Pattonville Corona: Mehr Flexibilität für Berufsschulen?

Von
Simone Hammer unterrichtet einen Teil der Industriekaufleute in hybriden Unterrichtsformen – und macht damit gute Erfahrungen. Foto: Mateja fotografie

Pattonville - Oliver Schmider ist Schulleiter der Erich-Bracher-Schule in Pattonville. Die Berufsschule ist nun wahrlich kein Leichtgewicht mit ihren mehr als 1700 Schülerinnen und Schülern und dem kaufmännischen Schwerpunkt. Dass ein einzelner Schulleiter sich so deutlich in Richtung Landes- und Bundespolitik positioniert, wie es Oliver Schmider dieser Tage tut, ist dennoch eher ungewöhnlich – auch wenn ihm die Kollegen manch anderer beruflicher Bildungsstätten in vielem zustimmen dürften.

Schmider hatte mit seiner Pressebeauftragten Angelika Schober-Penz eigens eine kleine Presserunde organisiert, um seine Anliegen vorzutragen. Er wünscht sich, dass den Berufsschulen in Sachen Corona-Regeln und -verordnungen mehr Flexibilität zugestanden wird als den allgemeinbildenden Schulen. Im Moment gilt wieder – trotz der seit einigen Wochen erneut hohen Infektionszahlen – als Stoßrichtung der Präsenzunterricht an den Schulen. Dass die Situation an Realschulen, Gemeinschaftsschulen Gymnasien und Co. aber mit den Berufsschulen nicht ganz vergleichbar seien, betont Schmider.

Zum einen sei die technische Ausstattung an der Erich-Bracher-Schule schon jetzt so, dass man Online-Unterricht auf hohem Niveau von jedem Klassenzimmer aus anbieten könne. „Da sind wir schon länger nicht schlecht aufgestellt“, sagt er. In jedem Klassenraum gibt es eine Kamera, Rechner und Übertragungsgeräte. Mittlerweile habe man MS Teams flächendeckend im Einsatz. „Und unsere Lehrkräfte sind engagiert, kennen sich mit den neuen Techniken und Organisationsformen aus“, sagt Schmider über sein Kollegium.

Zum anderen betont er die Bedeutung der Berufsschulen für die Wirtschaft. Zwecks Schützenhilfe hat die Schule Marion Hauser von der Firma Jetter in Ludwigsburg zu dem Gespräch dazu gebeten, als Vertreterin eines Betriebes, der Auszubildende an der Erich-Bracher-Schule hat. Sie berichtet, dass man die eigenen Azubis mittlerweile mit Laptops ausgestattet habe, um Unterricht zu Hause zu gewährleisten, und dass das die angehenden Industriekaufleute auch gerne annehmen.

Die Logik ist folgende: Zwar ist es nicht problematisch, wenn ein einzelner Azubi einige Tage ausfällt, wenn aber ganze Gruppen in Quarantäne müssen oder gar Fachkräfte in den Betrieben, weil ein Azubi aus der Schule mögliche Infektionen mit in den Betrieb trägt, dann sei das nachteilig für die Unternehmen und wirke sich in der Folge auf die gesamte Wirtschaft aus. „Deswegen“, sagt Schmider, „werben wir für mehr Flexibilität.“

Und wie soll die aussehen? Schmider stellt sich vor, dass man je nach Berufszweig, Ausbildungsstand, Infektionsgeschehen und Co. entscheidet, wie die einzelnen Berufsschulklassen unterrichtet werden, ob an der Schule oder zuhause per Stream und Chat. „Wir können das doch hier vor Ort am besten differenzieren“, sagt er. Besonders im Blick hat er dabei hybride Unterrichtsformen, bei denen ein Teil der Klasse an der Schule mit gebührendem Abstand sitzt, der andere zuhause, und das im Wechsel.

Derzeit probiert – obwohl es eben eigentlich so nicht vorgesehen ist – das sogar eine Sparte an der Erich-Bracher-Schule aus: Die Industriekaufleute werden in Teilen so unterrichtet, wie Fachbereichsleiterin Industrie, Simone Hammer, berichtet. „Wir machen da gute Erfahrungen“, sagt sie, „auch wenn es für uns Lehrkräfte eine Umstellung ist.“

Prüfungen fänden natürlich immer mit Präsenz statt, betont sie weiter. Ein Thema spricht Schmider indes nur am Rande an, obgleich es kürzlich ein großes war: Die Schulleiter der Berufsschulen im Kreis Ludwigsburg beschwerten sich beim Landkreis darüber, bei der Digitalisierung nicht ausreichend unterstützt zu werden.

Immerhin bekomme man demnächst Laptops und Tablets für Schüler, die damit ausgestattet werden müssten, sagt Schmider. „Aber ja, trotz der ordentlichen Ausstattung an der Erich-Bracher-Schule gibt es noch vieles zu tun in Sachen Digitalisierung.“

Artikel bewerten
5
loading
 
 

Sonderthemen