Schiedsrichterwesen Referees im endlosen Wartestand

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Wie lange noch? Auch für die Schiris heißt es Warten. Foto: Pixabay

Kornwestheim - Eines darf als sicher gelten: Irgendwann wird auch im Amateurbereich wieder Sport getrieben. Ob Fußball, Handball, Basketball oder eine Disziplin ganz ohne -ball – es kommt die Zeit, in der die Athleten wieder gemeinsam in die Halle oder auf den Platz dürfen, erst zum Training und schließlich auch wieder zu Freundschafts- und Ligaspielen.

Nur geht dabei nichts ohne die Schiedsrichter, die in den Partien und manchmal auch am Rand für Ordnung und geregelten Ablauf sorgen. Schon seit Jahren klagt die Gilde der Unparteiischen über mangelnden Nachwuchs. Die Fußballer des SV Kornwestheim zum Beispiel stellen derzeit lediglich einen Referee. Wie wirkt sich nun die Corona-Pandemie auf das Schiedsrichterwesen aus?

Handball

Benjamin Schwaderer ist Schiedsrichterwart bei den SVK-Handballern und gleichzeitig Spieler in der dritten Mannschaft. Er sagt: „Ich glaube, dass es nach vielen Monaten Pause große Probleme geben wird.“ Das Fingerspitzengefühl, das man sich über Jahre hinweg aufgebaut habe, könne vielen abhanden gekommen sein. „Ich selbst habe da immer den doppelten Blick, einmal als Schiri, dann aber auch als Spieler“, so Schwaderer. Das Problem: Ans Spielen ist derzeit auch nicht zu denken, im Amateurhandball ist die Saison von der Baden-Württemberg-Oberliga abwärts bereits abgebrochen worden. „Es fehlt natürlich der Austausch mit Trainern und Spielern“, betont Schwaderer, der selbst auf Bezirksebene pfeift. Einige der aktuell 15 Unparteiischen bei den SVK-Handballern sind aber auch in der Württemberg-Oberliga zu finden.

Doch dafür müssen sie stets auf der Höhe sein. Aber auch die Schulungen, an denen die Unparteiischen regelmäßig teilnehmen, seien nur notdürftig über die Bühne gegangen, wie Schwaderer berichtet – online, wie überall sonst auch. Aber Praxiseinheiten ersetzt das nun mal nicht. Und was ist überhaupt mit der Fitness? Im Handball legt ein Schiri-Duo in 60 Minuten eine ganz schöne Strecke zurück, außerdem muss es manchmal auch ziemlich schnell gehen.

Fußball

„Es gab keinen Neulingskurs“, sagt Jennifer Raich, „und das wird sich mit Sicherheit bemerkbar machen.“ Die 24-Jährige ist Beisitzerin in der Schiedsrichtergruppe Ludwigsburg und zuständig für den kompletten Frauenbereich, die Schulungsorganisation und die Homepage. Sie selbst pfeift bis zur Kreisliga A. Natürlich seien Online-Schulungen kein Ersatz für persönliche Treffen, zudem seien ein bis zwei auch komplett ausgefallen. Aber manchmal gehe es nicht anders. „Im März halten wir unsere Jahreshauptversammlung auch im Internet ab. So einen neuen Obmann zu wählen, ist natürlich kein wirklich toller Rahmen“, sagt Raich.

Wie die Vereine sind auch die Schiris noch im Wartestand – keiner weiß, wie und ob es in dieser Saison noch weitergeht. Nach dem ersten Lockdown 2020 habe sich bei der Spielleitung selbst nicht viel verändert, sagt Jennifer Raich. „Es waren eher Kleinigkeiten, wie der Verzicht auf das Einlaufen vor Spielbeginn.“ Womöglich falle dem ein oder anderen der Einstieg jetzt aber schwerer, sollte die Saison noch einmal aufgenommen werden. „Das gilt auch für die Neulinge aus den vergangenen Jahren, bei denen noch die Routine in den Spielleitungen fehlt.“ Zumindest in Sachen Regelkenntnis habe man mit dem Verbandslehrstab ein gutes Angebot an virtuellen Schulungen geschaffen. Außerdem gibt es die Vorgabe, wie auch in normalen Zeiten, mindestens vier Schulungen zu besuchen.

Es fehlt aber trotzdem so einiges. „Eine Schulung besteht nicht nur aus dem Vortrag des Lehrwarts sondern bietet auch die Möglichkeit für Gespräche mit Freunden und Gleichgesinnten“, sagt Jennifer Raich, „dabei geht es oft um das Geschehen auf den lokalen Sportplätzen oder auch in der Bundesliga.“ Und sie sieht noch ein weiteres Problem: „Vor der Pandemie war das Thema Respekt und Umgang mit dem Schiedsrichter in den Fokus gerückt.“ Es sei die Rede von schnelleren Verwarnungen bei ausuferndem Benehmen gewesen, und dass die Profiligen hier mit gutem Beispiel voran gehen sollten. „Leider hat der Lockdown diese Initiative früh unterbrochen und ich befürchte, dass sie neben den aktuellen Themen und Streitpunkten aus den Profiligen in Vergessenheit gerät.“

Basketball

15 aktive Schiris gibt es bei den Basketballern der Skizunft Kornwestheim. „Es gab vor der Saison keine großen Regeländerungen, sodass zumindest dabei alle auf der Höhe sind“, sagt Patrick Zirn, Schiedsrichterwart der Giants. Auch der 21-Jährige sieht möglicherweise Schwierigkeiten auf die jüngere Generation zukommen. „Es wird eine Weile dauern, bis sie reinfinden“, sagt er. Auch die Basketballer sind derzeit noch im Wartestand, die Aussichten auf einen Fortgang der Runde schwinden von Tag zu Tag. Wie es dann vor der kommenden Saison mit Lehrgängen und Schulungen aussieht, steht in den Sternen.

„Man profitiert ja auch, wenn man selbst spielt“, sagt Zirn, der auch noch bei der ersten Giants-Mannschaft am Ball ist und seit dieser Saison in der 2. Regionalliga – der höchsten Spielkasse Baden-Württembergs – als Schiedsrichter aktiv ist. „Da war nach zwei Spielen aber leider Schluss“, bedauert er, „die Praxis fehlt komplett.“ Zwar helfe der Online-Schiedsrichter-Stammtisch einmal im Monat ein kleines bisschen, mehr aber auch nicht. Dass sich einige Unparteiische bei der Skizunft mit einer Lauf-App untereinander und auch mit anderen Mitspielern messen, dient lediglich der Fitness.

Zirn empfiehlt seinen Mit-Schiris einen Blick in die „Referee-Education“, also in eine Reihe von Podcasts von Bundesliga-Referees. „Das ist gut, auch, weil man Unparteiische erkennt, die man vielleicht in der Ludwigsburger MHP-Arena schon einmal gesehen hat.“

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