Leichtathletik Guido Müller beendet seine Laufbahn

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Kämpft künftig nicht mehr um Titel: Seniorenleichtathlet Guido Müller Foto: Ralf Görlitz

Kornwestheim - Als Guido Müller am Sonntag bei seinem 200-Meter-Lauf die Ziellinie passierte, warteten sie bereits: Rund 100 Sportkameraden applaudierten dem 80-Jährigen, der von so viel Zuspruch sichtlich überrascht schien. Die Aktion aber hatte ihren Grund: Schon während der deutschen Seniorenmeisterschaften am vergangenen Wochenende im thüringischen Leinefelde-Worbis hatte sich unter den etwa 1200 Teilnehmern herumgesprochen, dass einer der weltweit erfolgreichsten Altersathleten aller Zeiten hier und jetzt von der Sportbühne abtreten würde. Und so kam es schließlich auch. Die halbe Stadionrunde der Altersklasse M80, die Guido Müller in 33,91 Sekunden als Drittplatzierter beendete, war dessen letztes Rennen unter Wettkampfbedingungen.

„Es war mir sofort klar, dass diese Geste mir galt“, so Müller, der Ehrenmitglied beim SV Kornwestheim ist, seit Jahren aber bereits mit seiner Frau in München lebt und für den TSV Vaterstetten an den Start ging. „Den Auftritt der Sportkameraden habe ich als eine Anerkennung meiner vielen Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene seit 1983 angesehen“, berichtet der Senior weiter. Direkt im Ziel bedankte er sich bei den Weggefährten und versicherte sogleich, dass er auch weiterhin Sport treiben werde. „Nur an Wettkämpfen werde ich nicht mehr teilnehmen. Ich bin froh, dass ich diesen Entschluss gefasst habe und mich dabei niemand beeinflusst hat.“

Müller, der noch im Februar dieses Jahres beim Seniorensportfest des LAC Quelle Fürth in der Halle einen M80-Europarekord über 400 Meter aufgestellt hatte, verabschiedete sich im Leinesportpark zu Leinefelde-Worbis mit zwei Podestplätzen. Zunächst ging der Wahl-Bayer über die Stadionrunde an den Start. „Und unter fünf Teilnehmern bin ich nur Zweiter geworden.“ In 80,94 Sekunden kam er hinter Karl Jakob vom LAZ Obernburg-Miltenberg ins Ziel. Der Sieger, der im Schlusssprint auf der Zielgeraden noch an Müller vorbeizog, benötigte 80,25 Sekunden. Zum Vergleich: Müllers europäische Hallenbestmarke aus Fürth lag bei 76,16 Sekunden. Der Münchener kann dennoch auf eine beeindruckende Bilanz über 400 Meter zurückblicken: In den vergangenen 30 Jahren holte er über diese Distanz 29-mal den deutschen Meistertitel in den einzelnen Seniorenklassen.

Das Rennen über 200 Meter wurde durch Kälte und Nässe erschwert. „Das hat sich auch auf die Leistung ausgewirkt“, so Müller. Acht Teilnehmer waren gestartet, am Ende gewann Adolf Nehren vom TuS Mayen in 33,34 Sekunden. Besonders groß war die Freude nach dem Zieleinlauf bei Willi Scheidt von der TS Herzogenaurach. Er hatte Müller während vieler, vieler Wettkampfjahre nie bezwingen können, war auch im 400-Meter-Rennen hinter ihm auf Rang 3 gelandet. Nun war es soweit – im letzten Lauf des großen Konkurrenten.

Der hatte in Leinefelde eigentlich auch einen Start über die 200-Meter-Hürdendistanz geplant und dafür auch gemeldet. Eine Woche vor den Wettkämpfen stürzte er allerdings im Training. „Vernünftigerweise habe ich deshalb darauf verzichtet“, sagt Guido Müller.

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