Remseck Die Westrandbrücke wird Realität – zumindest digital

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Schäden in der Stadt melden, seine Meinung zu aktuellen Themen kundtun: Das macht die neue, kostenlose App der Stadt Remseck möglich. Foto: Ivan Kruk/Adobe Stock, Screenshots: Stadt Remseck (3), StZN

Remseck - Die neue Westrandbrücke über den Neckar in Remseck ist eines der umstrittensten Verkehrsprojekte im Kreis – und das, obwohl noch völlig unklar ist, ob sie überhaupt jemals gebaut wird. Trotzdem könnten sie viele Rems-ecker bald in voller Pracht vor Augen haben – in digitaler Form nämlich.

Möglich macht das eine neue App für Smartphones, die das Remsecker Rathaus herausgibt. Mit dem Programm sind virtuelle Rundgänge und Besichtigungen von besonderen Orten in der Stadt möglich, so zum Beispiel eine Tour über das Gelände der derzeit laufenden Remstalgartenschau. Künftig werden allerdings nicht mehr nur real existierende Orte begehbar, sondern auch dreidimensionale Modelle von Bauvorhaben, deren Realisierung noch weit in der Zukunft liegt – wie zum Beispiel der geplanten Neckarbrücke.

Digitaler Rundgang über die Gartenschau

Ein Ziel der App sei es gewesen, dass Bürger sich einen eigenen Eindruck von Bauprojekten machen könnten, sagt der Oberbürgermeister Dirk Schönberger – lange bevor diese Realität würden. Vermeintliche Monsterbrücken könnten so ihren Schrecken verlieren, hofft der Rathauschef, und spielt auf den Begriff an, den eine Bürgerinitiative für die Westrandbrücke verwendet hatte.

Von einem neuen Weg, die Bürger der Stadt zu erreichen, spricht Daniela Dürr, die bei der Verwaltung für Bürgerbeteiligung zuständig ist.

Konkret werden für die digitalen Rundgänge an mehreren Stellen in der Stadt 360-Grad-Aufnahmen geschossen. Durch diese Bilder können die Nutzer navigieren, indem sie das Smartphone in ihrer Hand bewegen. Noch eindrücklicher wird die virtuelle Realität durch 3-D-Brillen, die es im Handel und bald auch im Rathaus zu kaufen gibt: Setzt der Nutzer sie auf, bekommt er den Eindruck, direkt auf dem Gartenschaugelände zu stehen – oder neben der neuen Neckarbrücke, in voller Größe.

Weitere Funktionen für die App sind geplant

Die Remsecker App unterscheidet sich damit deutlich von ähnlichen Programmen, die Kommunen herausgeben. Möglich wurde das durch eine Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation und der Agentur Hitcom. Bei herkömmlichen, zweidimensionalen Grafiken erhalte der Bürger nur eine vage Ahnung von den Ausmaßen eines Bauprojekts, meint Sven Dübner vom Fraunhofer IAO. Die Virtual-Reality-Möglichkeiten der App würden aber reale Eindrücke von den Dimensionen vermitteln, „und jeder kann mit seinem Handy und der Brille so einen Rundgang machen“. Die 3-D-Modelle, zum Beispiel der Brücke, die dafür notwendig sind, sollen von den Architekten geliefert werden, die für die Bauvorhaben zuständig sind. Freigeschaltet wird diese Funktion der App erst nach und nach, zunächst ist nur die Gartenschau digital begehbar, im Sommer wird dann eine Tour durch das neue Rathaus freigeschaltet, im kommenden Jahr das Modell der Westrandbrücke. „Das hat keine andere Kommune“, erklärt Sven Dübner.

Trotz Entwicklungskosten von 100 000 Euro ist die App kostenlos

Neben den 360-Grad-Touren bietet die App auch einen Schadensmelder, mit dessen Hilfe Remsecker direkt ins Rathaus funken können, wenn sie ein verbeultes Straßenschild oder einen verbogenen Fahrradständer sehen. Die GPS-Daten des Ortes, wo der Schaden entdeckt wurde, wird mitgeliefert, damit die Mitarbeiter des Bauhofs nicht lange suchen müssen. Auch die aktuelle Ausgabe des Amtsblattes und Termine, die in der Stadt anstehen, finden sich in der App. Die soll aber bewusst keine mobile Version der Homepage sein: „Wir wollten, dass sie mehr kann“, sagt die Sprecherin der Stadt, Gudrun Fretwurst. Und so wurde ein Umfragemodul integriert, in dem Stimmungsbilder zu aktuellen Themen abgefragt werden können – zum Beispiel, wie die Gartenschau in der Bevölkerung ankommt.

Entsprechend der technischen Möglichkeiten war die App nicht günstig, die Entwicklungskosten von mehr als 100 000 Euro trägt das Rathaus, erhält aber die Hälfte vom Land aus Fördergeldern. Für die Bürger ist das Programm kostenlos zum Download erhältlich, für das Apple Betriebssystem iOS und Android.

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