Lokalsport Als Deutscher Vizemeister zur WM in London

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Mu Hao will bei seiner zweiten WM-Teilnahme im Clickball möglichst über das Achtelfinale hinaus kommen. Foto: Archiv/Christine Biesinger

Tischtennis/Kornwestheim - Klick, Klack, Klick, Klack – die Geräusche erinnern an eine ferne Vergangenheit, als die Tischtennisschläger noch nicht so aussahen wie heute. In der Tat werden bei der nach dem typischen Geräusch beim Aufeinandertreffen von Ball und Schläger benannten Sportart Clickball – manche nennen es auch Ping-Pong – als Schläger einfache Holzbretter ohne Kunststoffbeläge oder Noppen verwendet. Die Schläger sind ausschließlich mit einer feinen Sandpapierschicht überzogen, die keine Geräusche absorbiert. Und um die Bedingungen für alle Beteiligten gleich zu gestalten, müssen die Spieler sogar nach jedem Satz nicht nur die Seite, sondern auch die Schläger wechseln.

In Deutschland gibt es für diese besondere Art, Tischtennis zu spielen, erst seit vier Jahren deutsche Meisterschaften. Mu Hao, derzeit die Nummer 1 im Regionalliga-Tischtennis-Team des SV Kornwestheim, hat vor zwei Jahren erstmals bei den nationalen Titelkämpfen im Clickball mitgemacht – und wurde auf Anhieb Deutscher Meister. Damit qualifizierte er sich für die Clickball-Weltmeisterschaft in London, bei der er erst im Achtelfinale am späteren Weltmeister Andrew Baggaley aus England in 1:2 Sätzen scheiterte.

Im vergangenen Jahr musste Mu Hao verletzungsbedingt bei den Clickball-Turnieren passen. Nun ist er wieder dabei. Bei den deutschen Meisterschaften in Erfurt hat er sich kürzlich unter 64 Teilnehmern wieder bis ins Endspiel durchgespielt, in dem er in Ewgenij Milchin seinen Meister fand, der bereits ein Jahr zuvor Deutscher Meister geworden war. Mu Hao unterlag ziemlich knapp mit 15:13, 14:15, 14:15 und 7:15. Milchin tritt ansonsten in der Regionalliga West für den SC Buschhausen an.

Aber sowohl Milchin als auch Mu Hao haben sich damit erneut für die Teilnahme an der 6. Clickball-Weltmeisterschaft qualifiziert, die am heutigen Samstag und am Sonntag wieder im Alexandra Palace in London ausgespielt wird. Neben den beiden werden mit Alexander Flemming vom Zweitligisten TV Hilpoltstein, Dwain Schwarzer vom Drittligisten SV Brackwede und Kevin Meierhof vom TTZ Sponeta Erfurt noch drei weitere Spieler die deutschen Farben unter den insgesamt 64 Teilnehmern vertreten. Zwar müssen sie alle die Kosten für Fahrt und Unterkunft selbst tragen. Die Sportler hoffen aber darauf, einen Teil vom großen Preisgeld zu holen. Der Veranstalter, der an gleicher Stelle auch schon Darts und Snooker groß herausgebracht hat, schüttet diesmal insgesamt ein Preisgeld von 100 000 US-Dollar (rund 86 350 Euro) an die Teilnehmer aus.

Alexander Flemming hatte im vergangenen Jahr das Halbfinale erreicht und 2015 sogar im Endspiel gestanden – gegen Andrew Baggaley, an dem Mu Hao im Achtelfinale gescheitert war. Diesmal möchte der 37-Jährige vom SV Kornwestheim gerne noch länger im Rennen sein. „Ich versuche natürlich, so weit wie möglich zu kommen“, sagt Mu Hao. „Unter den ersten Acht möchte ich schon sein.“

Ihm gefällt die Abwechslung, die ihm der Clickball bietet. „Vor 50 Jahren hat man so Tischtennis gespielt. Jetzt normalerweise nicht mehr.“ Der in China geborene Sportler, der schon seit einigen Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, hat keine Kindheitserinnerungen an solch einfaches Material. Er habe nicht mit Holzbrettern gespielt, bis ihm sein damaliger Tischtennis-Abteilungsleiter Thomas Walter vom DJK Sportbund Stuttgart vor knapp drei Jahren einmal einen Clickball-Schläger in die Hand drückte und ihn ermunterte, es doch einmal bei einem Turnier in Stuttgart auszuprobieren. „Ich habe mitgespielt und gleich den ersten Platz erreicht“, erinnert sich Mu Hao. Das gelang ihm dann auch einige Monate später bei den deutschen Meisterschaften.

Dabei sind die vom Tischtennis gewohnten technischen Finessen wie Topspin oder Anschneiden beim Clickball nahezu unmöglich. Trotzdem finden sich bei der WM in London pro Tag stets über 1000 begeisterte Zuschauer ein und das englische Fernsehen übertragt mehrere Spiele.

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