Ludwigsburg Weihnachtsstimmung mit 184 Watt

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Die LED-Ketten der Engelsflügel sind bei Tageslicht noch zu sehen, bei Dunkelheit bleiben nur die Lichter. Foto: factum/Simon Granville

Ludwigsburg - Eigentlich hat Klaus Müller die Zahlen ja im Kopf, aber zur Sicherheit hat er sie sich noch mal auf einen kleinen Zettel geschrieben: vier mal je 2640 LED-Lämpchen pro Engel, zwei mal 5000 Lämpchen pro Lichtervorhang, dazu kommen noch 3240 für den großen Barock-Engel, der am Forum am Schlosspark steht, und noch viele weitere Posten für knapp 80 Bäume, die die Stadt in der Vorweihnachtszeit beleuchten lässt. Am Ende steht dann unterm Strich eine nüchterne Zahl: 78 500 Lämpchen. So lässt sich also Weihnachtsstimmung beziffern.

Klaus Müller weiß das alles so genau, weil es sein Job ist: der Freiberufler ist im Auftrag der Stadt Ludwigsburg – genauer des Eigenbetriebs Tourismus und Events – für Auf- und Abbau von großen Veranstaltungen zuständig: Kastanienbeutelfest, Venezianische Messe – und eben der vierwöchige Barock-Weihnachtsmarkt. Seit 20 Jahren baut der 63-Jährige somit die berühmten Barock-Engel auf und wieder ab, wartet und pflegt sie während und außerhalb ihres Einsatzes auf dem Marktplatz. „Fast wie ein eigenes Kind“, scherzt er.

Müller tauschte früher bis zu 3000 Lämpchen pro Jahr aus

Am 11. November hat er mit dem Aufbau der Engel begonnen – natürlich nicht allein. „Mit zehn Mann sind wir zweieinhalb Wochen beschäftigt“, sagt er. Torso, Flügel, Stange – insgesamt besteht ein Engel aus elf Teilen, die einzeln montiert werden. Wie schwer so ein Engel ist, weiß Müller nicht: „Wir haben die noch nie gewogen.“ Aber man brauche auf jeden Fall einen Kranwagen für den Aufbau der geflügelten Weihnachtsfiguren.

Am Ende ergibt das ein beachtliches Kunstwerk: 11,70 Meter hoch, mit 5,40 Meter Flügelspannweite, prägen die vier Engel den Marktplatz – seit 1996. Entworfen hat sie der mittlerweile verstorbene Göppinger Künstler und Erlebnisarchitekt Jörg Schumacher, der auch unter dem Namen Dimido bekannt war – weil er nur dienstags, mittwochs und donnerstags arbeitete. Im Stadtarchiv lagern seine Entwurfszeichnungen. Schon auf einem Blatt Papier wirken die Skulpturen imposant. Müller hatte früher viel Kontakt mit Schumacher – der Künstler gab ihm Tipps, wie er beispielsweise die Beleuchtung der Engel schön hinbekommt. Denn immer wieder fielen Lämpchen aus und Müller konnte sie im laufenden Weihnachtsmarkt-Betrieb nicht ad hoc ersetzen. Schumacher sei wichtig gewesen, dass die ausgefallen Lampen eine „unregelmäßige Regelmäßigkeit“ bildeten, erzählt Müller – so würde es nicht auffallen.

Müller erinnert sich noch an die Zeiten, als er jedes Lämpchen einzeln in die verschraubten Lochbandkabel an den Flügeln einbauen musste. „Das waren bis zu 3000 Lämpchen pro Jahr“, sagt er. Fingernagelgroße 1-Watt-Birnen waren das, – oder wie Müller sie aus schmerzhafter Eigenerfahrung nennt: „Fingernagelbrecher“. 1250 pro Engel.

Früher verbrauchte ein Engel 1250 Watt pro Stunde

Doch diese Zeiten sind vorbei: Seit dem vergangenen Jahr leuchten die Engel mit LED-Lämpchen. Zehn Lichterketten mit je 120 Lampen beleuchten nun einen Flügel. „Das war sinnvoll“, sagt Klaus Müller – auch wenn Schumachers Regel der „unregelmäßigen Regelmäßigkeit“ bei Ausfällen damit immer mal wieder verletzt wird: fällt eine Lampe in einer Kette aus, fällt die ganze Kette aus. Aber durch die LEDs ist der Stromverbrauch der Christfest-Engel massiv gesunken: von 1250 Watt pro Engel und Stunde auf 184 Watt. Und die Engel leuchten dank der neuen Lichttechnik auch heller: „Zuerst dachten wir, vielleicht wird es dann zu hell, aber die Hütten auf dem Markt schlucken das Licht wieder“, sagt Klaus Müller.

Übrigens: Wer es in diesem Jahr noch nicht geschafft hat, die Weihnachtsengel auf dem Ludwigsburger Barock-Weihnachtsmarkt zu sehen, hat nur noch bis zu diesem Sonntag die Möglichkeit. Danach ist der Weihnachtsmarkt vorbei. Die Engel werden aber erst als letztes abgebaut, wie Müller versichert. Sie werden also auch noch zu Silvester auf dem Marktplatz stehen und leuchten.

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