Pattonville Der Rombala-Hexe das Probejahr verkürzt

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Wurden erweckt: Rombala-Hexen Foto: Melanie Bürkle

Pattonville - Es rumpelt. Es poltert und holpert laut. Es donnert. Helle Lichtblitze zucken. Dann schleichen die Rombala-Hexen ums Eck, erst gemächlich, dann immer schnelleren Schrittes. Sie sortieren sich um den Hexenkessel und schon geht der wilde Brauchtumstanz los. Die Hexen sind erweckt. Die Fasnet kann kommen.

Am Montagabend war es in der Bürgerhalle in Pattonville wieder soweit: Die Hexen der Narren-Ober-Liga (NOL) wurden aus ihrer langen Schlafphase ins närrische Leben zurückgeholt. Das 42. Mal, um ganz genau zu sein. Immer wieder ist dieser Moment für alle Fasnetfreunde ein ganz besonderer. „Jetzt kann es endlich wieder losgehen. Wir freuen uns schon so wahnsinnig“, erklärt Zunftmeisterin Katherina Fehmer.

Doch in diesem Jahr schien alles auch ein wenig anders zu sein. Nach dem traditionellen Tanz, einem kurzen Hallo von Präsident Martin Türk und Prinzessin Alexandra I. und einem Schwung erster guter Laune wurde es emotional auf der Bühne. Die Zunftmeisterin blickte nicht nur voll Vorfreude auf die bevorstehenden Wochen, sondern bat auch darum, einen Moment innezuhalten. „Für all diejenigen, die dieses Mal nicht mehr mit uns feiern können“, so Fehmer mit schwerer, zittriger Stimme. „Freud und Leid liegen eben so nah beieinander.“ Die Zunftmeisterin war sich aber sicher: „Alle hätten gewollt, dass wir heute wieder gut in die Saison starten und wären gerne bei uns.“

Und so wurden nach einer kurzen Gedenkminute die Tränen weggewischt, um wieder der Fröhlichkeit ihren Raum zu geben. Es warteten schon die in knallpink gewandeten Mädchen der NOL-Kindergarde auf ihren großen Moment. Die kleinen Tanzmariechen sorgten schnell für Stimmung im Saal. Die Hopfengarde aus Markgröningen begeisterte mit als Tanzmariechen verkleideten Männern, die Grüne Garde der NOL führte einen Showtanz vor und Jana Abt von der Fasnetzunft Kornwestheim hatte schließlich wieder einmal die besten akrobatischen Einlagen für diesen Abend auf Lager. Übrigens: Insgesamt 22 Vereine waren am Montagabend nach Pattonville gekommen.

Mit großer Spannung erwarteten die Besucher den ersten offiziellen Auftritt der NOL Guggen feat. Renegades. „Bekanntermaßen hat es im vergangenen Frühjahr ja gedonnert und es gab einige Veränderungen bei der Guggenmusik“, blickte die Zunftmeisterin zurück. Nach der Jahreshauptversammlung habe es Unstimmigkeiten zwischen dem Präsidium und der Musikabteilung gegeben, eine Reihe von Guggenmusikern zog sich aus dem Verein zurück. „Jetzt sind wir sehr froh, sie heute Abend hier zu haben“, hieß Fehmer die neue Kooperation willkommen. Mit einem mächtigen, donnernden „Kawoom“ marschierte die Gruppe ein. Die Halle bebte, das Publikum stand und applaudierte. Besser konnte die Premiere kaum sein. Kaum größer hätte auch die Überraschung für Sarah Graichen, zweifache Mutter aus Kornwestheim, nicht sein können.

Eigentlich befand sie sich offiziell noch im Hexen-Probejahr. Vier Tage zu spät war sie nämlich vergangenes Jahr zu den Rombala-Hexen gestoßen, um noch in diesem Jahr aufgenommen werden zu können. So befand sich Sarah Graichen nichts ahnend im Publikum, als sie von der Zunftmeisterin auf die Bühne gebeten wurde. „Sie ist ein absoluter Glücksfall für die Gruppe, ein Diamant“, sagte Fehmer. Obwohl sie erst kurze Zeit dabei sei, habe sie die komplette Vereinsjugend übernommen und großes Engagement gezeigt. Deshalb wurde ihre Aufnahme nun kurzerhand ein klein wenig vorgezogen. Graichen wurde getauft und erhielt ihre Maske.

Die Mutter war überwältigt, und Katherina Fehmer überglücklich, wieder ein neues Mitglied in den Reihen zu begrüßen. „Die nächsten Wochen können kommen. Wir sind gewappnet“, sagte die Zunftmeisterin, während die Hästräger und Guggenmusiker freudig feierten.

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