Kreis Ludwigsburg „Ich mag Was-wäre-wenn-Szenarien einfach“

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Bernd Perplies ist nicht nur ein deutschlandweit bekannter Phantastik-Autor, sondern außerdem Wahlschwabe. Seit einigen Jahren lebt er mit seiner Familie in Besigheim, zuvor war er in Kornwestheim beheimatet. Im Interview erzählt er von seinen neuen Projekten, nichtbinären Aliensprachen und darüber, warum es ihn immer wieder zur Science-Fiction zieht.
 

Mit dem Science-Fiction-Roman „Abgrund der Unendlichkeit“, erschienen Ende 2019 bei Bastei-Lübbe, haben Sie Chancen auf zwei Literaturpreise: den Kurd-Laßwitz-Preis und den Skoutz-Award – haben Sie mit soviel Zuspruch gerechnet?

Gerechnet nicht, nein. Aber natürlich hoffe ich mit jedem neuen Roman, dass er Kritikern gefällt und viele Leser findet. Ich schreibe ja nicht nur, um Geld zu verdienen oder meinen Namen auf einem Buchcover zu sehen. Ich will damit Menschen unterhalten, je mehr, desto besser. Nominierungen wie die genannten zeigen mir, dass ich dabei nicht ganz auf dem falschen Weg bin.

Was ist die Rahmenhandlung von „Abgrund der Unendlichkeit“ genau?

In einer fernen Zukunft haben sich zahlreiche Völker, die am Rand der Galaxis leben, zu einem Sternenbund zusammengeschlossen. Sie eint die Furcht vor dem Abgrund, jener Leere, in der es nicht mal mehr Sterne gibt – die Furcht, dass etwas aus diesem Nichts emporsteigen könnte. Zu Beginn meines Romans geschieht genau das. Und plötzlich sehen sich die Völker einer vollkommen fremdartigen Bedrohung gegenüber, die ganze Sonnen verschlingen kann.

Zu diesen Völkern zählen ein paar sehr exotische Geschöpfe: Weltraumquallen, kybernetische Kunstwesen, lebendige Pflanzen. Für die letzten, die „Floryll“, haben Sie sogar eine eigene nichtbinäre Grammatik entwickelt – warum das?

Das war ein Experiment. Die Floryll sind Pflanzenwesen, und viele Pflanzen sind Zwitter, vereinen also männliche und weibliche Geschlechtsmerkmale in sich. Das heißt, ich konnte meine Floryll-Figuren nicht als „er“ oder „sie“ ansprechen. Es gibt im Internet einige Ansätze, Menschen, die sich geschlechtlich nicht festlegen können oder wollen, zu bezeichnen. Aber nichts war vollständig genug für meine Zwecke. Also habe ich einen Komplettsatz Personalpronomen, Demonstrativpronomen und so fort für die Floryll entwickelt. Etwa „sier“ statt „er“ oder „sie“ beziehungsweise „seihre“ statt „seine“ oder „ihre“. Das klingt erstmal seltsam im Roman, aber viele Leser schrieben mir, dass man sich schnell dran gewöhnt hat und sie die Idee spannend fanden.

Gerade erscheint ein weiterer Titel von Ihnen, der Roman „Nachtmeisters Erben“ (Pegasus Spiele), der zur Welt des Spiels „Shadowrun“ gehört und eine dystopische Zukunft abbildet. Was fasziniert Sie an der Science Fiction so sehr, dass Sie immer wieder auf verschiedene Zukunftsthemen zurückkommst?

Ich mag ungewöhnliche Was-Wäre-Wenn-Szenarien. „Shadowrun“ etwa stellt die Frage, was wäre, wenn die Menschheit große Fortschritte in der Kommunikationstechnologie und der Verschmelzung von Mensch und Maschine gemacht hätte, es gleichzeitig plötzlich Magie auf der Welt gäbe – inklusive der Verwandlung mancher Menschen in Elfen, Zwerge und Orks sowie der Rückkehr von Drachen, die sich überall auf der Welt an die Spitze von Konzernen setzen. In diesem Umfeld, das in Form von Analogie und Übertreibung immer wieder einen kritischen bis satirischen Blick auf unsere Gegenwart wirft, lassen sich interessante Geschichten schreiben.

Ein Teil des Romans spielt in Besigheim...

Das war ein Gag von mir, weil ich hier lebe. Meine Helden müssen heimlich von Ingolstadt nach Heidelberg fahren. Dabei müssen sie den Neckar überqueren. In dieser Zukunft ist viel Infrastruktur zerstört, sodass die einzige gut erreichbare Brücke die in Besigheim ist. Leider ist sie von Banditen besetzt.

Ist Besigheim ein gutes Umfeld für das Schaffen eines Autors?

Es ist ein ruhiges Umfeld und ich schätze die Ruhe fürs Schreiben, insofern kann ich die Frage mit „Ja“ beantworten. In einer Poetenbude unterm Dach eines fünfstöckigen Mietshauses in einer pulsierenden Weltstadt würde ich jedenfalls nicht leben wollen, auch wenn das dem Klischee des brotlosen Künstlers entspräche. Ich habe hier alles, was ich brauche – außer vielleicht einem ordentlichen Briefkasten in Laufreichweite, in den auch Büchersendungen passen.

Was haben Sie noch für 2020 geplant?

Aktuell habe ich wieder zwei Episoden für „Perry Rhodan“ geschrieben. Zu diesem deutschen Heftroman-Mega-Epos steuere ich alle paar Monate Gastromane bei. Außerdem plane ich gerade mit meinem Co-Autor Christian Humberg ein Kinderbuch für den Stuttgarter Thienemann-Verlag. Und ich arbeite an einem Backstein von einem Phantastikbuch, über das ich bis jetzt nur sagen darf, dass es einmal mehr in einem Umfeld spielt, das für mich völliges Neuland darstellt.

Fragen von Peter Meuer

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