Ludwigsburg Lidl-Gegner werfen Stadt Hinhaltetaktik vor

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Erste Pläne für einen Umbau des Lidl in der Ludwigsburger-Oststadt wurden 2015 vorgestellt. Seitdem wird über den Neubau gestritten. Die Interessengemeinschaft Grüner Lidl ist nach wie vor unzufrieden. Foto: factum/Simon Granville

Ludwigsburg - Bei manch einem Gemeinderatsmitglied füllt das Lidl-Neubauprojekt in der Ludwigsburger Oststadt schon ganze Ordner. Bei den Planern der Stadt, bei denen des Discounter-Riesen und auch bei der Interessengemeinschaft (IG) Grüner Lidl sowieso. Seit fast vier Jahren wird geplant, gestritten und abgestimmt. Etliche Vorschläge lagen bereits auf dem Tisch – und wurden wieder verworfen. Und zu Ende geschrieben ist die Geschichte noch lange nicht. Dafür sorgt auch die Interessengemeinschaft.

Im Kern hat sie zwei Probleme mit den Entwürfen des neuen Einkaufsmarkts, der an der Ecke Hindenburg- und Oststraße entstehen soll: Er ist ihnen zu hoch und insgesamt zu wuchtig. Die Anwohner befürchten, dass sie kaum noch Sonne abbekommen und die Umgebung insgesamt abgewertet wird.

Derzeit ist geplant, dass die rund 1800 Quadratmeter große Verkaufsfläche im ersten Stock des neuen Gebäudes angesiedelt ist. Autos sollen auf zwei Etagen – im Erdgeschoss und einer neuen Tiefgarage – parken. Auf dem Dach des Discounters sind Mietwohnungen vorgesehen. Sie sind der Grund, warum der Stadtverwaltung das Projekt am Herzen liegt. Sie hält die Bebauung von Supermarktdächern für ein geeignetes Mittel, um die Wohnungsnot zu bekämpfen. Anfang des Jahres hatte sich auch Oberbürgermeister Matthias Knecht für das Projekt bei einem Treffen mit Anwohnern stark gemacht.

Momentan beschäftigt sich Lidl mit dem äußeren Erscheinungsbild des Baus und damit, wie er am besten in die Umgebung integriert werden kann. Im Gestaltungsbeirat der Stadt wurden zuletzt zwei Varianten vorgestellt. Die Mitglieder favorisieren ein Gebäude, in dem „die einzelnen ‚Schichten‘ sowohl in Funktion, Materialität und Farbe abgesetzt, als auch in der Tiefe gestaffelt und weiter differenziert“ werden. Um den Markt herum soll es möglichst grün werden.

Auch die Interessengemeinschaft favorisiert den Entwurf – fordert aber Verbesserungen. Zudem ist sie mit dem Vorgehen der Stadt weiterhin nicht einverstanden. Ihr Vorwurf: viel zu viel werde hinter verschlossenen Türen diskutiert. Zwar gab es Ende Juli ein Treffen mit dem Stadtplaner Martin Kurt, bei dem strittige Punkte diskutiert wurden. Günter Butschbacher, einer der Sprecher der IG, sagt aber: „Wir sind weiterhin sehr skeptisch.“ Auf Fragen antworte die Verwaltung ausweichend oder gar nicht. Butschbacher und seine Mitstreiter bemängeln vor allem, dass in den Plänen die Gebäudehöhe noch nicht über Normalnull dargestellt wurde. Erst wenn das geschehe, könne man sagen, wie hoch der Neubau werde. „Es gibt eigentlich keinen Anhaltspunkt, dass sich etwas verbessert hat“, sagt Butschbacher. Er vermutet sogar, dass er und seine Mitstreiter an der Nase herumgeführt werden. Die nicht-öffentliche Sitzung des Gestaltungsbeirats ist für die Lidl-Gegner ein weiterer Beweis dafür.

Dabei sei das vollkommen in Ordnung, sagt Albert Geiger, der kommissarische Leiter des Dezernats für Stadtentwicklung, Hochbau und Liegenschaften. Da die Vorschläge erstmals vorgestellt worden seien, habe die Sitzung des Gestaltungsbeirats eben ohne die Bürger stattgefunden. „Die Stadt vertuscht gar nichts“, stellt sich Geiger klar gegen die Vorwürfe der Lidl-Gegner. Die Verwaltung habe deren Bedenken stets ernst genommen und versuche ein möglichst niedriges Gebäude zu planen – das gelte nach wie vor. Geiger wünscht sich mehr Verständnis, „weil es eben momentan viele Menschen gibt, die verzweifelt eine Wohnung suchen.“ Auch der Gemeinderat begleite die Planungen mit „wachsamem Auge“, so Geiger.

Christine Knoß, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, glaubt, dass sich einige Ratskollegen sicherlich nicht so gut auskennen wie die Mitglieder der Interessengemeinschaft. „Aber das geht aufgrund der Fülle der Vorlagen, über die wir abstimmen müssen, gar nicht.“ Für die Anliegen der Anwohner hat Knoß zwar Verständnis, die Argumente der Grünen gegen den Neubau decken sich aber nicht mit denen der Interessengemeinschaft. „Dass sich die Initiative so einen grünen Anstrich gegeben hat, nehme ich ihr nicht ab“, so Knoß. Die Grünen wollen vor allem nicht so viele Parkplätze.

Auch bei anderen Gemeinderatsmitgliedern, die das Projekt begleiten, scheint das Verständnis für die Anwohner zu schwinden „Ich glaube, wir finden keine Einigung mehr mit der Interessengemeinschaft“, sagt die SPD-Fraktionsvorsitzende Margit Liepins. Ihr ist der Gebäudeentwurf eigentlich „zu groß und schwer“ geraten, „aber ich glaube, die meisten Leute können damit leben“. Dass sich die Gegner immer noch so sehr an der Gebäudehöhe stören „und wegen ein paar Zentimetern nicht aufhören wollen zu diskutieren“, hält Liepins für „lächerlich“.

Die Verwaltung weist zudem daraufhin, dass noch einige Schritte getan werden müssen, bevor der Bau endgültig beschlossen wird. Der Gemeinderat wird sich im Frühjahr wieder damit beschäftigen. „Am Ende werden alle Fakten auf dem Tisch liegen“, verspricht Albert Geiger, wohlwissend, dass die Interessengemeinschaft bis dahin nicht verstummt sein wird.

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