Ludwigsburg Nächster Generalstreik fürs Klima geplant

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Sterben für das Klima: Demonstranten beim vergangenen Generalstreik Ende September in Ludwigsburg. Foto: factum/Simon Granville

Ludwigsburg - Das Klimastreikbündnis Ludwigsburg macht wieder mobil. Am Freitag, 29. November, ruft Fridays for Future zum nächsten Generalstreik auf. Die Organisatoren hoffen, dass dann auch viele Beschäftigte die Arbeit niederlegen und sich solidarisch mit den Schülerinnen und Schülern zeigen, die für eine Wende in der Klimapolitik demonstrieren. Der erste Protestzug dieser Art werteten die Macher als Erfolg. Es sei einer der größten Streiks gewesen, die es bisher in Ludwigsburg gegeben habe, sagt Organisator Markus Moskau. Fridays for Future zählte 5000 Teilnehmer, die mit bunten Plakaten und Sprechchören durch die Stadt zogen. Die Polizei ging immerhin von 1500 Demonstranten aus.

Fridays for Future wird in Ludwigsburg von Attac Besigheim, der Bürgerinitiative Anti Atom und der relativ jungen Initiative Campus for Future, ein Zusammenschluss von Studenten und Dozenten der Ludwigsburger Hochschulen, unterstützt. Außerdem gehören Parents for Future dazu. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die IG Metall unterstützen das Streikbündnis, der Nabu und der BUND verbreiten die Forderungen und Inhalte des Bündnisses ebenfalls. „Wir wollten unser Streikkonzept erweitern. Und das hat sehr gut funktioniert“, sagt Markus Moskau. Schon beim letzten Mal sei das Teilnehmerfeld eine bunte Mischung aus Schülern, Azubis, Eltern und Arbeitnehmern gewesen.

Eingeläutet wird der Klimastreik am Freitag symbolträchtig um fünf Minuten vor Zwölf. Die Glocken der Friedenskirche in Ludwigsburg und der St. Bonifatius Kirche in Asperg werden erklingen. Treffpunkt der Demonstranten ist an der Musikhalle am Bahnhof in Ludwigsburg. Der Weg führt dann über die Mylius- und Wilhelmstraße auf den Rathaushof. Dort findet von 12.30 Uhr an die zentrale Kundgebung statt. Vertreter von Fridays for Future, Parents for Future und Campus for Future widmen sich in ihren Reden unterschiedlichen Aspekten des Klimawandels. Danach zieht der Demonstrationszug vorbei am Weihnachtsmarkt über die Stuttgarter Straße zur Friedenskirche und dann in Richtung der Innenstadtschulen. Die Abschlusskundgebung um 14 Uhr findet ebenfalls auf dem Rathaushof statt.

Schon der Zeitpunkt des vergangenen Generalstreiks war nicht willkürlich gewählt. Im September war der Klimagipfel der Vereinten Nationen Anlass, in Deutschland verhandelte zudem das Klimakabinett. Am 29. November wollen die Demonstranten ihre Forderungen den Politikern mit auf den Weg geben, die vom 2. bis zum 13. Dezember an der Weltklimakonferenz in Madrid teilnehmen. „Diejenigen, die teilnehmen, können die Klimakatastrophe noch verhindern“, so Moskau, „sie können aber genauso dafür sorgen, dass die Welt zugrunde geht.“

Fridays for Future fordert, dass Deutschland bis spätestens 2035 CO2-neutral wird – also 15 Jahre früher als von der Bundesregierung geplant. Der Kohleausstieg müsse deshalb schon bis 2030 vollzogen sein. Bis 2035 soll der Energiebedarf komplett mit erneuerbaren Energien gedeckt werden. Markus Moskau nennt das Klimapaket der Bundesregierung ein „Klimapäckchen“. Wenn man sich an Schulnoten orientiere, habe sich Deutschland von einer Sechs auf eine Fünf verbessert. Auf Landesebene haben die Aktivisten erst vor kurzem zehn Forderungen formuliert. Unter anderem sollen Dachflächen konsequent für Solarenergie genutzt und Genehmigungsverfahren für Windanlagen transparenter und gestrafft werden. Außerdem sollen Kantinen, die dem Land gehören, weniger Fleisch anbieten.

Gibt es auch lokale Forderungen? „Damit halten wir uns zurück“, sagt Markus Moskau. Generell orientiere man sich an den bundes- und landesweiten Zielen. Es sei nicht nicht Aufgabe von Schülern, die sich gerade erst politisiert haben, konkrete Konzepte zu entwickeln.

Die IG Metall unterstützt den Streik in Ludwigsburg zwar, ruft aus rechtlichen Gründen aber nicht dazu auf. Da es sich um eine Demonstration und nicht um einen Tarifstreik mit einem konkreten Ziel handelt, sind Beschäftigte nicht von der Arbeit befreit. Sie müssen entweder Urlaub nehmen, in der Mittagspause demonstrieren oder sich vom Chef für den Tag freistellen lassen. Es sei denn, das Unternehmen hat ausdrücklich zum Streik aufgerufen.

Eigentlich müssen sich auch Schüler eine Erlaubnis zum Demonstrieren besorgen. Wie Schüler sanktioniert werden, die dem Unterricht unentschuldigt fernbleiben, entscheidet jede Schule selbst. Bislang haben sich Schulen in der Region mit Strafen aber zurückgehalten.

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