Ludwigsburg Ein Weihnachtsmarkt ohne Glühweinstand?

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Der Veranstalter des Ludwigsburger Barock-Weihnachtsmarktes, die Tourismus und Events, hat zwei Alternativen erarbeitet, die trotz Corona umsetzbar sind. Foto: factum/Simon Granville Foto:  

Ludwigsburg - Der Ludwigsburger Weihnachtsmarkt gehört zu den schönsten in der Region Stuttgart – und ist auch weit darüber hinaus bekannt. Besucher müssen sich in diesem Jahr aber umstellen, das Gesicht der Traditionsveranstaltung wird sich ändern. Ob sie überhaupt im Schatten der barocken Kirchen stattfindet, ist unklar – ebenso, wie viele andere Fragen.

Die städtische Tochtergesellschaft Tourismus und Events Ludwigsburg (TELB) hat dem Gemeinderat zwei Varianten zur Auswahl vorgelegt. Die erste sieht vor, dass die Buden wie gewohnt auf dem Marktplatz stehen. Die Besucher werden in einer Art Schnecke und nur in eine Richtung über den Platz geführt, auf etwa 7000 Quadratmetern würden 70 bis 80 Stände passen. Das Gelände muss eingezäunt werden, um überprüfen zu können, wie viele Menschen sich dort aufhalten. Die Organisatoren rechnen derzeit damit, dass maximal 700 Besucher gleichzeitig über die „Weihnachtsmeile“ schlendern dürften, um Abstandsregeln einhalten zu können. Die zweite Variante wäre eine sogenannte Weihnachtsmesse im Südgarten des Blühenden Barocks (Blüba) und im Innenhof des Schlosses. Der Weg entlang der Stände würde über den Hof des Residenzschlosses bis zum Westausgang des Blüba führen, der Märchen- und der Nordgarten wären gesperrt.

Beide Varianten wurden insbesondere im Hinblick auf die Hygienemaßnahmen mit dem Gesundheitsamt und auch mit dem Ordnungsamt besprochen, Details sind aber noch zu klären.

Der größte Knackpunkt der Alternative auf dem Marktplatz ist die Gastronomie. Richtig gemütlich, dicht gedrängt um Stehtische und Stände, wird es in jedem Fall nicht. Glühwein- und Würstchenstände sind in diesem Konzept nämlich nicht vorgesehen. Die Gefahr, dass sich um die Stände Menschentrauben bilden, sei zu groß. „Mehr als Waffeln und gebrannte Mandeln wird es nicht geben“, sagt Mario Kreh, Geschäftsführer des Tourismusbetriebs. Damit sich die Besucher nicht zu sehr in die Quere kommen, soll auch das Bühnenprogramm gestrichen werden, ein Kinderkarussell oder ein kleines Riesenrad seien hingegen denkbar, so Kreh. „Ich muss aber jedem die Hoffnung nehmen, dass wir das Flair so hinbekommen, wie in der Vergangenheit.“ Die Frage sei eher: „Was können wir überhaupt vom Weihnachtsmarkt retten?“

Sollte es die Variante am Schloss geben, wären immerhin bis zu sieben Essens- und Getränkestände möglich. Denn die Fläche ist dreimal so groß wie der Marktplatz. Somit bestünde auch die Möglichkeit, um die Stände herum größere Bereiche freizuhalten. Bei der Weihnachtsmesse spräche aus Sicht von Kreh auch nichts gegen den Verkauf von Glühwein und Co. Das Gelände bietet rund 100 Ausstellern Platz, die maximale Besucheranzahl wäre mit 2140 zudem deutlich höher.

Weil die Weihnachtsmesse aber erst beginnen kann, wenn das Blühende Barock geschlossen hat, würde sie nur 16 Tage (7. bis 22. Dezember) dauern. Deswegen – und weil die Gegebenheit bei der Strom- und Wasserversorgung deutlich schlechter sind als auf dem Marktplatz – rechnen die Veranstalter mit einem Defizit von rund 175 000 Euro. Um das Loch zu stopfen, sollen Besucher ab 16 Jahren zwei Euro Eintritt zahlen. Für viele Ludwigsburger Gemeinderäte ist das eigentlich ein K. o.-Kriterium. Sie verbinden mit der Marktplatz-Alternative zudem die Hoffnung, dass das Geschäft der Einzelhändler in der Innenstadt angekurbelt wird.

Je nachdem, wie sich das Infektionsgeschehen in den kommenden Wochen entwickelt, ist eine Erweiterung der Marktplatz-Variante möglich. Es könnte Gastrostände geben, die „außerhalb der bis dahin bereits vergebenen Marktplatzflächen“ aufgestellt würden, heißt es in dem Vorschlag der Tourismus und Events. Denkbar wären zum Beispiel Stände um die katholische Kirche herum. „Die Gastronomen haben noch Zeit“, sagt Mario Kreh. „Sie müssen vielleicht Personal planen, aber noch keine Waren bestellen.“

Weil um das eingezäunte Gelände auf dem Marktplatz Rettungswege frei bleiben müssen, könnten auch die Restaurants und Bars dort öffnen – wenn sie wollen und es die Corona-Situation im Landkreis zulässt. Ob sie die Erlaubnis selbst einholen müssten, ist noch nicht entschieden. Vielleicht kommt es aber auch ganz anders: Die Veranstalter kalkulieren zumindest damit, dass der Weihnachtsmarkt – kommt eine zweite Corona-Welle – auch ganz ausfallen kann.

Dass die Stadt Ludwigsburg und die TELB sich noch vor den Sommerferien einen Grundsatzbeschluss zu der Veranstaltungen wünschen, hat einen Grund: Sie wollen den vielen kleinen Kunsthandwerkern und Marktkaufleuten eine Perspektive bieten. Ein Entschluss im September würde laut Melanie Mitna, der Leiterin des Veranstaltungsbereichs bei der Tourismus und Events, für viele Händler zu spät kommen. Weil die Planungen für die Alternative zum Barock-Weihnachtsmarkt sowieso sehr schnell gehen müssen, gibt es auch kein neues Zulassungsverfahren. Die Beschicker, die bis zum Bewerbungsschluss im Februar ihre Unterlagen eingereicht haben, werden nochmals angeschrieben. Sie können sich dann für oder gegen einen Stand entscheiden – und müssen nicht befürchten, im Falle einer Absage ihren Platz künftig zu verlieren. „Die Antwort hat keine Folgen für künftige Weihnachtsmärkte“, sagt Melanie Mitna. An den Standmieten ändere sich in diesem Jahr nichts. Finden sich nicht genügend Händler, wird die Weihnachtsmesse beziehungsweise –meile abgesagt.

Der Ludwigsburger Oberbürgermeister Matthias Knecht sieht die Entscheidung der Barockstadt auch als Zeichen für andere Städte in der Region. In Waiblingen gebe es Überlegungen, den Markt aus dem Stadtzentrum zu holen, Stuttgart plane „seinen normalen Weihnachtsmarkt“. Knecht drängte auch ob der Signalwirkung auf eine Entscheidung im Betriebsausschuss der Tourismus und Events. Abgestimmt wird nun aber erst im Gemeinderat in der kommenden Woche.

Mit Ausnahme der Freien Wähler haben alle Gemeinderatsfraktionen signalisiert, dass sie sich einen Alternative zum Barock-Weihnachtsmarkt wünschen. Auf welche Variante es letztlich hinausläuft, blieb aber völlig offen. „Ich könnte mit beidem leben“, sagt Mario Kreh. Matthias Knecht tendiert, wie auch das Gesundheitsamt, eher zur Variante im Schloss. Edith Klünder (CDU) hatte eine dezentrale Lösung, mit Ständen auf mehreren Plätzen in der Stadt, vorgeschlagen. Dieser dritten Alternative erteilte Kreh, vor allem wegen zu hoher Kosten, eine Absage. Auch die Frage nach der Platzvergabe sei problematisch. „Das würde ein Hauen und Stechen zwischen den Händlern geben“, vermutet Kreh.

Ebenfalls noch offen ist, wie die Innenstadt in diesem Winter beleuchtet wird. Traditionell schmücken große Engel den Marktplatz, direkt an der B 27 wirbt einer für den Weihnachtsmarkt. Auch hier liegen mehrere Varianten auf dem Tisch. Bei einer abgespeckten Version würde die Tourismus und Events 25 000 Euro einsparen, fällt die Beleuchtung komplett weg, wären es 40 000 Euro.

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