Kornwestheim Zwerge wie keltische Barbaren

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  Foto: Birgit Kiefer

Kornwestheim - Ein König, der verflucht wird. Der direkt nach der Geburt seines Sohn den Auftrag gibt, diesen zu töten, weil er sonst Unheil bringt. Und ein einfacher Bauer oder Hirte, der das Kind doch aufzieht – und schließlich das Zusammentreffen von Vater und Sohn, ohne dass die zwei wissen, mit wem sie es jeweils zu tun haben: Das klingt nach dem klassischen Drama, nach Ödipus, nach grausamem Schicksal, Verwicklungen, Göttern, die über Menschen hinwegtrampeln. Diese Geschichte ist schon in vielen Varianten erzählt worden. Aber wahrscheinlich noch nicht in der Version, die Bernd Perplies nun vorlegt.

Seit einem Jahr lebt der Autor in Kornwestheim. In Perplies’ Roman „Imperium der Drachen – Das Blut des schwarzen Löwen“ überfällt König Agathon das Reich Dyrrach und unterwirft es. Seine Soldaten metzeln alles nieder. Die Hohepriesterin von Dyrrach verflucht Agathon, kurz bevor dieser ihr den Kopf abschlägt: „Eure Nachkommen sollen Zeugnisse Eurer Grausamkeit sein. Sie sollen Monster sein, so wie Ihr.“ Der Erstgeborene des Königs wird später halb Mensch, halb Drache sein – und der Herrscher befiehlt, ihn zu beseitigen. Aber ein Widersacher schafft das Baby außer Landes und lässt den Jungen von einem Fischer und seiner Frau großziehen . . .

Perplies sieht nicht gerade aus, wie man sich einen Fantasy-Schriftsteller vorstellt: Langes Haar, schwarze, weite Kluft, dicke, Drachen oder Totenschädel darstellende Silberringe an den Fingern. Perplies hat einen gepflegten Dreitagebart, trägt eine unauffällige Brille, die Haare kurz und der Pullover ist grün. Er könnte auch bei einem IT-Unternehmen beschäftigt sein. Aber er hat viel Fantasie, und die Fantastik begleitet ihn schon sein ganzes Leben. Jetzt hat er auf fast 500 Seiten eine Welt aus edlen Helden und furchtbaren Drachen, mit den für Fantasy-Romanen obligatorischen Zwergen, Elfen, Magiern geschaffen. Aber: „Mein Setting ist ungewöhnlich, ich habe einen besonderen Hintergrund entwickelt“, erläutert der 37-Jährige. Die Zwerge erinnern eher an keltische Barbaren, die Elfen kommen als Wüstenbewohner, fast wie Beduinen, daher. Die beschriebenen Gebäude und Gewänder sind an die Antike angelehnt und nicht wie sonst üblich bei Fantasy-Romanen ans Mittelalter.

Der aus Wiesbaden stammende Autor hat für „Imperium der Drachen“ Filme wie Ben Hur oder Gladiator studiert. „Ich nehme eher Filme als Anregung“, erklärt er, er schreibe sehr cineastisch. Kein Wunder. Perplies hat nach seinem Studium der Germanistik und Filmwissenschaft zunächst am Deutschen Filminstitut in Frankfurt als Redakteur gearbeitet. Er schrieb Artikel für die Zeitschrift „Space View“. Als er auf die 30 zuging, sagte sich Perplies, jetzt oder nie und baute sich mit dem Schreiben ein weiteres Standbein auf. „Ich brauchte wohl bis 30, bis ich das nötige Sitzfleisch hatte“, sagt er scherzend. Sein Debütroman „Tarean – Sohn des Fluchbringers“ erschien im August 2008 und landete auf dem dritten Platz beim Wettbewerb um den Deutschen Phantastik-Preis 2009.

Geschrieben habe er aber, seit er schreiben konnte,berichtet Perplies. Kleine Erzählungen über sich und seine Schwester, später auch Geschichten für Charakterspiele. In den vergangenen Jahren hat Perplies rund 20 Bücher vorgelegt, Übersetzungen von Star-Trek-Romanen angefertigt, er schrieb für das Perry-Rhodan-Universum – eine recht sichere Geldquelle für einen freien Autor. Aber auch sonst sei er ganz gut ausgelastet und müsse nicht von der Hand in den Mund leben, stellt der 37-Jährige klar. Ein Buch werde über Monate geplant, das gebe auch ihm Sicherheit. So steht sogar schon fest, wie das Cover des nächsten Bandes von „Imperium der Drachen“ aussehen werde. Das Buch erscheint erst im kommenden Frühjahr – und geschrieben ist es auch noch nicht. Aber die Ideen für die Fortsetzung des in einer Erstauflage von 8000 Exemplaren erscheinenden Auftaktromans hat der Kornwestheimer aber schon jede Menge. „Das Material würde auch für sechs Bände reichen“, versichert er.

 
 

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