Motorsport Gepackt vom Mythos der Nordschleife

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Viele helfende Hände garantieren den Erfolg des Teams. Foto: z

Kornwestheim - Mit durchschnittlich über 160 Stundenkilometern jagten beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring am vergangenen Wochenende 155 Autos über den Asphalt. Mittendrin im Fahrerfeld waren auch zwei Motorsportverrückte mit Kornwestheimer Wurzeln. Andreas Sczepansky und Steffen Schlichenmeier rasten im Porsche 911 GT3 Cup des Teams QA-Racing by Kurt Ecke Motorsport trotz eines Unfalls auf Platz 37.

Doch die Platzierung bei dem Langstreckenrennen ist für Amateurfahrer nicht der Hauptantrieb. Allein die Tatsache, überhaupt bei dem legendären Rennen auf der Nordschleife dabei zu sein, ist für die beiden die Erfüllung eines Kindheitstraumes: „Ich bin von klein auf motorsportbegeistert. Die Nordschleife fasziniert mich schon seit 25 Jahren“, sagt Steffen Schlichenmeier mit glänzenden Augen, „deshalb war es mein Traum, irgendwann mal bei dem Rennen mitzufahren.“

Den Traum hatte sich der gebürtige Kornwestheimer das erste Mal 2006 erfüllt. Seither lässt die Nordschleife den 51-Jährigen nicht mehr los. Jedes Jahr war er dabei, jüngst zum 14. Mal. „Es ist wie ein Virus, ich kann einfach nicht mehr damit aufhören“, beschreibt er. Ebenfalls von dem Virus befallen ist sein Teamkollege Andreas Sczepansky, auch wenn es bei ihm etwas länger gedauert hat. „Ich bin über ein Sponsoring einer Rennserie durch mein Unternehmen in Berührung mit der Motorsport gekommen“, erzählt Sczepansky, der bis vor sieben Jahren noch in Kornwestheim lebte. Aber dann war es um den 52-Jährigen geschehen. „Ich war sofort begeistert und unheilbar von dem Virus infiziert.“

Nach dem Erwerb der Rennlizenz ließ sich der Unternehmer neben dem 24-Stunden-Rennen vor allem von Rennserien mit historischen Sportwagen faszinieren. 2016 schnappte er sich in der Porsche Club Historic Challenge den Gesamtsieg. Doch damit nicht genug: Seit der vergangenen Saison geht Sczepansky mit seinem firmeneigenen Team beim Porsche Carrera Cup, dem größten nationalen Markenpokal, an den Start. „Natürlich können wir mit den Profiteams nicht ganz mithalten“, gesteht der Geschäftsführer des Software-Unternehmens QA-Systems, das als Hauptsponsor und Namensgeber des Rennteams fungiert. Mit einem fünften Platz in der Amateur-Gesamtwertung sorgte er in seiner Premierensaison aber für Aufsehen.

Dass die Rennfahrer am vergangenen Wochenende gemeinsam in dem PS-starken Porsche 911 GT3 Cup saßen, hat aber nichts mit deren Kornwestheimer Hintergrund zu tun. Erst vor einigen Jahren lernten sich die beiden über den aktuellen Teamchef Kurt Ecke kennen. „Es ist fast nicht zu glauben, aber wir haben es geschafft, in so einer kleinen Stadt wie Kornwestheim trotz des ähnlichen Alters nie miteinander zu tun gehabt zu haben“, sagt Schlichenmeier, der mittlerweile bei Frankfurt eine Management-Beratungs-Firma leitet. „Erst über den Umweg Motorsport und einen gemeinsamen Freund sind wir uns begegnet“, fügt Sczepansky hinzu. Doch die Begeisterung und die gemeinsame Herkunft verbinden.

Und das ist auch gut so. Denn Teamwork ist bei einem 24-Stunden-Rennen entscheidend. Nicht nur die vier Fahrer von QA-Racing müssen sich blind verstehen, hinter dem Erfolg auf der Strecke steckt eine 30-köpfige Crew. Die besteht aus Verpflegungskräften, Mechanikern und Fachleuten an den Monitoren, die den Rennverlauf errechnen und planen. „Jeder Einzelne ist mit Herzblut dabei, daher haben wir Fahrer auch ein großes Vertrauen in das Team“, sagt Sczepansky.

Das Rennfieber der beiden Fahrer erreichte am vergangenen Wochenende die Höchsttemperatur. Das lag nicht an den 50 Grad, die im Cockpit des Wagens herrschten, sondern vielmehr am Mythos Nordschleife. „Es ist einfach die faszinierendste und anspruchsvollste Strecke der Welt“, schwärmt Schlichenmeier. Kein Wunder, dass neben dem Team, das bereits am Montag anreiste, auch über 200 000 Fans an die Strecke pilgerten und die Nordschleife in eine Partymeile verwandelten.

Vor dem Feiern lagen für Sczepansky und Schlichenmeier – sowie die Fahrer Kurt Ecke und Matthias Wasel – neben den freien Trainingsrunden und dem Qualifying noch mehr als 3500 Rennkilometer und 24 Stunden Maximalbelastung. „Es ist eine unglaubliche körperliche Belastung, du schläfst auch in den Fahrpausen nicht und du darfst dir keinen Fehler erlauben“, sagt Schlichenmeier.

Das gelang den vier Fahrern, die sich alle 90 Minuten im Cockpit abwechseln, bis zum Sonntagmorgen nahezu perfekt. Auf dem angepeilten Top-30-Kurs liegend, wurde der Porsche jedoch von einem Kontrahenten touchiert und landete in der Leitplanke. In der Box zimmerten die Mechaniker den demolierten Wagen aber in 30 Minuten wieder zusammen, sodass sich das gesamte Team nach dem Passieren der Zielflagge um 15.30 Uhr in den Armen lag. „Es wäre mehr drin gewesen, aber nach der Zieldurchfahrt hatten wir trotzdem Tränen in den Augen“, sagte Sczepansky, der sich über Platz 37 im Endklassement freute, aber mit den Gedanken schon bei der nächsten Ausgabe war. „Für den Körper ist das eine Tortur, aber für den Kopf ist das wie Urlaub.“ Steffen Schlichenmeier ergänzt: „Ich hab’ jetzt zwar Ganzkörpermuskelkater, aber wenn ich müsste, würde ich sofort wieder ins Auto steigen.“

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