Ludwigsburg Rockfabrik sucht alternative Standorte

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Guter Sommer: Die Rofa-Chefs freuen sich über verhältnismäßig viele Gäste. Foto:  

Ludwigsburg - Metal- und Rockfans müssen sich darauf einstellen, dass die Rockfabrik zum Ende des Jahres ihre Tore schließen wird – zumindest am aktuellen Standort. Der Vermieter, Immobilienunternehmer Max Maier, zeigt nach wie vor keine Bereitschaft, den Vertrag zu verlängern. Die Chancen, dass in der Kult-Diskothek an der Grönerstraße auch im kommenden Jahr – es wäre das 37. – Freunde harter Gitarrenriffs ihre wallenden Mähnen durch den Diskotheken-Dunst wirbeln, seien „natürlich nicht sehr groß“, sagt Johannes Rossbacher, einer der drei Rofa-Geschäftsführer.

Deshalb schauen er und seine Mitstreiter sich bereits nach Alternativen um. „Wir hatten Kontakt mit verschiedenen Diskotheken, die eventuell als alternative Standorte in Frage kommen“, sagt Wolfgang „Hasche“ Hagemann. Es sei aber noch nichts Konkretes zustande gekommen. Johannes Rossbacher wäre es am liebsten, wenn es einen nahtlosen Übergange gebe. Der ist nur möglich, wenn er, Hagemann und Chris Albrecht – der dritte Geschäftsführer – eine Lokalität finden, die bereits eine Konzession hat. „Bis man nämlich die ganzen Genehmigungen beisammen hat, vergeht schnell mal ein halbes Jahr“, sagt Rossbacher. Eigentlich wollen die Betreiber in Ludwigsburg weitermachen. Nur: In der Barockstadt sind die Ausweichmöglichkeiten begrenzt.

Die „Ablösesumme“ war zu hoch

Zwei Alternativen haben Rossbacher und Co. schon wieder beerdigt. Sie spielten mit dem Gedanken, ins Privileg am Rande von Ludwigsburg auf der Gemarkung von Kornwestheim umzuziehen. Der Club mit seinen pompösen Kronleuchtern und großen Spiegeln kommt aber doch nicht in Frage. Um dort annähernd eine Atmosphäre zu schaffen, die an die jetzige Rofa erinnern würde, wären zu viele Umbauarbeiten nötig gewesen, so Rossbacher.

Bei einem zweiten Club, den die Geschäftsführer im Auge hatten, und mit dessen Besitzer es schon Gespräche gab, bemüht Rossbacher einen Vergleich aus dem Fußball: „Die Ablösesumme wäre zu hoch gewesen.“ Sprich: Die Forderungen des Clubbetreibers konnten und wollten die Rofa-Macher nicht erfüllen. Den Namen der Diskothek will Rossbacher nicht nennen. „Das wäre unfair den Leuten gegenüber.“ Vier weitere Diskotheken haben die Rofa-Chefs noch auf dem Zettel. Welche das sind, wird nicht verraten. „Wir müssen noch ein paar Hausaufgaben machen“, sagt Rossbacher. Derzeit seien aber viele der Betreiber im Urlaub und deshalb nicht zu greifen.

Das drohende Aus mobilisiert viele Disko-Besucher

Und wenn aus dem Plan, in eine andere Lokalität umzuziehen, am Ende doch nichts wird? Dann könnte natürlich eine neue Rofa – sozusagen auf der grünen Wiese – geplant werden. Leerstehende Industrieanlagen kommen in Frage. Rossbacher hofft deshalb, dass sich die Konjunktur abschwächt. „Die Immobilienpreise sind derzeit viel zu hoch, das können wir vergessen“, sagt der Rofa-Geschäftsführer. obwohl er wohl finanzkräftige Sponsoren an der Hand hat. „Die sagen: Wenn ihr was gefunden habt, dann finanzieren wir euch den Umbau gerne.“

Die Rofa zieht offenbar nach wie vor. Auch beim Publikum. In den sozialen Netzwerken, wo sich Fans und Künstler für die Erhaltung der Diskothek am alten Standort stark machen, wurde zwar immer wieder der Vorwurf laut, dass viele Nutzer große Töne spuckten, in die Rofa komme aber keiner. Diejenigen, die da sind und das bemängeln, posten zum Beweis Fotos von der leeren Tanzfläche. Das sei aber kein Indikator, dass es nicht gut laufe, widerspricht Rossbacher. In der warmen Jahreszeit habe es die Rofa-Besucher schon immer eher auf Festivals gezogen, viele Gäste kämen auch erst sehr spät. „Wir haben einen stärkeren Sommer als die letzten Jahre.“ Das drohende Aus habe die Disko bei vielen Menschen wieder ins Gedächtnis gerufen. „Die sagen sich wahrscheinlich: Komm wir gehen noch mal hin, bevor es zu spät ist.“

Demonstration am 21. September

Wie viele Menschen zur Demonstration kommen, die Unterstützer für den 21. September anberaumt haben? Der Rofa-Chef will keine Prognose wagen. Auf Facebook haben bislang rund 1500 Menschen zugesagt. Sie wollen vom Rathausplatz zur Rofa ziehen und für den Fortbestand der Disko protestieren. „Mal sehen, was die Demonstration bringt“, sagt Rossbacher. Optimistisch klingt irgendwie anders.

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