuchern warm ums Herz wird, braucht es keine hohen Temperaturen oder aufwendige Dekorationen, dafür sorgt der liebevoll gestaltete Gottesdienst. Und wenn die Besucher hin und wieder ein Schauer überläuft, so kommt das nicht durch die Kälte, sondern durch die Emotionen dank der Musik von Pfarrer Martin Mohns und Kantor Arnd Pohlmann, die für und mit der Gemeinde neue und alte Weihnachtslieder singen.

„Zur Geburt eines Kindes ist die Welt nie fertig.“ Diese Gedichtzeile ist einer der Schlüsselsätze des Gottesdienstes. So berichtet Pfarrerin Elserose Haug, dass sie die Baustelle auch gar nicht so sehr störe. Das Team sehe sie eher als Herausforderung. „Belebend und spielerisch“ habe das gewirkt, sagt Pfarrer Ulrich Theophil. Eines der schönsten Symbole dafür ist die – extra für den Heiligabend-Gottesdienst gebaute – Krippe, die gleichzeitig den Altar in der Kirche ersetzt: Die provisorische Wiege Christi übertragen in die aktuelle Situation. Es muss eben nicht immer alles perfekt sein.

Eines ist den Pfarrern und ihrem Vorbereitungsteam vor allem wichtig: Durch den Baustellen-Gottesdienst zu zeigen, dass es geht, dass es gut möglich ist, in dieser Kirche Gottesdienste zu feiern. Dieses Ziel wird erreicht: Die Gottesdienstbesucher sind durchweg begeistert, sowohl von der gleichermaßen besinnlichen wie fröhlichen Einstimmung auf den Heiligen Abend, als auch von der Johanneskirche, deren zukünftige Form sich doch langsam erahnen lässt.

Noch ist die Kirche unfertig, eine Baustelle. Dass sie aber trotzdem Ort von Gemeinschaft und Glaube sein kann, das zeigt auch der Christbaum, der in den nächsten Tagen weiterhin – gut sichtbar durch die neuen großen Fenster – weihnachtliche Stimmung in Kornwestheims Innenstadt verbreiten will.

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