Ludwigsburg Zieht die Rockfabrik nach Bietigheim?

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Die legendäre Rockfabrik steht vor dem Aus – aber noch gibt es Hoffnung. Foto: factum/Jürgen Bach

Ludwigsburg - Es ist der wohl letzte Strohhalm für die Rockfabrik: Wie unsere Zeitung erfahren hat, erwägt die Discothek einen Umzug nach Bietigheim-Bissingen, konkret: in eine leer stehende Industriehalle im Bogenviertel unweit des Bietigheimer Bahnhofs. Ins Spiel gebracht hat diese Variante ausgerechnet der Ludwigsburger Oberbürgermeister Matthias Knecht – aus der Not heraus, weil sich immer deutlicher abzeichnet, dass es für die Rofa in seiner Stadt keine Zukunft mehr gibt. Nicht am jetzigen Standort in der Weststadt und auch nicht anderswo.

Das ist das – ernüchternde – Ergebnis eines Treffens von Knecht und Vertretern der Rofa am Mittwochabend. Nach Prüfung aller Optionen müsse man feststellen, dass es in Ludwigsburg keinen dauerhaft tragfähigen Standort für die Disco gebe, bestätigt Knecht. „Die Immobilien, die wir untersucht habe, kommen aus verschiedenen Gründen nicht in Betracht.“ Deshalb habe er den Rofa-Machern vorgeschlagen, einen Umzug nach Bietigheim zu prüfen. Die Idee dazu, so Knecht, stamme von einem „engen Freund“.

Die Rofa selbst zeigt sich offen für den Umzug in die Nachbarstadt

Offenbar handelt es sich um einen Architekten, der Knecht auf den Gedanken brachte, die Rofa ins Bogenviertel umzusiedeln. Das Gelände gehörte einst dem Bodenbelagshersteller DLW und soll in ein Wohngebiet umgewandelt werden. Für andere Teile des Viertels existiert indes keine konkrete Planung, auch nicht für die in Frage kommende Industriehalle. „Wir haben bisher nur Pläne davon gesehen“, sagt der Rofa-Geschäftsführer Johannes Rossbacher. „Das sieht ganz gut aus.“ Es handle sich um eine „ziemlich alte Hütte, sehr rustikal“, aber das sei egal. „Das würde gut zur Rofa passen.“ Nächste Woche werde man sich das Gebäude anschauen.

Knecht will sich zu Details nicht äußern, noch sei das „ein ungelegtes Ei“. Ludwigsburg wolle aber nichts unversucht lassen, der Rockfabrik zu helfen, und Bietigheim könne „durchaus eine Option“ sein. Dort weiß man noch gar nicht, dass womöglich bald eine der größten und bekanntesten Diskotheken Deutschlands in die Stadt zieht. „Uns ist davon nichts bekannt“, erklärt das Rathaus, das an dem Deal jedoch sowieso nur am Rande beteiligt wäre: Das Halle ist in Privatbesitz.

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Einfach wird es trotzdem nicht. Der Umbau in Bietigheim würde mindestens ein Jahr dauern, schätzt Rossbacher, aber der Mietvertrag am jetzigen Standort läuft in zwei Wochen aus. Der Inhaber des Rofa-Gebäudes, der Immobilienunternehmer Max Maier, wird diesen nicht verlängern – alle Solidaritätsbekundungen und Demonstrationen für die Rettung der Rofa konnten daran nichts ändern. Maier ist allenfalls bereit, der Disco einige zusätzliche Monate einzuräumen, um einen Umzug zu organisieren.

Übergangsweise könnte die Rofa sich auch in die Räume des ehemaligen Clubs Pflaumenbaum an der Ludwigsburger Sternkreuzung quetschen. Auch dieser Vorschlag stammt von Knecht – wohl wissend, dass dies keine Dauerlösung ist. Die Rockfabrik ist 1600 Quadratmeter groß, der Pflaumenbaum nur 200 Quadratmeter. Aber auf dem Weg, so das Kalkül des Oberbürgermeisters, könnte der „Name der Rofa weiterleben, während man in Ruhe einen neuen Standort aufbaut“.

Bietigheim oder Schluss für immer – das sind momentan die Alternativen

Mehr hat die Stadt momentan nicht anzubieten. Mehrere potenzielle Standorte hat das Rathaus in Augenschein genommen, keiner davon lässt sich realisieren. Der Cluss-Keller unweit der B 27 scheidet aus Brandschutzgründen aus. Auf dem Getrag-Areal in der Weststadt steht zwar eine passende Halle, die aber noch lange belegt ist. Das ehemalige Nestlé-Areal am Bahnhof, das lange als erfolgversprechende Lösung galt, scheidet ebenfalls aus. Die Hallen stehen zwar leer, aber noch sind die Eigentumsverhältnisse ungeklärt. „Wir stehen dort ganz am Anfang der Planung“, sagt Knecht. „Das könnte frühestens in drei bis fünf Jahren eine Option werden.“ Zudem ist der Gemeinderat nicht vollends überzeugt, dass die Stadt ein solches Filetgrundstück für eine Disco­thek hergeben sollte.

Bleibt: Bietigheim. „Wir haben immer gesagt, dass wir in Ludwigsburg oder in der Nähe bleiben wollen“, sagt Rossbacher. „Bietigheim – das wäre zumindest keine Riesen-Entfernung.“ Zumal es nur noch diese eine Lösung zu geben scheint. Oder: am 1. Januar ist für immer Schluss. Entsprechend düster klingt das Motto der vielleicht finalen Silvesterparty: „The Final Countdown“.

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