Ludwigsburg Eine Rumänin macht aus Sushi eine Leidenschaft

Von
Mit Liebe zum Detail wird das Sushi in der Seestraße bei „Tobiko Sushi Fusion“ zubereitet. Foto: factum/Simon Granville

Ludwigsburg - Wenn Minerva Sander über Sushi spricht, dann merkt man schnell: Für sie ist die japanische Spezialität mehr als nur ein Essen oder Hobby. Sushi ist für sie Leidenschaft.

Wenn sie von ihrem Restaurant erzählt, gerät die 42-Jährige bisweilen auch ein bisschen aus der Fassung. „Ganz wenige wissen, wie man Sushi richtig isst“, sagt Sander. Wenn Leute die kleinen Reishappen in Sojasoße oder dem japanischen Meerrettich Wasabi ertränken, dann schaudert es Sander. Bei Tobiko Sushi Fusion sieht man das bisweilen an den Wänden, wenn die dunkelbraune Würzsoße bis dorthin gespritzt ist.

Limonade? Gibt es nicht!

Wegen der Getränkeauswahl musste Sander schon die ein oder andere schlechte Kritik im Internet schlucken. Limonaden bietet sie nämlich nicht an. Aus Prinzip. „So etwas trinkt man nicht zu Sushi“, findet sie und empfiehlt stattdessen Matcha-Tee, den japanischen Reiswein Sake oder ein gutes Glas Wein. Auch wegen der Qualität des Fisches hat sich Sander schon einmal mit Kunden gezankt. Denn viele Gäste meinen, sich auszukennen – Sushi gibt’s schließlich auch in Deutschland gefühlt an jeder Ecke. Selbst einige Discounter verkaufen inzwischen Boxen mit den Röllchen aus gesäuertem Reis. Die Fähigkeit, zwei Essstäbchen unfallfrei zum Mund zu führen, macht aber noch keinen Sushi-Experten.

Dass Sander weiß, was sie tut, manifestiert sich auch im Erfolg ihres Restaurants. Mitte April feiert es dreijähriges Bestehen – und die Gäste kommen nach wie vor. In dem Restaurant in der Seestraße zahlen viele auch gerne ein bisschen mehr Geld fürs Sushi. Die Qualität rechtfertigt den Preis, meint Sander.

Sechs Stück Maki-Sushi, die in Nori-Algen eingewickelten Rollen, kosten je nach Füllung zwischen 4,50 Euro und 7 Euro; Platten mit einer Auswahl an Maki-, Nigiri-Sushi (roher Fisch auf Reis) und Inside-Out-Rollen kosten zwischen 18,90 Euro und 45 Euro. Am beliebtesten sind die sogenannten „Dragon Aburi“, eine Rolle gefüllt mit gehacktem Thunfisch und Avocado, garniert mit flambiertem Thunfisch, Lachs und Chilisoße (siehe Bild) – eine echte Geschmacksexplosion. Diese ausgefallenen Kreationen gibt es nicht in jedem x-beliebigen Sushiladen.

Die Zutaten kommen aus Japan

Und noch etwas ist anders im Restaurant von Minerva Sander, die alle nur Mini nennen. Bestellt werden kann nur das, was auf der Karte steht – Sushisorten mixen geht nicht. Die Erklärung leuchtet ein. „Wir schneiden die Rollen in sechs oder acht Teile“, sagt Sander. Und gerollt wird immer nur dann, wenn bestellt wurde. Auf Vorrat bereiten die Köche nichts vor. Das gehört zur Philosophie, die Rollen sollen möglichst frisch auf den Tisch.

Auch der Reis – um den geht es eigentlich beim Sushi – wird mehrmals am Abend frisch zubereitet. Sander ist es wichtig, dass er immer gleich schmeckt, nicht zu süß, fein-säuerlich. Die Körner ordert sie, wie alle anderen Zutaten auch, in Japan, die Mayonnaise und die Unagisoße sind selbst gemacht. Chinaprodukte seien zwar wesentlich günstiger, aber qualitativ bei weitem nicht so gut, sagt Sander. Auch so erkläre sich der Preis.

Das und Sushi ganz allgemein den Leuten näher bringen, hat sich Sander zur Aufgabe gemacht. Deshalb freut sie sich darüber, dass immer mehr Familien mit Kindern kommen. Bald soll es auch Sushi-Kurse geben – und Mini Sander will den Mittagstisch zum Beispiel um die japanische Nudelsuppe Ramen erweitern.

Sushi-Restaurant statt Schuhladen

Wie Mini Sander zu ihrem Restaurant in der Seestraße gekommen ist, ist eigentlich eine Geschichte für sich. Geboren ist die 42-Jährige in Rumänien, seit 2006 lebt sie in Deutschland, ihre Liebe zum Sushi hat sie mitgebracht. Eigentlich hat sie lange Zeit nur selbst gern Sushi gegessen – in anderen Restaurants.

In einem davon lernte sie eine Köchin kennen, die mehr als unglücklich war mit ihrem damaligen Chef. „Also habe ich gesagt: Wenn ich innerhalb von drei Monaten etwas Passendes finde, dann mache ich selbst einen Laden auf“, erinnert sich Sander. Sie fand etwas Passendes – einen leer stehenden Laden in der Seestraße. Anfangs war der Besitzer allerdings wenig begeistert von ihrem Vorschlag, dort japanische Spezialitäten zu servieren. „Er wollte lieber einen Schuh- oder Klamottenladen“, sagt Sander. Überzeugt hat sie ihn mit einem Essen bei sich daheim. Es gab Sushi.

Seitdem beweist Minerva Sander, dass man nicht unbedingt asiatische Wurzeln haben muss, um ein gutes Sushirestaurant zu leiten. Auch wenn sich einige ihrer Gäste noch schwertun, gutes von schlechtem Sushi zu unterscheiden.

Fotostrecke
Artikel bewerten
1
loading
 
 

Sonderthemen