Handball Abschied nach nur einer Saison

Von Lars Laucke und Marius Venturini
Hans Christensen verlässt die SG bereits zum Saisonende wieder. Foto: Archiv (avanti)

Bottwartal - Die Zusammenarbeit zwischen Handball-Drittligist SG Schozach-Bottwartal und Trainer Hans Christensen wird nach nur einer Saison wieder enden – trotz des aktuellen sportlichen Höhenflugs, haben die SG-Frauen mit elf Siegen aus elf Spielen doch bislang eine makellose Bilanz vorzuweisen. „Bereits vor einigen Wochen bat Hans Christensen um ein Gespräch mit den Verantwortlichen der SG“, heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins. Schnell sei klar gewesen, worum es ging. „Hans wird den Verein nach nur einer Saison leider wieder verlassen. Die Gründe liegen im privaten Bereich und im doch sehr großen Aufwand, den Hans betreiben muss, um von Pforzheim nach Beilstein ins Training zu kommen.“

Bereits vor der Saison sei dies ein Punkt in den Gesprächen gewesen. „Beide Seiten waren sich damals einig, das Wagnis einzugehen.“ Nun scheint aber klar zu sein, dass die Belastung trotz des sportlichen Erfolgs zu groß ist. „Ich habe bereits nach der Vorbereitung das Gefühl gehabt, dass der zeitliche Aufwand höher ist, als Hans sich das selbst gedacht hat“, sagt die Teammanagerin Denise Geier. „Es ist ja immer eine Sache, dass man im Vorfeld sagt ,Ich bekomme das hin!’, aber eben eine andere, wenn man es dann Woche für Woche durchziehen muss.“ Christen habe den Verein dann doch sehr frühzeitig informiert, dass er nach dieser Saison nicht weitermachen werde. „Das ist sehr schade, aber ich kann es durchaus verstehen. Ich habe zum Teil mitbekommen, wie lange er spätabends noch unterwegs war“, so Geier.

„Ich hasse es, im Stau zu stehen.“

Christensen hat bis Mitte 2017 die erste Männermannschaft des SV Kornwestheim trainiert, drei Jahre lang. Mit dem Team stieg er im Jahr 2016 zwar von der 3. Liga in die Oberliga ab, schaffte zum Abschluss seiner Tätigkeit jedoch die direkte Rückkehr – und hinterließ seinem Nachfolger Alexander Schurr ein intaktes Team, das als Aufsteiger 2018 den Meistertitel in der Südstaffel holte. Schon beim Abschied aus Kornwestheim hatte er angeführt: „Es ist mir ein bisschen viel geworden.“ Die Fahrerei von Pforzheim aus sei sehr zeitaufwendig.

Allerdings: Das änderte sich auch nicht bei seinem folgenden Engagement von 2017 bis 2020 als Trainer der Drittligafrauen der SG BBM Bietigheim und der dortigen A-Juniorinnen. Nach einer kurzen coronabedingten Auszeit – und einem Kurz-Intermezzo als Spieler beim HC Neuenbürg – heuerte er bei der SG Schozach-Bottwartal an. Er habe zwar gewusst, worauf er sich einlasse. „Aber ich bin nicht so gern unterwegs, und ich hasse es, im Stau zu stehen.“ Es sei letztlich so gewesen, dass er seine Tochter zwei Tage in der Woche gar nicht sehe. „Zusammen mit der beruflichen Belastung habe ich einfach das Gefühl gehabt, dass ich zu viel verpasse und zu viel Zeit auf der Straße verbringe – so sehr mir die Arbeit in der Halle nach wie vor Spaß macht.“ Eine neue Aufgabe im Handball mit vielleicht weniger zeitlichem Aufwand und in räumlicher Nähe zu seinem Wohnort wolle er vorerst nicht suchen. „Ich bringe die Aufgabe bei der SG zu Ende, hoffentlich gut“, sagt er. Dann sei aber erst mal Pause. Wobei er einschränkt: „Man soll ja niemals nie sagen.“ Andererseits sei ein Engagement etwa bei einem Landesligisten mit nur zweimal Training pro Woche „schwer vorstellbar“.

Die SG-Mannschaft hat Christensen nach dem Spiel gegen den TV Möglingen Anfang November von seinem Abschied informiert. „Er wollte das selbst machen“, so Denise Geier, die sich zusammen mit den anderen Verantwortlichen dementsprechend schon eine ganze Weile mit der Suche nach einem Nachfolger beschäftigt. „Wir sind mit einigen Kandidaten im Gespräch. Vor Weihnachten werden wir eine Lösung für die Saison 2022/23 präsentieren.“ Eine zeitnahe Entscheidung sei auch deshalb notwendig, „weil wir ja den Spielerinnen etwas präsentieren möchten, wenn wir über die nächste Saison sprechen. Wenn man da nicht sagen kann, wer der Trainer sein wird, dann sind solche Gespräche immer sehr schwierig.“

Die 2. Bundesliga ist ein Thema.

Zudem im Falle der SG Schozach-Bottwartal ja auch noch die Frage im Raum steht, in welcher Liga man nächste Saison spielen wird. Hans Christensen hatte bereits nach Ende der Hinrunde gesagt: „Wenn man 20:0 Punkte hat, wäre es ja lächerlich zu sagen, dass man nur den Klassenerhalt schaffen will. Natürlich muss man sich mit dem Thema 2. Bundesliga beschäftigen.“ Wobei er nun also „nur noch“ dafür zuständig sein wird, diesen Sprung möglicherweise sportlich zu schaffen. Die finanziellen Aspekte „sind nicht mein Tisch“, wie der Däne sagt. Darum müssen sich Denise Geier und die SG-Verantwortlichen kümmern.

„Die finanziellen Anforderungen sind schon noch mal eine andere Hausnummer“, weiß die Teammanagerin. „Wir werden uns deshalb demnächst auch mit allen Vorstandsmitgliedern innerhalb der SG zusammensetzen und diskutieren, ob das Projekt zu stemmen wäre. Einreichen müssten wir die Unterlagen bis zum 1. März.“

Übrigens: Christensens Nachfolger bei der SG Schozach-Bottwartal steht seit diesem Freitag fest: Rouven Korreik übernimmt. Er trainiert aktuell die Frauen seines Heimatvereins SG Schorndorf in der Verbandsliga, hat aber zum Beispiel in Waiblingen bereits Drittligaerfahrung gesammelt. Sein Vertrag gilt für die 3. und 2. Liga.

Artikel bewerten
2
loading