Schach Schachfreunde weichen auf das Internet aus

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Julian Maisch bei einer regulären Schachpartie: Dieses Bild gibt es bis auf weiteres nicht mehr. Foto: Archiv/z

Kornwestheim - Die Corona-Pandemie lähmt den Spiel- und Sportbetrieb allerorten. Fußball, Handball oder Basketball, alles steht still. Gemeinsamer Trainingsbetrieb ist untersagt, Liga- oder Freundschaftsspiele erst recht. So gesehen haben die Mitglieder der Schachfreunde Kornwestheim noch Glück. Ihr Spiel lässt sich noch am besten aufs Internet übertragen. Zwar gibt es auch im Fußball, Handball oder Basketball Simulationen, bei denen Spieler online gegeneinander antreten können. Doch die haben bekanntermaßen nichts mit der wirklichen Sportart auf dem Rasen oder in der Halle zu tun. Im Schach ist das etwas anders.

Initiiert hat das Ganze im Fall der Schachfreunde deren Spielleiter Julian Maisch. Der 29-Jährige kennt sich aus mit Internetplattformen, auf denen Spieler kostenlos zusammenkommen und Partien austragen können. „Wir nutzen jetzt die Plattform ‚lichess.org‘“, verrät er. Dort loggen sich vor allem die jugendlichen SF-Mitglieder ein. „Man kann sogar Turniere spielen“, so Maisch. Beim Online-Blitzturnier am vergangenen Dienstagabend waren immerhin 21 Teilnehmer dabei.

Und noch besser: Auch Training ist über die Plattform möglich. Sprich: Die Spieler sehen sich einer bestimmten Stellung gegenüber und versuchen, diese zu lösen. „Da kann man auf dem Übungsbrett dann auch mal einen Zug rückgängig machen und ausprobieren“, weiß Maisch. Und beispielsweise über Skype könne man diese Aufgaben dann auch gemeinsam besprechen – was er bis dato aber noch nicht ausprobiert habe.

Vom reinen Spiel her unterscheidet sich rein gar nichts von Partien Angesicht zu Angesicht. Allerdings fehlt dann doch so etwas wie die echte Spielsituation. Auch wenn Online-Schach schon lange keine wirkliche Besonderheit mehr ist. „Interessanterweise hat Anfang März die erste deutsche Online-Meisterschaft begonnen, ganz unabhängig vom Corona-Virus“, berichtet Maisch, „da sind auch die besten Spieler Deutschlands dabei.“

Am Ende sei das Spiel im Internet auch eine Frage des Vertrauens. „Am PC kann man eben auch mal kurz nachschauen, wie man eine Situation am besten löst“, so Maisch. Bei größeren Online-Turnieren falle es dann aber doch auf, wenn jemand plötzlich außerordentlich gut spiele, von dem man es nicht erwarte. „Außerdem gibt es auch noch statistische Auswertungsverfahren anhand der Reihenfolge einzelner Züge“, weiß der Spieler des Schachfreunde-Verbandsligateams.

Ob er es für möglich hält, dass die Schachfreunde zumindest vereinsinterne Titelkämpfe im Internet austrügen? „Ich würde es bei Turnieren, die ausschließlich den Verein betreffen, nicht gänzlich ausschließen“, sagt Maisch. Da aber die Turniere, die meist über mehrere Einzelwettkämpfe andauern, fast alle so gut wie zu Ende gespielt seien, habe man keinen großen Zeitdruck. Denn, soviel darf als sicher gelten: Irgendwann sitzen sich die Schachfreunde im Haus der Musik auch wieder direkt am Brett gegenüber. Die Frage ist nur, wann.

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