Kornwestheim Zwei Stündchen für eine saubere Stadt

Von
Gerne verziert Yvonne Bauer ihre Fundstücke mit ein paar Augen: So entstehen ihre Müllmonster. . . Foto: privat

Kornwestheim - Am 2. Oktober feiert Yvonne Bauer, in Kornwestheim auch bekannt als Unrat-Exxe oder Sauberfee, ein Jubiläum: Es ist der 600. Tag nacheinander, an dem sie losgezogen ist, um Müll aufzulesen – Zigarettenkippen, Masken (manchmal bis zu 60 Stück pro Tag), Getränkeverpackungen oder Papierschnipsel. All das eben, was andere gedankenlos einfach so weggeworfen haben. Ein besonderer Tag wird für die Kornwestheimerin aber auch schon der 18. September sein. Es ist der World-Cleanup-Day, an dem sie sich – welch ein Frage – natürlich beteiligt. Und sie hofft dabei auf Unterstützung von vielen anderen. „Kornwestheim“, sagt die Unrat-Exxe mit einem Augenzwinkern, „hat einen Ruf zu verlieren“.

Weltweite Aktion

Die Idee des World-Cleanup-Days: Weltweit werden am Samstag, 18. September, Millionen von Menschen für zwei Stunden Straßen, Parks und Strände von Abfall säubern. In Kornwestheim, haben sich Yvonne Bauer und ihre Mitstreiterin Conny Kampf überlegt, soll das in den Vormittagsstunden geschehen. Von 10 Uhr an halten sie auf dem Lurchi-Spielplatz in der Weststadt (Ebertstraße) die Stellung, geben – so lange der Vorrat reicht – Greifzangen aus, die der Bauhof zur Verfügung stellt, und Tipps, wo für gewöhnlich besonders viel Müll liegt. Sie stehen Rede und Antwort zum World-Cleanup-Day und erzählen, warum ihnen das Thema wichtig ist. Und ein paar ihrer „Müllmonster“ werden wohl auch zugegen sein. . .

Aber nicht jeder, der mitmachen will, muss vorab zur Ebertstraße kommen. Teilnehmer könnten ja auch daheim starten und auf dem Weg zum Spielplatz Abfall auflesen: „Sternsammeln“ nennt Yvonne Bauer das. Zum Abschluss gegen 12 Uhr soll der Müll auf dem Spielplatz gemeinsam gewogen werden. Später werden ihn Beschäftigte des Bauhofs abholen. Selbst die, die am Samstag keine Gelegenheit haben, zum Spielplatz zu kommen, können sich beteiligen: Am Samstag Müll sammeln, wiegen und fotografieren und das Ergebnis bis 22 Uhr über Facebook auf Worldcleanupdaykornwestheim posten.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Gestohlenen Tresor aus dem See gefischt

Fast 600 Tage sammelt Yvonne Bauer nun schon Tag für Tag bei ihren Spaziergängen und Wanderungen Müll. „Ich hätte nicht gedacht, dass das mein Leben so bereichert“, sagt sie. Eine Reihe von Menschen hat sie zum Mitmachen animieren können. SPD-Stadtrat Robert Müller zum Beispiel zieht auch regelmäßig durch Kornwestheim, um den Abfall aufzuklauben. Die Sauberfee weiß von einer älteren Dame, die dreimal in der Woche rund ums Hallenbad dem Müll zu Leibe rückt. „Es werden immer mehr“, freut sie sich. Conny Kampf hat sie durch ihr Tun auch überzeugen können. Die Kornwestheimerin aus der Weststadt ist nun selbst mehrmals in der Woche unterwegs, um die Stadt vom Unrat zu befreien. „Anfangs“, gesteht sie, „gibt es schon eine Hemmschwelle.“ Aber die sei leicht zu überwinden, insbesondere dann, wenn man mit mehreren unterwegs ist.

Die Freude an einer sauberen Stadt

Was Yvonne Bauer besonders freut: Alle machen es mit einer gewissen Leichtigkeit, sie wollen die Müllsünder nicht belehren, sondern sich an einer sauberen Stadt erfreuen. „Allein dadurch, dass man Präsenz zeigt, tut sich etwas“, ist Conny Kampf überzeugt. Ein Argument, das sie immer wieder hören, lassen die beiden überhaupt nicht gelten: Es sei doch Aufgabe des Bauhofs, für Sauberkeit zu sorgen. Zum einen, entgegnen Bauer und Kampf dann, tue er das. „Das sind doch die eigentlichen Helden.“ Zum anderen sei es den Beschäftigten überhaupt nicht möglich, überall präsent zu sein. Noch ein paar Tipps von den beiden Müllsammlerinnen:

Wer keine Greifzange hat, der kann auch auf eine Grillzange zurückgreifen.

Nicht gleich mit einem riesengroßen blauen Müllsack losziehen. Eine kleine Tüte oder ein kleiner Eimer tun’s auch.

„Wenn’s einem zu ekelig wird, lässt man das Ganze liegen“, sagt Conny Kampf. Es gebe keinen Zwang, es perfekt zu machen.

Wer nicht laufen will, der nimmt sich nur einen kleinen Bereich vor: einen Spielplatz, die Fläche rund um eine Sitzbank oder kleines Stückle mit Bodendeckern.

Eins ist Bauer und Kampf ganz wichtig: Die Freude soll im Vordergrund stehen. Bei der Unrat-Exxe (zu finden auch auf Instagram) tut’s das noch nach fast 600 Tagen.

Fotostrecke
Artikel bewerten
3
loading
 
 

Sonderthemen