Ludwigsburg Rennen um Ludwigsburger Busverkehr ist entschieden

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Fährt weiterhin in Ludwigsburg: Die Busfirma LVL Jäger. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Kurz vor Weihnachten dürften in der Hermann-Hagenmeyer-Straße in Ludwigsburg die Sektkorken geknallt haben. Denn beim dort ansässigen Busunternehmen LVL Jäger ging ein Brief ein, der für die Zukunft der Firma entscheidend ist: Die LVL wird auch vom Jahr 2020 an die Buslinien in der Stadt bedienen. Das hat das Stuttgarter Regierungspräsidium (RP) entschieden. Obwohl LVL seit vielen Jahren für den Stadtverkehr zuständig ist, war diese Entscheidung keineswegs vorher sicher – denn es gab einen ernstzunehmenden Mitbewerber. Das bestätigt das RP.

Welche Firma das ist, will die Behörde ebenso wenig verraten wie weitere Details zu der Vergabe – noch kann der Unterlegene gegen das Resultat rechtlich vorgehen. Entschieden wurde unlängst aber nicht nur über den Ludwigsburger Verkehr – fast alle Busfahrgäste im Kreis sind betroffen.

Worum geht es?

Laut einer Verordnung der EU, die seit 2009 gilt, müssen Buslinien, die öffentlich gefördert werden, nach einem bestimmten Prozedere ausgeschrieben werden. So soll ein fairer Wettbewerb garantiert sein. Um nicht jede Linie einzeln ausschreiben zu müssen, hat der Landkreis sie zu Bündeln zusammengefasst, auf die sich Verkehrsunternehmen für einen Zeitraum von zehn Jahren bewerben können. Wer den Zuschlag will, muss in einem ersten Schritt garantieren, dass er den Verkehr eigenwirtschaftlich, also ohne Zuschüsse, anbieten kann. Dafür kassiert das Unternehmen die Einnahmen durch die Fahrkarten. Erst wenn keine eigenwirtschaftlichen Anträge eingehen, können die Behörden den Busverkehr direkt vergeben.

Was wurde entschieden?

Das Regierungspräsidium hat kurz vor Weihnachten die Vergabe von drei Linienbündeln im Kreis beschlossen: jenes mit dem Namen LB 7, in dem alle Busse im Ludwigsburger Stadtgebiet zusammengefasst sind, aber auch die nach Asperg und in Richtung Remseck und Waiblingen sowie die Linien von Kornwestheim in die Kreisstadt. Insgesamt geht es um 17 Linien, von 411 bis 451. Zudem beschied das RP über das Bündel LB 5, den Stadtverkehr in Bietigheim-Bissingen sowie die dortigen Verbindungen nach Sachsenheim, Bönnigheim und Freiberg. Das letzte nun vergebene Bündel LB 9 umfasst die Busse der Linien 402, 403 und 405 in Remseck.

Wie geht es weiter?

Nicht nur in Ludwigsburg bleibt das bestehende Unternehmen am Ruder: Dadurch, dass sich auf die Bündel in Bietigheim-Bissingen und Remseck kein Unternehmen gemeldet hat, durfte der Auftrag direkt vergeben werden. Die Firma Spillmann wird weiterhin in Bietigheim-Bissingen fahren, die Stadtwerke Remseck verantworten den Verkehr dort. Bisher haben sie die Firma Knisel beauftragt, die Fahrgäste zu befördern.

Hätte sich in beiden Fällen ein Bewerber gemeldet, der ein eigenwirtschaftliches Angebot macht, hätte dieser zum Zug kommen müssen – und die bisherigen Platzhirsche wären aus dem Rennen gewesen, weil sie kein vergleichbares Angebot ins Rennen schickten. In Ludwigsburg kam LVL deshalb zum Zug, weil die Firma sich dem wirtschaftlichen Konkurrenzkampf gestellt und gewonnen hat.

Was ändert sich für die Fahrgäste?

Anette Hochmuth, die Sprecherin der Stadt Bietigheim-Bissingen, erklärt, dass es trotz der Vergabe an den alten Partner Spillmann vom Jahr 2020 an einige Neuerungen geben soll: Unter anderem dichtere Taktzeiten, neue Linien und neue Busse. Vom Jahr 2025 an soll die Flotte sukzessive auf E-Fahrzeuge umgestellt werden. Diese Vorgaben hat die Stadt der Busfirma gemacht – an der sie über die städtische Holding selbst finanziell beteiligt ist.

In Ludwigsburg war eine zentrale Anforderungen an die Bewerber der Umstieg auf emissionsfreie Antriebe. Pro Jahr muss der künftige Betreiber, also LVL, fünf E-Busse beschaffen. Die sollen vor allem auf den Linien 421, 422, 425 und 427 fahren.

Wie sind die Erfahrungen andernorts?

In Esslingen wurde der Betreiber des Stadtbus-Netzes nach einer Ausschreibung gewechselt. Seither fährt die Calwer Firma Rexer auf rund einem Drittel der Linien. Bereits kurz nach dem Betriebsstart im Juli häuften sich Beschwerden der Fahrgäste: Busse kämen zu spät, die Fahrer sprächen kein Deutsch und würden sich im Stadtgebiet nicht auskennen.

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