Leichtathletik 38. Silvesterlauf: Simon Boch ist wieder nicht zu schlagen

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Rege Teinahme beim 38. Silvesterlauf in Bietigheim. Foto: Werner Kuhnle

Leichtathletik - Kurz vor dem Zieleinlauf ging der Blick nochmal nach oben. Simon Boch wagte einen kurzen Blick auf die Uhr, die Arme zur Siegerpose hatte er da schon wieder gesenkt. In 33:03 Minuten absolvierte der 24-Jährige die 11,1 Kilometer quer durch Bietigheim, die Konkurrenz war wieder einmal chancenlos. Für Boch, der für die LG Telis Finanz Regensburg startet, war es der vierte Sieg in Folge beim Silvesterlauf. Der Sieger war zwar „super zufrieden“, zum perfekten Lauf fehlte ihm allerdings eine Sache: ein neuer Streckenrekord. „Ich war ziemlich nah dran“, sagte Boch. Schneller als Arne Gabius, der den Lauf 2013 in 32:43 Minuten gewonnen hat, war er aber nicht. 20 Sekunden fehlten am Ende. „Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich vielleicht noch ein bisschen mehr Druck am Ende gemacht“, sagte Boch, für den es als nächstes ins Trainingslager geht.

Die Konkurrenz vermochte es am Silvesternachmittag nicht, dem Läufer mit dem brauen Zopf Beine zu machen. Marcel Fehr (SG Schorndorf), Deutscher Hochschulmeister über 1500 Meter, kam als Zweiter 17 Sekunden nach Boch ins Ziel. Den Silvesterlauf in Backnang, wo er den Streckenrekord hält, hat Fehr mehrfach gewonnen – in Bietigheim war er am letzten Tag des Jahres chancenlos. Schon am ersten Anstieg distanzierte ihn der späterer Sieger. „Simon hat mir nicht viel Zeit gelassen und hat eigentlich direkt seinen Spurt angesetzt“, sagte Fehr nach dem Rennen. „Ich hab mich zu dem frühen Zeitpunkt auch nicht getraut, das hohe Tempo mitzugehen.“

Bereits nach 4,8 Kilometern – der ersten, etwas kürzeren der zwei Runden beim Bietigheimer Silvesterlauf – hatte Boch der Konkurrenz gut 100 Meter abgenommen. In der Folge musste sich Marcel Fehr gegen die Angriffe von Ilyas Yonis Osman (TV Waldstraße Wiesbaden) und Thorben Dietz (LG Filstal) wehren. „Selbst da hatte ich zeitweise Probleme, mitzugehen“, so der Zweitplatzierte. Im Endspurt setzte er sich dann gegen Youngster Osman durch.

Dem 19-Jährigen gehört wohl die Zukunft im deutschen Laufsport. Der Somalier ist erst seit 2015 in Deutschland, bei den unter 20-Jährigen dominierte er die Konkurrenz im vergangenen Jahr. Keiner im Land war schneller über 1500, 3000, 5000 und 10 000 Meter. Und warum hat es beim Silvesterlauf nicht bis ganz nach vorne geklappt? „Ich war lange am Knie und an der Achillessehne verletzt und habe erst wieder vor drei Wochen mit dem Training angefangen“, sagte der 19-Jährige, „wenn es anders gelaufen wäre, hätte ich vielleicht noch besser abgeschnitten.“ Immerhin: einen Grund, im kommenden Jahr wieder nach Bietigheim zu kommen, den hat Ilyas Yonis Osman jetzt. Bis dahin will er weiter zur Realschule gehen und einen Abschluss machen. Bei den Deutschen Meisterschaften darf er erst starten, wenn er eingebürgert ist. „Vielleicht klappt das im nächsten Jahr.“

Spannender als bei den Männern war die Konkurrenz der Frauen beim 38. Bietigheimer Silvesterlauf – auch wenn sich Hanna Klein (SG Schorndorf) am Ende in 37:21 Minuten klar gegen die Vorjahressiegerin Laura Hottenrott (38:11 Minuten) durchsetzte. Aber die beiden liefen lange Zeit Seite an Seite, erst nach etwas mehr als acht Kilometern verschärfte Klein das Tempo nochmals deutlich, Hottenrott (TV Wattenscheid 01) konnte nicht mehr folgen. Die Zweitplatzierte hatte dennoch „mehr Spaß als beim letzten Mal“, denn da war sie ein einsames Rennen von der Spitze weg gelaufen. „Ich wusste, dass ich gegen Hanna keine Chance habe“, sagte Hottenrott, „man muss sich nur ihre Ergebnisse anschauen.“ Der größte Erfolg der Siegerin in diesem Jahr: Der deutsche Meistertitel über die 5000 Meter. Für Klein war der Triumph unter dem Viadukt „der perfekte Jahresabschluss“. Bei ihrem ersten Start in Bietigheim zeigte sich die Schorndorferin beeindruckt von der Kulisse. Wieder säumten tausende Zuschauer die Strecke, bei nasskaltem Wetter waren aber etwas weniger gekommen als im vergangenen Jahr. „Am letzten Berg haben mich die Zuschauer nochmal richtig getrieben“, sagte Klein. Dritte bei den Frauen wurde Victoria Brandt vom LAC Olympia Berlin (40:35).

Die Atmosphäre genossen auch die weit über 3000 Hobbyläufer, die das Jahr sportlich ausklingen ließen.

 
 

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