Ludwigsburg Der neue Schatz vor der Haustür

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Ludwigsburg ist mehr als Schloss: Die Stadt hat auch den Neckar und tolle Weinberge in Steillagen – beides soll wiederentdeckt werden. Foto: factum/

Der Inhalt des Klagelieds ist bestens bekannt: Die Arbeit in den einst aus der Not geborenen Terrassen ist hart, der Ertrag meist gering. Weshalb die charakteristischen Hanglagen zu verschwinden drohen. Marketingexperten und Politiker haben ihr Herz für den Neckar inzwischen wieder entdeckt, nun sollen auch die Ludwigsburger für ihren Fluss und die Weinberge am Hang begeistert werden.

Ludwigsburg hat nicht nur das Schloss

Geplant sind die ersten Steillagentage als ein eher ruhiges Event auf einem Plateau oberhalb der Poppenweiler Neckarschleuse. Die Besucher können sich von Experten durch die Hanglagen führen lassen, Musik von Saxofonen oder Alphörnern hören, in Liegestühlen ruhend auf den Neckar schauen oder etwas von den dort angebauten Rebsorten verkosten.

Allerdings nicht im typischen Württemberg-Viertele, sondern im 0,1-Gläschen. „Null-eins steht für feinen Genuss“, sagt der Ludwigsburger Tourismusmanager Elmar Kunz. „Das hat eine höhere Wertigkeit als das Viertele.“ Doch damit nicht genug der Nullen und Einsen: In ironischer Anspielung auf die Industrien 2.0 bis 4.0 firmiert das Steillagenfest mit einer bescheidenen 0.1-Kombination. Erste Informationen gibt es in einem Video im Netz unter www.null-eins.net.

Potenzial wird nicht ausgeschöpft

Organisiert wird das Fest vom Eigenbetrieb Tourismus und Events, gemeinsam mit dem Fachbereich Tiefbau und Grünflächen, den Weingärtnern Marbach eG, dem Weingut Kleinle aus Poppenweiler sowie Weinerlebnisführern und Neckarguides. „Allein hätten wir das nicht stemmen können“, sagt Kunz. Zumal die Vorlaufzeit recht kurz gewesen sei. Erste Überlegungen für das Fest wurden Anfang des Jahres angestellt.

Mit 28 Hektar sei das Gelände am Ludwigsburger Neckarufer – der sogenannten Neckarhalde – eigentlich recht groß, meint Weinerlebnisführer Günther Schuster. „Aber das Potenzial ist noch nicht ausreichend erschlossen.“ Bisher seien die Hanglagen in Ludwigsburg ein weißer Fleck, sagt Kunz. In Bietigheim-Bissingen oder in Marbach hingegen werde seit geraumer Zeit viel für den Erhalt, aber auch die Imagepflege von Steillagen getan.

Das Weingut Kleinle hat es vorgemacht: „Wir feiern schon seit sieben Jahren ein Fest in unserem Weingut“, sagt Silvia Kleinle-Bühler. „Und die Zahl der Besucher wächst von Jahr zu Jahr.“ Auch wenn auf dem Etikett der Weine Marbach draufstehe, werde viel davon auch auf Ludwigsburger Markung angebaut. Aktuell sei eine Serie unter dem Namen Eberhard Ludwig geplant – mit Riesling, Trollinger und Trollinger-Lemberger.

Mauern helfen Biotope schützen

An den Ständen des ersten Steillagenfestes gibt es neben Weinen auch Snacks und Süßes. Am Sonntag hat der Fachbereich Tiefbau und Grünflächen seinen großen Auftritt: Von 13 Uhr zeigt er, wie eine Trockenmauer gebaut wird, und zwar nicht nur spielerisch: „Wir stellen eine marode Mauer wieder her“, sagt der Experte Bernd Wenger. Immer mehr dieser Mauern stürzen ein. Was nicht nur den Weinbau erschwert, sondern auch den Naturschutz beeinträchtigt. Denn die Steillagen sind auch Biotope für Tier- und Pflanzenarten.

Weshalb auch sie sich über den Trubel freuen können.

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