Ludwigsburg Baden nur mit dem passenden Bändel

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Mit reichlich Abstand: Fast einsam ziehen die Schwimmer im Bad in Ludwigsburg-Hohneck ihre Bahnen. Foto: factum/Andreas Weise

Ludwigsburg - Lachend rennt Samuel dem blauen Wasserball hinterher. „Viel Spaß“, sagt Samuel und nestelt an seiner Badewindel. Ob er sich selbst meint, oder ob es ein Abschiedsgruß ist, ist nicht ganz klar. Sein Vater steht daneben und lacht. Angst haben, dass der Stöpsel auf der riesigen Liegewiese im Getümmel verloren gehen könnte, oder er gar jemandem zu nahe kommt, muss Dennis Scherr nicht: Gerade einmal ein Dutzend Freibadgäste tummeln sich am Mittwochvormittag auf den zwei Hektar Grün im Freibad in Ludwigsburg-Hoheneck.

Scherr ist mit seinem Sohn aus Stuttgart hergefahren, weil ihm das Bad besser gefällt als die Alternativen in der Landeshauptstadt. „Aber mit einem Zweieinhalbjährigen ist das hier gar nicht so einfach“, sagt Scherr. „Die haben alle zwei Minuten eine andere Idee.“ Da hilft es vielleicht sogar, dass der Kleinkindbereich und der Matschspielplatz zu sind. Auch wenn die Gäste im Bad direkt am Neckar einen entspannten Eindruck machen und vieles normal scheint, ist es das nicht. Einfach mal kurz ins Wasser springen, das geht nicht.

Eine Stunde im Wasser, mehr nicht

Wer ins Nichtschwimmerbecken will, braucht eines der 40 pinkfarbenen Gummibändchen. Sind die vergriffen, ist die maximale Zahl an Personen im Wasser erreicht. An ähnlichen Konzepten sind Supermärkte in den vergangenen Wochen verzweifelt. Weil Kunden beispielsweise partout nicht einsehen wollten, dass sie sich einen Korb nehmen müssen, um in den Laden zu kommen. „Wir wollen doch gar nicht so viel kaufen“, hieß es oft. Solchen Widerspruch gibt es im Freibad nicht. Die Regeln sind klar und werden befolgt.

Am Treppenabgang steht Thomas Büttner, braungebrannt, schwarze Schildmütze. Ein kleiner, blonder Junge steht neben ihm und sagt schüchtern: „Ich bräuchte noch mal meinen Bändel.“ Büttner hat ihn gerade desinfiziert und gibt ihn dem Jungen. Die verschiedenfarbigen Bändchen sind ein wichtiger Teil des Sicherheitskonzepts im Bad. Die Farbe zeigt an, wann die Besucher ihre sogenannte Schwimmzeit im Sportbecken gebucht haben. Denn im Gegensatz Nichtschwimmerbereich ist die Zeit dort begrenzt. Eine Stunde darf sich jeder maximal in dem 1050 Quadratmeter großen Becken aufhalten. „Im Prinzip kann eigentlich nichts passieren“, sagt Thomas Büttner, der offenbar großes Vertrauen in das Hygienekonzept hat. Normalerweise arbeitet Büttner als Saunameister im Stadionbad. Da das, genauso wie das Heilbad Hoheneck, geschlossen ist, haben die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) ihr Personal auf das Bad in Hoheneck und das Alfred-Kercher-Bad in Kornwestheim verteilt. Rund 30 Personen arbeiten derzeit in drei Schichten in Hoheneck.

„Die meisten sind froh, dass sie raus aus der Kurzarbeit sind“, sagt Silvia Čapalija , die das Freibad leitet und froh über das zusätzliche Personal ist. Die SWLB schließt das Bad über den Mittag, Pause haben die Mitarbeiter dann aber nicht unbedingt. Praktisch das komplette Gelände wird dann desinfiziert. Bei Handläufen an den Becken und an den Rutschen geschieht das regelmäßig – auch wenn Gäste da sind, die von den vielen Fachkräften wachsam beäugt werden. Nicht, dass sich die Schwimmer zu nahe kommen.

Kein Gedränge und noch Kapazitäten nach oben

Um ihnen das möglichst schwer zu machen, sind einzelne Bahnen abgetrennt, geschwommen werden darf nur in eine Richtung. Und Sportler müssen auf den (Kopf-)Sprung ins kühle Nass, der gleich richtig schön Vortrieb bringt, verzichten. Auf den Wegen und Liegeplätzen müsste man ziemlich ignorant sein, um die vielen Hinweise zu übersehen. Mit Klebeband auf dem Boden und Pfeilen an den Wänden ist markiert, wo man gehen und sich aufhalten darf. Der Umkleidebereich ist zusätzlich mit Absperrgittern abgetrennt. Vor den Kabinen warnt ein Schild eindrücklich in weißer Schrift auf rotem Grund: „Abstand schützt!“

„Mit Ausnahme von Kleinigkeiten halten sich die Leute auch an die Regeln“, sagt Silvia Čapalija. Und keiner der Badegäste scheint sich an den Einschränkungen zu stören. „Das muss jetzt eben so sein“, hört man oft. Die Bad-Chefin ist froh, dass bislang alles reibungslos funktioniert. „Ein bisschen Bauchschmerzen hatte ich schon wegen der ganzen Regeln.“ Deshalb wurden zu Beginn auch nur 30 Personen pro Zeitfenster ins Bad gelassen, inzwischen hat der Betreiber das Kontingent erhöht. „Wir haben aber immer noch ein bisschen Luft nach oben“, sagt Čapalija, die am besten Tag im vergangenen Sommer 5353 Besucher gezählt hat. In den vergangenen Tagen waren die Eintrittskarten ausgebucht. Den Eindruck, dass im Bad viel los ist, bekommt man aber auch zu den Stoßzeiten nicht. Das dichte Gedränge, das einige vom Freibadbesuch bisweilen auch abgehalten hat? Nicht zu Corona-Zeiten.

Die Krux mit den Online-Tickets

Irene Heier und Wolfgang Hering kommen seit Jahren nach Hoheneck. „Jetzt ist halt alles ein bisschen anders“, sagt Heier, die es sich auf einer orangenen Klappliege bequem gemacht hat. Ihre eigenen Schränke haben sie abgeben müssen, und dass der Kiosk noch zu ist, bedauern sie auch. Heier zeigt in Richtung der mit Flatterband umwickelten Bestuhlung. „Er arbeitet an einem Konzept“, weiß die Rentnerin über die Pläne des Pächters. Früher sei man mit „einer richtigen Clique“ ins Bad gekommen. Aber einige der Freunde würden mit dem für sie komplizierten Kartenkauf im Netz nicht zurechtkommen. „Man muss digital schon auf Zack sein“, sagt Heier. „Alles in allem sind wir aber froh, dass wir überhaupt kommen können.“

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