Lokalsport Die Rückspiegel haben Butterkeksgröße

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Maximilian Malinowski hat einen Formel-Renault-Boliden über den Red Bull Ring jagen dürfen. Foto: z

Motorsport/Kornwestheim - Das einzige, was man sieht, ist die Oberfläche der Reifen.“ Das war neu für Maximilian Malinowski. „Dazu noch Rückspiegel in Butterkeksgröße, und seinen Kopf kann man vielleicht fünf Zentimeter in jede Richtung drehen.“ Und die straffen Gurte erst. „Man kann bis auf die Arme eigentlich nichts bewegen.“ Erfahrungen, die der 15-Jährige Kornwestheimer Anfang Mai aus dem österreichischen Spielberg mitgebracht hat. Auf dem dortigen Red Bull Ring, wo am 3. Juli auch die Formel 1 gastiert, durfte das Rennsport-Talent zwei Tage lang einen Formel-Renault-Boliden um den 4,3 Kilometer langen Rundkurs bewegen.

Zuvor hatte Maximilian Malinowski noch nie in seinem Leben am Steuer eines Autos gesessen. Trotzdem weiß er, wie Rennsport geht: Bei Kart-Rennen ist er seit seinem zwölften Lebensjahr am Start. „Ich war mit meinem Vater unterwegs und auf einmal stand ich in Stuttgart auf der Kartbahn“, erinnert er sich. Der Herr Papa drehte damals mit ihm die ersten Runden.

Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass Maximilian Malinowski in Sachen Motorsport stark vorbelastet ist. Vater Thomas Malinowski ist seit 1989 im Rennsport tätig, hat für einen großen Technologiekonzern bereits mit Stars wie Michael Schumacher zusammengearbeitet. „Es ist nicht so, dass ich irgendwann angefangen habe, mich für den Motorsport zu begeistern“, sagt der Junior, „die Begeisterung war irgendwie schon immer da.“ Schon mit vier Jahren war er in diversen Startaufstellungen, Boxengassen und Fahrerlagern bei Rennen aller Art dabei – damals noch oft mit einem Fußball im Gepäck.

Mit zwölf Jahren hatte der Kornwestheimer Gymnasiast auf der Stuttgarter Kart-Bahn Platz eins in der Rangliste der Rundenzeiten praktisch abonniert – sein Talent war erkannt. Also führte der nächste Schritt in ein Gärtringer Kart-Team, das an Indoor-Rennen teilnahm, also an Rennen in der Halle. Das war in den Jahren 2012 und 2013. Schließlich wurde das Interesse der Münchener Unternehmensgruppe Bonetsmüller Immobilien geweckt. Von dort fließen seither Sponsorengelder. „Bei Testfahrten in Barcelona hat sich entschieden, dass das klappt“, blicken Vater und Sohn zurück. Auch ein renommierter Automobilhersteller wirkt unterstützend mit. Den Sport ohne Sponsoren zu finanzieren, sei kaum möglich.

Seit 2014 ist Maximilian Malinowski nun in der German Team Championship (GTC, siehe Infokasten) aktiv. In der Langstreckenserie gehen die Rennen üblicherweise über zwölf oder 24 Stunden. „Es ist sehr professionell, obwohl die meisten Teilnehmer noch Hobbyfahrer sind“, sagt der Teenager. Und sein Vater fügt hinzu: „Es ist der gleiche logistische Aufwand wie zum Beispiel bei einem 24-Stunden-Rennen in der Le Mans-Klasse, nur dass eben die Spielzeuge etwas kleiner sind.“

Thomas Malinowski ist mittlerweile Teil des vier Fahrer starken Teams, mit dem der Sohnemann in seine dritte Saison der GTC-Serie gestartet ist: WDW-Racing, eine reine Juniorenmannschaft, in der die Väter der Nachwuchsfahrer als Renningenieure, Betreuer oder Mechaniker dabei sind. „Jeder macht im Team das, was er am besten kann“, sagt Malinowski senior. Allerdings begann die Saison nicht sonderlich glücklich für das WDW-Team. Beim Zwölf-Stunden-Rennen in Oppenrod nahe Gießen streikte die Benzinpumpe, so dass der Kartmotor im 30-Minuten-Abstand ausging. „Als wir das Problem gefunden hatten, sind wir aber zu Ende gefahren und haben unser Schwester-Kart unterstützt“, berichtet Maximilian Malinowski. Solche taktischen Manöver seien in der GTC-Serie durchaus erlaubt.

Zuletzt hatte Maximilian Malinowski allerdings noch größeres Pech. Im hessischen Hahn gewann sein Team beim Neun-Stunden-Rennen zwar die Junior-Trophy nach drei Stunden – doch verlor Malinowski in Führung liegend bei 90 Stundenkilometern das rechte Vorderrad. Beim Aufprall verletzte er sich an Hand und Knöchel, allerdings nicht gravierend.

„Und ansonsten hilft man sich untereinander“, versichert der Nachwuchspilot. Die Teams unterstützen sich in der Regel mit Ersatzteilen und Ratschlägen, wenn Not am Mann ist. „Die Ellbogen-Mentalität, die kommt später noch früh genug“, fürchtet Thomas Malinowski.

Denn wenn es nach seinem Sohn geht, soll es nicht beim Kart-Sport bleiben. Denn dass er ehrgeizig ist, hat er zum Beispiel beim zweiten Tag des Formel-Renault-Tests in Spielberg gezeigt. Dort wurde er irgendwann per Funk zurück in die Box beordert – auf der Strecke hatte er sich „ganz freundschaftlich“ mit den GT3-Piloten in ihren hunderttausende Euro teuren Rennwägen angelegt und in den Kurven zu einigen Überholmanövern angesetzt. „Da lief er Gefahr, sich selbst etwas zu überschätzen“, sagt sein Vater. „Ich bin aber überhaupt nicht böse“, schiebt der Sohn hinterher, „sondern bin dankbar, dass ich überhaupt so eine Chance bekommen habe.“

Allerdings liegt sein Augenmerk für eine Rennfahrer-Karriere nicht unbedingt beim Formelsport. „Der Reiz von 24-Stunden-Rennen ist sehr groß für mich“, sagt Maximilian Malinowski, „auch durch meine Langstrecken-Karterfahrung.“ Auch eines seiner Vorbilder hat schon Erfolge bei Langstreckenrennen gefeiert: der fünffache Champion der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft Bernd Schneider. Auch zum Langstrecken-Ass Tom Kristensen schaut er auf. Aber auch Formel-1-Piloten wie Michael Schumacher und Sebastian Vettel gehören zu Maximilian Malinowskis Idolen.

Zunächst soll es aber erst einmal im Kart-Sport weitergehen, zwei bis drei Jahre noch. Von der Schule, dem hiesigen Ernst-Sigle-Gymnasium, erfährt die Rennfahrerfamilie dabei volle Unterstützung. „Oft muss er schon freitags zu einem Rennen anreisen, aber das ist kein Problem. Den Schulstoff muss er aber natürlich nachholen“, sagt Thomas Malinowski.

Zielstrebigkeit, Feingefühl für das Gefährt sowie die Fitness, all das hat Maximilian Malinowski schon. Apropos Fitness: Wenn der 15-Jährige trainiert („Vor allem die Nacken- und Rückenmuskulatur ist wichtig.“), sieht das auf den ersten Blick vielleicht ulkig aus. In seinem Zimmer setzt er sich den Rennhelm auf und macht damit Liegestütze. Das macht durchaus Sinn, denn in der Rennsituation ist der Kopfschutz schließlich ebenfalls Pflicht.

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