Leseratte Basketball klappt auch im Rollstuhl

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Werner Rieger erklärt den Grundschülern, wie man Rollstuhl-Basketball spielt. Foto: Anne Fuhrmann

Kornwestheim - Die Leseratte ist flink und flott. Auf ihren Beinen saust sie schnell von hier nach da. Aber nicht alle sind so gut zu Fuß unterwegs. Manche Menschen sind sogar ständig auf einen Rollstuhl angewiesen. Und trotzdem können sie zum Beispiel Basketball spielen. „Wie soll das bloß funktionieren?“, hat sich die Ratte gefragt. Deshalb hat sie sich das vor Kurzem selbst einmal angeschaut.

Und zwar war sie dazu in der Hanspeter-Sturm-Stadionhalle, denn dort fanden ganz besondere Unterrichtsstunden statt. Zwei Klassen der Silcherschule, nämlich die 4a und die 4c, haben dort ein spezielles Training mitgemacht – und die Leseratte hat alles beobachtet. Dabei ging es um das Projekt „Handicap macht Schule“. Ein Verein mit einem langen Namen, der Württembergische Behinderten- und Rehabilitationssportverband, hat sich das ausgedacht. Und eigentlich ist das Ganze recht einfach: Schüler dürfen selbst mal testen, wie es sich anfühlt, im Rollstuhl zu sitzen und dabei auch noch Basketball zu spielen.

Na ja, okay, ganz so einfach ist es vielleicht doch nicht. Schließlich muss man schon einiges beachten, wenn man auf diese Weise Sport machen will. Aber dafür gibt es Werner Rieger. Er weiß, worauf es ankommt und was man machen muss, damit es mit dem Basketballspiel klappt.

Werner Rieger hatte mit 19 Jahren einen schlimmen Unfall, als er mit dem Motorrad gefahren ist. Dabei hat er sich so schwer verletzt, dass er sich von der Taille abwärts nicht mehr bewegen kann. Aber er lässt sich davon nicht unterkriegen. Dass man auch als Rollifahrer erfolgreich Sport machen kann, hat er mehrfach bewiesen. Werner Rieger spielt Rollstuhlbasketball beim TSV Ellwangen und war mit dem Verein sogar schon mal in der 2. Bundesliga. Außerdem ist er mit dem Handbike unterwegs, also mit einem Fahrrad, das allein durch die Arme angetrieben wird. Rieger ist also ein Experte, wenn es darum geht, in einem Rollstuhl Basketball zu spielen.

Zuerst erklärt er, dass es spezielle Rollstühle gibt, die sich für Sportarten wie Basketball eignen. Sie haben schräge Räder, damit man damit nicht so schnell umkippt oder sich die Finger einklemmt. An der Rückseite haben sie ein zusätzliches Stützrad. Dadurch stürzt man nicht nach hinten, wenn man sich stärker zurücklehnt. Und es gibt einen Schutz für die Füße, damit sich die Spieler nicht verletzen, denn es kann manchmal recht eng zugehen. Normalerweise schnallen sich die Basketballspieler auch mit einem Gurt an. So fällt niemand so schnell vom Rollstuhl.

„Auch die Spielregeln sind ein bisschen anders“, sagt Werner Rieger. „Aha, zum Beispiel?“, will die Ratte wissen. „Man kann keine Trippelfehler machen“, antwortet der Trainer.

Bevor die Schüler einen Ball bekommen, gibt es aber noch mehr zu lernen. Werner Rieger zeigt ihnen, wie man bremsen und rückwärts fahren kann. Das müssen die Kinder üben. Dann kann es mit dem Spiel losgehen.

Das Austesten der Rollstühle macht den meisten Grundschülern Spaß. Aber das Ganze hat natürlich auch einen ernsten Hintergrund. Zusammen mit Barbara List, die gesunde Beine hat und das Projekt leitet, besucht Werner Rieger regelmäßig Schüler, damit sie verstehen, dass sie keine Angst haben müssen, mit behinderten Menschen ins Gespräch zu kommen. Außerdem sollen sie ein Gefühl dafür entwickeln, welche Schwierigkeiten diejenigen haben, die im Rollstuhl sitzen müssen.

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