Ludwigsburg Familien können sich Ludwigsburg nicht mehr leisten

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Eines der letzten Neubaugebiete in Ludwigsburg: die Hartenecker Höhe Foto:  

Ludwigsburg - Egal ob jemand eine Miet- oder eine Eigentumswohnung sucht, in Ludwigsburg hat er kaum noch eine Chance. Zogen Anfang der Nullerjahre viele junge Familien nach Ludwigsburg, so ziehen sie jetzt wieder weg. Bürgermeister Konrad Seigfried spricht von einer Trendwende: „Wir haben zwar viele Neubauprojekte in der Pipeline, aber bisher nur wenig am Markt.“ Unter all den schlechten Nachrichten, die die Kooperationspartner bei der Präsentation des neuen Mietspiegels überbrachten, fand sich zumindest eine weniger schlechte: Die Mietpreise sind zwar erneut angestiegen, aber nicht so exorbitant wie es der überhitzte Immobilienmarkt befürchten ließ.

Die Erhöhung des Mietzinses liegt im Schnitt bei 2,2 Prozent. Eckart Bohn vom Mieterbund hat diese Zahl nicht überrascht. „Die Mieten in Ludwigsburg befinden sich bereits auf einem sehr hohen Niveau.“ Als Richtwert gelte, dass die Miete nicht mehr als 30 Prozent des Einkommens kosten dürfe – sonst kann die Miete zum Armutsrisiko werden. „Inzwischen gehen aber bei vielen 40 bis 50 Prozent des Nettoeinkommens für die Miete drauf.“ Damit lasse sich der übrige Haushalt nicht mehr finanzieren, es drohe der soziale Abstieg. „Viele können sich das einfach nicht mehr leisten“, sagt Bohn.

Im Durchschnitt muss ein Mieter in Ludwigsburg 9,13 Euro pro Quadratmeter zahlen. Die Mieten wären vermutlich noch viel deutlicher angestiegen, wenn die großen Immobilienfirmen hier nennenswerte Projekte unterhielten, meint Seigfried. So aber ist viel in Besitz der Stadt, der Wohnungsbau AG oder von Privatleuten. „Viele Eigentümer schätzen verlässliche Mieter“, sagt Tobias Rienhardt vom Immobilienverband Deutschland (IVD) Süd. Sie verzichteten auf Erhöhungen, weil es ihnen wichtiger sei, dass das Geld regelmäßig auf ihrem Konto landet.

„Das betrifft aber natürlich nur die Bestandsmieten“, ergänzt Bohn. Bei Neuvermietung langten die Eigentümer dagegen kräftig zu. Der Vorsitzende des Mieterbundes moniert auch, dass die Mieten in Altbauten – Häuser, die vor 1974 fertiggestellt wurden – enorm angestiegen seien. „Das ist eben Fluch und Segen von Sanierungen“, sagt Seigfried. Die Stadt freue es natürlich, wenn alte Gebäude wieder auf Vordermann gebracht würden.

Auf der anderen Seite schraube das natürlich die Mieten hoch. Für den Mieterbund seien das Fälle, die geklärt werden müssten, sagt Bohn. Es mache einen Unterschied, ob ein Gebäude energetisch saniert oder die Fassade gestrichen worden sei. „Das eine darf umgelegt werden, das andere ist nur eine Instandhaltung, zu der ein Vermieter verpflichtet ist.“

Um Schlimmeres zu verhindern, brauche Ludwigsburg „eine starke Wohnungsbaugesellschaft“, sagt Bohn. Außerdem müsse man die explodierenden Bodenpreise in den Griff bekommen. Die Weichen dafür seien gestellt, versichert Seigfried. Die Stadt stelle die Baugrundstücke sehr viel günstiger zur Verfügung. Den Preis bestimme der Gemeinderat und er läge stets deutlich unter dem Marktwert.

Der Bestand an Sozialwohnungen sei praktisch abgeschmolzen, sagt der Erste Bürgermeister. Immerhin sei es gelungen, bei 130 Wohnungen die Zweckbindung zu verlängern. Ludwigsburg steuere dem Trend entgegen, indem es Projekte wie Fair wohnen unterhält. Außerdem zeige der Beschluss Wirkung, dass bei allen größeren Baugebieten ein Drittel der Wohneinheiten bezahlbar sein muss. Damit seien auch Investoren verpflichtet, Sozialwohnungen zu bauen, sagt Seigfried.

Um den Mietspiegel erstellen zu können, wurden die Daten von 2000 Haushalten abgefragt. Es handle sich nicht um „einen Mieterhöhungsspiegel“, sondern um ein Instrument, das die aktuellen Preise abbilde. Der Mietspiegel helfe, 97 Prozent der Streitigkeiten außergerichtlich zu klären, versicherte Eckart Bohn.

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