Kreis Ludwigsburg Ein Braumeister wird neuer Schlossherr

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Der Pforzheimer Unternehmer Wolfgang Scheidtweiler will in den kommenden zwei bis drei Jahren auf Schloss Kaltenstein ein Fünf-Sterne-Hotel mit Gastronomie eröffnen. Foto: factum/Simon Granville

Vaihingen an der Enz - Schloss Kaltenstein in Vaihingen an der Enz (Kreis Ludwigsburg) hat eine bewegte Geschichte. Der Bau, der weithin sichtbar auf einem 271 Meter hohen Muschelkalkfelsen thront, wurde erstmals 1096 erwähnt. In der Anfangszeit herrschte auf „Castrum Vehingen“ ein reges Kommen und Gehen verschiedener Adelsgeschlechter, im 14. Jahrhundert übernahm das Haus Württemberg die Regie. Später war das Schloss Kaserne und Lazarett. In den beiden Weltkriegen saßen dort Kriegsgefangene und Regimegegner ein. Nachdem 2014 das Jugenddorf des Christlichen Jugenddorfwerks ausgezogen war, war Schloss Kaltenstein aber über Jahre verwaist.

Und die Suche nach einem neuen Schlossherren, der dem prächtigen Gebäudekomplex aus sogenannten Buckelquadern neues Leben einhaucht, gestaltete sich schwierig. Das Finanzministerium des Landes suchte seit Sommer 2018 mit einer Ausschreibung europaweit nach einem neuen Pächter. Jetzt ist er nach langen Verhandlungen endlich gefunden.

Der Pforzheimer Unternehmer Wolfgang Scheidtweiler will in den kommenden zwei bis drei Jahren auf Kaltenstein ein Fünf-Sterne-Hotel mit Gastronomie eröffnen. Das Land hat mit seiner Private Schloss-Collection GmbH einen sogenannten Baukonzessionsvertrag über 27 Jahre geschlossen. Scheidtweiler verpflichtet sich damit, das Schloss zu renovieren, und darf es anschließend für die Dauer des Vertrags nutzen. Da die Renovierung des alten Gemäuers eine besondere Herausforderung ist, beteiligt sich das Land mit einer Anschubfinanzierung von maximal sechs Millionen Euro.

Jede Menge Hotels und ein paar Schlösser

Jetzt, da die Tinte unter dem Vertrag trocken ist, will sich der neue Schlossherr „intensiv mit der Stadt Vaihingen und den Vertretern des Denkmalschutzes abstimmen“, um die erforderlichen behördlichen Genehmigungen vorzubereiten. „Sobald diese erteilt sind, legen wir mit dem Umbau und der Sanierung los“, so Scheidtweiler. Ein „elitäres Schlosshotel“ will er auf Kaltenstein nicht bauen, „das wird ein Hotel- und Gastronomiebetrieb für jeden, der sich ordentlich benimmt“. Zwischendurch war der Unternehmer fast ungeduldig geworden, weil sich die Verhandlungen so lange zogen. „Alle Ideen, Ansprüche und Auflagen unter einen Hut zu bekommen, war schon sehr komplex.“, sagt er. Am Ende wurden sich Investor und Land doch noch einig. Entscheidend dürfte dabei auch gewesen sein, dass der Pforzheimer, zu dessen Sammlung zehn Vier-Sterne-Hotels gehören, schon Erfahrung mit der Materie hat. Scheidtweiler hat unter anderem Schloss Liebenstein bei Neckarwestheim und Schloss Brackenheim übernommen. „Kaltenstein passt gut in die Reihe“, sagt der 73-Jährige.

Aufgewachsen ist Scheidtweiler in Wachendorf, einem 640-Einwohner-Ort in der Eifel. Der Vater, ein Jurist, gründete 1960 eine Brauerei. Auch der Sohn sollte Bierbrauer werden – und wurde es. Das Handwerk hat Scheidtweiler an der Hochschule Weihenstephan gelernt, für das Braumeister-Diplom sowie den Diplom-Ingenieur Brauwesen brauchte er nur neun Monate.

Ideen für die Gartenschau gibt es schon

Im Biergeschäft ist Scheidtweiler immer noch tätig, er hat inzwischen aber offenbar auch einen Faible für Schlösser entwickelt. Für sein neues Projekt in Vaihingen rechnet er mit Kosten zwischen zehn und 13 Millionen Euro. Viel Geld, mit dem das Schloss zu einem „touristischen Anziehungspunkt mit Strahlkraft“ werden soll. So wünscht es sich das Land. „Wir sehen es aber auch als unsere Aufgabe an, die Liegenschaften weiterzuentwickeln und sie einer sinnvollen Nutzung zuzuführen”, sagt Jörg Krauss, Amtschef im Finanzministerium. Er kann sich in Verbindung mit der Gartenschau 2029 zum Beispiel eine Seilbahn von der Stadt zum Schloss vorstellen.

Für die Stadt Vaihingen könnte das Schloss-Projekt einen richtigen Schub bedeuten. Im Rathaus besteht jedenfalls kein Zweifel, dass Wolfgang Scheidtweiler der richtige Mann für den Job ist. „Er hat einen reichen Erfahrungsschatz im Hotel- und Gastronomiebereich“, sagt Oberbürgermeister Gerd Maisch. „Ich bin mir sicher, dass wir mit Wolfgang Scheidtweiler einen neuen Schlossherrn gefunden haben, der die entsprechende Qualität liefern wird.“

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